© Patrick Wammerl

Chronik Niederösterreich
06/29/2021

Wiener Polizist in NÖ überfahren: Mordprozess gestartet

57-Jähriger droht lebenslange Haft. Frau bekannte sich nicht schuldig. Vorfall datiert vom August 2019.

Am Landesgericht Wiener Neustadt hat am Dienstagvormittag der Mordprozess um die Geschehnisse auf einem Campingplatz in Waidmannsfeld (Bezirk Wiener Neustadt) vom August 2019 begonnen. Vor den Geschworenen verantworten muss sich eine 57-Jährige. Ihr wird vorgeworfen, ihren bei der Polizei tätigen Wiener Ehepartner mit einem Auto überfahren und getötet zu haben. Der Angeklagten droht lebenslange Haft. Zu Beginn der Verhandlung bekannte sich die Frau nicht schuldig.

Am Abend des 13. August 2019 war der 54-jährige Polizist leblos auf dem Freizeitareal in Neusiedl bei Pernitz in der Gemeinde Waidmannsfeld entdeckt worden. Der Campingplatz taucht in der Anklage immer wieder als zentraler Punkt in der 13 Jahre andauernden Beziehung des Ehepaares auf. Das Duo hatte dort einen Stellplatz gemietet, wo es sich gerne aufhielt.

Ruppiger Umgang

Zum Zeitpunkt des Vorfalls waren die beiden seit einem Jahr verheiratet. Gepflegt haben sollen sie zueinander einen ruppigen Umgang. Immer wieder sei es - auch begünstigt durch reichlich Alkoholkonsum - zu Streit gekommen. Öfters besucht wurde ein Gasthaus am Campingareal, in dem die Angeklagte auch gelegentlich jobbte.

Alkohol konsumiert wurde von den Eheleuten auch dort. Der 13. August 2019 stellte in dieser Hinsicht laut Anklage keine Ausnahme dar. Was folgte, war ein Streit, der sich vom mobilen Heim vor die Campingplatzparzelle verlagerte. Laut einer Zeugin schrie die 57-Jährige dort: "Ich kann dich nicht mehr sehen, ich bring dich um!"

Schmerzmitteleinfluss

Unter Alkoholeinfluss - ihr wurden 0,86 Promille bescheinigt - sowie nach dem Konsum von Beruhigungs- und Schmerzmitteln stürmte die Wienerin danach zu ihrem Pkw und setzte sich hinter das Steuer. Nach einer Vorwärtsfahrt auf einem unbefestigten und schlecht beleuchteten Stück des Areals soll sie den Rückwärtsgang eingelegt und anschließend ihren Mann mit dem Heck des Kfz erfasst haben. Der 54-Jährige blieb nach einem Sturz liegen. Einige Wendemanöver später soll die Beschuldigte ihren Partner schließlich im Zuge einer Vorwärtsfahrt mit dem Kfz überrollt haben. "Leider haben wir keinen Zeugen, der die Tat unmittelbar verfolgt hat", betonte die Staatsanwältin in ihrem Eröffnungsvortrag.

Der 54-Jährige erlitt ein massives Quetschungstrauma des Brustkorbes und des Bauches, das u.a. mit einer Blutung in der Bauchhöhle einherging. Die Angeklagte verließ den Campingplatz nach dem Vorfall kurzzeitig und kam nach rund zehn Minuten wieder retour.

"Ungewöhnliches Mordverfahren"

Die Staatsanwältin sprach auch von einem "ungewöhnlichen Mordverfahren". Die Angeklagte sei schließlich nicht in Untersuchungshaft gesessen. Im Ermittlungsverfahren war lange offengeblieben, ob ein Fahrlässigkeits- oder Vorsatzdelikt im Raum steht. Nachdem ein auf grob fahrlässige Tötung lautender Strafantrag vom Landesgericht Wiener Neustadt zurückgewiesen worden war und diese Entscheidung vom Oberlandesgericht Wien bestätigt wurde, brachte die Staatsanwaltschaft Mordanklage ein.

Verteidiger Mathias Burger sprach von einem "schrecklichen Unfall", bei dem seine Mandantin den Ehemann verloren habe. Auch die Staatsanwaltschaft sei anfangs dieser Meinung gewesen. Das Oberlandesgericht habe in seiner Entscheidung dann lediglich einen "sehr sehr abgeschwächten" Tatverdacht in Richtung Mord geäußert, führte er ins Treffen.

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