Verlorenes Paradies: Bagger machen Paradeisinsel zu Natur-Juwel
Die Renaturierungsarbeiten auf der Paradeisinsel im Nationalpark Donau-Auen wurden mit einem Spatenstich eingeläutet (v.l.): viadonau Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler, Infrastrukturminister Peter Hanke, Nationalparkdirektorin Edith Klaus undBOKU-Projektkoordinator Helmut Habersack.
Die Donau und ihre Ufer sollen für alle nutzbar gemacht werden. "Für die Tierwelt, aber auch für die Sicherheit der Menschen", sagte Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) bei strahlendem Sonnenschein auf der Paradeisinsel bei Orth an der Donau (Bezirk Gänserndorf).
Das Naturjuwel erhält einen neuen Schliff. "Das ist ein schöner Schritt nach vorne Richtung Renaturierung. Es ist wichtig, dass wir hier Kilometer für Kilometer weiterarbeiten", betonte Hanke.
Insgesamt sind es 2,7 Kilometer, die entlang der Donau renaturiert werden. Der Baubeginn wurde am Freitag mit dem Minister eingeläutet. Verläuft alles nach Plan, sind die Bauarbeiten im Herbst fertig. "Es schaut jetzt wild aus, wenn die Bagger auffahren", sagt eine Mitarbeiterin des Nationalparks Donau-Auen. "Aber wenn das Wasser einmal drübergeht, dann ist alles wieder schön", weiß sie aus Erfahrung.
Mehr Raum für den Fluss
Dem Fluss soll durch dieses Projekt, das mit den EU-Förderprogrammen Horizon Europe, INTERREG Slowakei-Österreich und des European Open Rivers Programme von der "viadonau" realisiert wird, wieder mehr Raum gegeben werden. Gleichzeitig sollen die Wasserstraßen intakt bleiben.
"Neu vernetzte Seitengewässer, natürliche Ufer und eine wieder aufblühende Insel, die schließlich ganz sich selbst überlassen bleibt, sind ein lebendiger flussökologischer Erfolg, der auch Verbesserungen für Sicherheit und Schifffahrt bringt", fasst Hans-Peter Hasenbichler, Geschäftsführer von "viadonau" zusammen.
- Eigentlich heißt die Insel in den Donau-Auen bei Orth an der Donau "Paradeiserinsel".
- Sie bekam ihren Namen, als sie noch eine junge Insel war und noch wenig Vegetation herrschte: Die Donau hat Samen angespült und so gingen auf den Schotterbänken Paradeiserpflanzen auf.
16 Prozent der Infrastruktur wurden in den vergangenen 30 Jahren mit der viadonau renaturiert, darauf ist Edith Klauser, Direktorin des Nationalparks Donau-Auen, stolz. Dadurch werde die ökologische Weiterentwicklung der Flusslandschaft weiter forciert. Die Paradeisinsel soll wieder zu einer "echten wilden Donauinsel" werden, mit natürlichen Strukturen, wie Kiesbänken, Flachwasserbereichen und Uferrissen.
Ökosysteme werden vernetzt
"Unser großes Ziel ist es, die Wirtschaft und die Umwelt zu verbinden. Das geht", ist Projektleiter Helmut Habersack überzeugt. Für ihn dienen diese Infrastrukturmaßnahmen klar der Wirtschaftsförderung, denn die Arbeiten sichern Arbeitsplätze.
Gleichzeitig werden der ökologische Zustand sowie die Biodiversität verbessert, Ökosysteme werden vernetzt. Außerdem werde der Hochwasserschutz verbessert und die Dürre bekämpft. "Österreich kann hier Vorbild sein", ist Habersack von der Sinnhaftigkeit dieser Renaturierungsmaßnahmen überzeugt.
Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) ist froh über das Projekt. "Damit schützen wir wertvolle Arten, sie helfen aber auch im Hochwasserfall und schützen damit die Menschen in der Region." Bedrohte Fischarten und Vögel, wie etwa der Seeadler oder der Eisvogel, profitieren ebenfalls.
Natürliche Donauufer
In den nächsten Monaten wird auf der Paradeisinsel die harte Uferverbauung entfernt, damit sich wieder ein natürliches Donauufer bilden kann, um wertvollen Lebensraum zu schaffen, ohne dabei die Donau-Schifffahrt zu beeinträchtigen.
Durch die isolierte Lage zwischen Flussufer und Hauptstrom verleihen Flussinseln der Landschaft einen eigenen Charakter. Da sie vom Menschen unberührt bleiben, werden sie zu wertvollen Naturrefugien. Das Renaturierungsprojekt wird etwa eine Million Euro kosten.
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