"Betriebe mit enormer Zugkraft fehlen": WK-Gänserndorf zieht Bilanz
Wirtschaftskammer-Obmann Andreas Hager (l.) und WK-Bezirksstellenleiter Philipp Teufl informierten über die wirtschaftliche Lage im Bezirk Gänserndorf.
"In den vergangenen Jahren sind wir von einer Herausforderung in die nächste geschlittert, die Unternehmer wünschen sich Planungssicherheit", fasst Philipp Teufl, Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer in Gänserndorf, die aktuelle Lage zusammen. Generell ortet er, dass die Stimmung leicht positiv ist, ebenso wie die Zahlen.
Denn: "Wir sind weiterhin ein wachsender Bezirk", verzeichnete die Wirtschaftskammer im Vorjahr über 800 neue Kammermitglieder. Insgesamt waren es 6.300 Mitglieder im Jahr 2025. Auch jene Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, sind im Bezirk gestiegen: "Jeder Zuwachs ist ein Erfolg. Es sind jetzt wieder über 200 Betriebe", ist WK-Obmann Andreas Hager froh über ein zartes Wachstum.
Rund 500 Lehrlinge werden ausgebildet
Denn auch dem Bezirk fehlen die Fachkräfte. Darum ist die Ausbildung wichtig. Teufl rät aber, genau hinzuschauen, beim Lehrling und bei den Erziehungsberechtigten. Denn wenn es - warum auch immer - nicht passt, wird es für den Betrieb schwierig, da ein Lehrling nicht so einfach gekündigt werden kann.
Einvernehmliche Lösungen sind allerdings immer möglich. Der WK-Chef weiß aber, dass von den rund 500 Lehrlingen, die im Bezirk ausgebildet werden, nur ein sehr geringer Anteil Probleme macht. "Aber die schlagen eben bei uns auf. Mich ruft keiner an, um zu sagen, dass sein Lehrling super ist", erklärt Teufl.
Die WK-Bezirksstelle als Allgemeinmediziner
Was die Gründerberatung betrifft, haben die Mitarbeiter der WK Gänserndorf ebenso viel zu tun ("Das ist auch gut so."). Um die 450 Kontakte waren es im Vorjahr. Dabei werden vor allem die rechtlichen Fragen mit dem Neugründer geklärt. "Wir als Bezirksstelle sind der Allgemeinmediziner", vergleicht Teufl die Tätigkeit. Es wird geschaut, was der Unternehmer braucht - und dann geholfen oder an die richtige Stelle vermittelt.
Der persönliche Kontakt zu den Unternehmern ist ihm, wie auch Hager, wichtig. Darum gibt es im Jahr viele Vernetzungs-Veranstaltungen. Die seien im Vorfeld zwar viel Arbeit, "aber jede Minute wert". Denn nicht nur die Vertreter der WK kommen so ins Gespräch, auch die Unternehmer unter einander. So können sie sich gegenseitig unterstützen.
Sachlichkeit statt Emotionen
Der gute Kontakt, den die Wirtschaftskammer zu den örtlichen Behörden hat, sei ebenfalls in vielen Fällen hilfreich gewesen. "Oft reicht es, wenn wir nur dabei sind, um das Gespräch wieder auf eine sachliche Ebene zu bringen", weiß Hager. Denn manchmal ist die Situation emotional aufgeladen.
Ein Thema, das die Bilanz der Wirtschaftskammer seit Jahrzehnten begleitet, sind die Betriebsgebiete. "Die funktionieren einfach nur mit Infrastruktur." Mehr muss Teufl gar nicht sagen, jedem ist klar, dass er die fehlende Marchfeld Schnellstraße S8 anspricht. Es gebe im Bezirk zwar gute Beispiele, etwa den Ecoplus-Park in Markgrafneusiedl. "Der geht gut. Aber wie gut könnte er erst gehen, wenn wir eine S8 hätten", fragt der WK-Bezirkschef. Und: "Betriebe mit enormer Zugkraft fehlen uns."
"Arbeiten ist nicht sexy"
Denn die großen Betriebsansiedelungen im Bezirk bleiben aus. Darum ist er froh, dass McDonald's seit Kurzem eine große Filiale in der Bezirkshauptstadt eröffnet hat. Denn die bringt um die 60 Arbeitsplätze für die Region. "Trotz hoher Arbeitslosenquote im Bezirk war es aber schwierig, die Leute zu finden", weiß Teufl.
Das bringt ihn zu einem anderen Thema: Der Stellenwert der Arbeit müsse wieder gehoben werden. "Derzeit ist Arbeit wohl nicht sexy."
Gute Stimmung wird selbst gemacht
Für Hager ist klar, dass die allgemeine Lage immer noch herausfordernd ist. "Die gute Stimmung müssen wir uns selbst machen", meint er.
Wie das geht? "Mit einem positiven Mindset. Man darf nicht nur auf das Schlechte schauen. Wir sehen viel zu selten, wie gut es uns in Österreich geht." Da nickt Teufl: "Wir müssen mehr Erfolgsgeschichten erzählen und uns gegenseitig unterstützen."
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