Gänserndorf: 40 Jahre gab Georg Schicker bei der Feuerwehr den Ton an
An seinen Helm war Bezirksfeuerwehrkommandant Georg Schicker immer zu erkennen. Nach 40 Jahren Führung bei der Feuerwehr, wird am 27. Februar sein Nachfolger im Bezirk Gänserndorf gewählt.
Wenn er von den Katastrophen - Dammbruch, Waldbrand, Hochwasser - erzählt, die den Bezirk Gänserndorf im Vorjahr getroffen haben, dann leuchten seine Augen. Denn Georg Schicker ist einer, der helfen will und nicht davor zurückscheut, Verantwortung zu übernehmen und Anweisungen zu geben. Doch die Tage, in denen der Gänserndorfer Bezirksfeuerwehrkommandant dies tun wird, sind gezählt. Am 27. Februar wird sein Nachfolger gewählt.
Seine Funktion als Feuerwehrkommandant von seinem Heimatort Marchegg hat Schicker bereits Anfang Jänner übergeben. Warum eigentlich? Feuerwehrmitglieder dürfen bis 65 im aktiven Dienst bleiben. Schicker wird heuer 61. "Darum kann ich die Periode nicht mehr fertig machen, das will ich nicht", erklärt er, warum er ab 28. Februar nur noch einfacher Feuerwehrmann sein wird.
Fit bis zum letzten Tag
Diese Altersgrenze hält Schicker für wichtig. "Ich hab' geschaut, dass ich bis zum letzten Tag fit bin, körperlich und geistig. Als Kommandant musst du immer vorne mit dabei sein." Sein Nachfolger im Bezirk soll der Mannsdorfer Kommandant Markus Unger werden. "Er läuft schon lange mit mir mit, von dem weiß ich, dass er's kann."
Georg Schicker ist es bei Einsätzen gewohnt, "anzuschaffen, wenn's eng wird".
Ein Schritt, der nicht einfach ist. Immerhin gehörte er seit 1986 dem Kommando in Marchegg an, in dem Jahr hat er auch begonnen, andere Feuerwehrmitglieder auszubilden. 2006 wurde er zum Bezirksfeuerwehrkommandanten gewählt. Das bedeutet: 40 Jahre lang hat Georg Schicker bei Einsätzen gesagt, wo es lang geht. Damit ist Ende Februar Schluss. Wird der Umstieg schwer? "Sicher", schmunzelt Schicker, aber: "Ich hab allen versprochen, dass ich mich bemüh'."
Rauchfangkehrer und Feuerwehrmann
Im Brotberuf ist der zweifache Vater Rauchfangkehrer. Das Geschäft hat sein Ururgroßvater aufgebaut, der auch Mitbegründer der Marchegger Feuerwehr war. Der Familienbetrieb ist nur zwei Jahre älter, als die Feuerwehr. Als er 20 Jahre alt war, hat Schicker das Rauchfangkehrer-Unternehmen übernommen - und um Gas, Wasser, Heizung und Klimatechnik erweitert. Heute sind es 40 Mitarbeiter, die für Schicker arbeiten.
"Ich hab' geschaut, dass ich bis zum letzten Tag fit bin, körperlich und geistig. Als Kommandant musst du immer vorne mit dabei sein."
Bezirksfeuerwehrkommandant
"Seit ich die Augen aufgemacht hab, hüpf' ich bei der Feuerwehr umdadum", schildert der 60-Jährige. Bereits mit vier Jahren war er bei den Landesfeuerwehrwettkämpfen dabei - als Zuschauer natürlich.
Prägende Einsätze
An seinen ersten Einsatz kann er sich nicht mehr erinnern, aber an einen prägenden: Mit 15 Jahren kam er als Feuerwehrmann zu einem Verkehrsunfall, bei dem das Gehirn einer Person auf dem Auto geklebt ist. "Ich hab' lang gezittert", schildert Schicker. Doch damals galt: Das musst du aushalten.
Es folgten vielen Einsätze, die Schicker an die Nieren gingen; etwa einem 28-jährigen Vater beim Sterben die Hand zu halten. Worüber er sehr froh ist: "Ich hab' alle immer gut Heim gebracht. Es ist nie einer im Einsatz geblieben", hat Schicker kein Feuerwehrmitglied im Einsatz verloren.
Adrenalin im Einsatz
Verantwortung hat Schicker stets gern übernommen: "Wenn du Einsatzleiter bei 250 Leuten bist, dann hast du danach so viel Adrenalin im Blut, dass du glaubst, du kannst fliegen", strahlt der Feuerwehrmann bei dieser Erinnerung.
"Ich hab Entscheidungen getroffen und keine Sesselkreise gebildet."
Bezirksfeuerwehrkommandant
Überblick verschaffen und entscheiden
Wie man führt und einen Einsatz taktisch angeht, hat er von seinem Großvater bereits in jungen Jahren gelernt. "Ich stand oft wie der Ochs vorm neuen Tor - aber Gott sei Dank kann ich gut strukturieren." Heute verschafft er sich schnell den Überblick und entscheidet. "Es wäre schön, wenn man mein Hirn auf einen USB-Stick geben und dem nächsten raufladen könnte", würde er seinen Erfahrungsschatz gern 1:1 teilen.
Kommandant Georg Schicker hält sich körperlich und geistig fit, um bei Einsätzen immer vorne mit dabei sein zu können.
Schicker weiß, dass sein Führungsstil anders ist, als jener von modernen Managern. "Ich hab Entscheidungen getroffen und keine Sesselkreise gebildet." Er ist überzeugt, dass es einen geben muss, der "anschafft, wenn es eng wird".
Ein streitbarer Kommandant
Dass er sich damit nicht nur Freunde machte, ist dem 60-Jährigen bewusst: "Einen Beliebtheitswettbewerb gewinn ich sicher nicht", sagt Schicker lachend und beschreibt sich selbst als "direkt und grad". Einem Streit ist er nie aus dem Weg gegangen, weder intern noch extern. Denn für seine Kommandanten und Bürgermeister ist er immer eingestanden.
Darum war er auch rund um die Uhr erreichbar, hat Schnitzel geklopft, Dämme aufgebaggert oder geschlossen; immer mit dem Satz: "Geht scho', auf geht's!"
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