Wein unter PV-Modulen: Wachstum im Schatten der Energiewende
Im Energiepark Bruck/Leitha wird Landwirtschaft und Stromproduktion kombiniert.
Von Anna Mayr
Die Sonne brennt über den Weingärten in Bruck an der Leitha. An manchen Stöcken hängen braune Trauben, als wären sie verfault. Weinbauer Willi Schenzel schüttelt den Kopf: „Das ist Sonnenbrand.“ Ein Phänomen, das er inzwischen regelmäßig sieht und das die betroffenen Früchte unbrauchbar macht.
Das Klima verändert sich, die Herausforderungen für Weinbauern werden größer. „Früher hat es rund 110 Tage von der Blüte bis zur Lese gebraucht, heute sind es im Schnitt nur noch hundert“, erklärt er.
Der Schatten unter den PV-Modulen könnte den sogenannten Sonnenbrand verhindern.
Vor allem seine Weißweine leiden unter der Hitze und der direkten Sonneneinstrahlung. Schenzel betreibt biologischen Weinbau. Dabei wird oft das Laub entfernt, damit die Trauben besser belüftet sind und Schädlinge keine Chance haben. Das reduziert den Einsatz von Spritzmitteln – nimmt den Früchten aber gleichzeitig den natürlichen Sonnenschutz. „So sind die Trauben der prallen Sonne schutzlos ausgeliefert“, erklärt Schenzel.
Im Halbschatten
Von einem Urlaub in Deutschland kehrte er schließlich mit einer Idee zurück: Agri-Photovoltaik (Agri-PV) – Photovoltaikanlagen, die hoch genug über den Reben stehen, sodass weiterhin mit Maschinen gearbeitet werden kann. „Die Rebe liebt eigentlich Halbschatten. Unter den Modulen wäre genau das gegeben“, sagt Schenzel. Besonders empfindliche Sorten wie Riesling könnten so besser geschützt werden. Auch für Muskateller oder Grünen Veltliner sieht er Vorteile.
Willi Schenzel sieht in Agri-PV Vorteile.
Die Überlegungen des Winzers sind Teil eines größeren Projekts. Im Energiepark Bruck an der Leitha wird untersucht, wie Landwirtschaft und Stromproduktion auf derselben Fläche funktionieren können. Dafür wurde bereits mit verschiedenen Getreide- und Gemüsesorten experimentiert – unter anderem Kartoffeln, Mohn und Sonnenblumen, aber auch Schafe fanden unter den PV-Modulen Schatten und ein angenehmes Klima. Derzeit ist auch ein Agri-PV Projekt mit Hühnern geplant.
Pionierprojekt
Helga Csukker-Schwarzbauer, im Energiepark zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, spricht von einem Pionierprojekt: „Es ist das erste Projekt in Österreich das Photovoltaik und Weinreben in dieser Art kombiniert. Wir wollen zeigen, dass Strom und Landwirtschaft gleichzeitig möglich ist – das hat Vorbildcharakter!“
Die Anlage soll im Frühjahr errichtet werden, die Forschungsphase dauert ein Jahr, kann aber vom Energiepark verlängert werden. „Wir wollen Antworten liefern: Wie entwickeln sich junge Reben unter den Modulen? Welche Sorten profitieren?“, erklärt Christina Drochter, Projektentwicklerin im Energiepark. Vergleichsflächen ohne PV-Module dienen als Kontrolle.
Nichts versiegelt
Versiegelt wird bei Agri-PV übrigens nichts: Das Licht erreicht weiterhin den Boden, unter den Modulen ist es im Sommer um rund fünf Grad kühler. Und die Doppelnutzung ist fast vollständig gegeben – rund 97 Prozent der Fläche bleiben bewirtschaftbar.
Ganz unumstritten ist das Konzept trotzdem nicht. Manche lehnen Agri-PV im Weinbau ab, weil sie fürchten, es passe nicht ins Landschaftsbild. Für Schenzel ist klar: „Es darf kein Wildwuchs werden. In touristisch oder historisch sensiblen Gebieten wie dem Heiligenstein hat so etwas nichts verloren.“
Er plädiert für konzentrierte Einsatzbereiche – so würden sie sich auch leichter ins Landschaftsbild einfügen. Und Csukker-Schwarzbauer fügt hinzu: „Wenn ich weiter Grünen Veltliner trinken will, dann muss ich akzeptieren, wenn er unter PV-Modulen wächst.“
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