Ausbildung im Waldviertel: Wie ein junger Ukrainer Lehrling wurde
Danylo Isaiev hat vor wenigen Monaten seine Lehre im Betrieb der Familie Ableitinger in Schrems begonnen.
Mit ruhiger Hand wickelt Danylo Isaiev die rauen Faserstränge um das Gewinde. Schicht für Schicht verschwindet das blanke Metall unter den Fäden, die anschließend für eine dichte Verbindung zwischen den Rohren sorgen sollen. Aufgaben dieser Art zählen zu Danylos Arbeitsalltag, seit der 20-Jährige vor rund drei Monaten mit seiner Ausbildung zum Installations- und Gebäudetechniker in Schrems begonnen hat.
Als der vorherige Lehrling im Einzelunternehmen von Wolfgang Ableitinger seine Ausbildung beendete, begann die monatelange Suche nach einem Nachfolger. Ein schwieriger Prozess, wie der Inhaber und seine Frau schildern. Angesichts mehrerer Firmen in der näheren Umgebung sei es schwer, junge Leute für die Ausbildung in ihrem Handwerksbetrieb zu gewinnen. Größere Unternehmen würden etwa "Zuckerl" in Form von Handys oder dem Führerschein anbieten. "Das kann sich eine kleinere Firma nicht leisten", so Lydia Ableitinger. Ein weiterer Faktor sei die Geburtenrate. "Es sind ganz einfach die Leute nicht da", so Wolfgang Ableitinger.
Danylo kam vor etwa zweieinhalb Jahren nach Österreich. In seinem Heimatland hatte der junge Ukrainer ein Studium im Bereich Autoingenieurwesen begonnen. Die Suche nach einem Job führte ihn erst zum Arbeitsmarktservice (AMS) und ab März 2025 in das Jugendbildungszentrum Gmünd. Dabei handelt es sich um eine von sechs Niederlassungen in Niederösterreich, die vom Europäischen Sozialfonds, dem Land und dem AMS finanziert werden.
Die Initiative richtet sich an Personen zwischen 15 und 24 Jahren mit unterschiedlichsten Hintergründen, wie Karin Pichler vom Wifi NÖ erzählt. Unter anderem nutzen Jugendliche mit schlechten Deutschkenntnissen, Personen mit abgeschlossenen, aber nicht passenden Lehren sowie Schulabbrecher das Angebot, um in Beschäftigung zu kommen.
Stärken finden
Nach einem ersten Ankommen besuchen die Jugendlichen zunächst zwei Wochen lang das Startcamp und das Digi-Camp. In dieser Zeit sollen alle Teilnehmenden ihre eigenen Stärken im digitalen wie auch technischen Bereich kennenlernen. "Mädels mit Gelfingernägeln kommen dann drauf, dass sie besser und schneller im Würfelbau sind, als so mancher Bursche, der sagt: Ich kann das eh", so Pichler. Die gewonnenen Erkenntnisse über die eigenen Fähigkeiten fließen später in die Jobvermittlung mit ein.
Wolfgang Ableitinger mit seinem neuen Lehrling.
Je nach Bedürfnissen durchlaufen die Jugendlichen anschließend weitere Stationen. Im Wissenscamp können etwa Deutschkenntnisse verbessert, im Werkcamp praktische Erfahrungen gesammelt und im Aktivcamp schlechte Erfahrungen in der Schule aufgearbeitet werden. Wer bereit für den Berufseinstieg ist, kommt in das Perspektivencamp. "Sie haben meistens schon einen Führerschein, haben gute solide Ausbildungen", so Pichler. Auch Wechsel zwischen den Camps sind möglich.
60 Prozent vermittelt
2024 nahmen 243 Jugendliche an dem Programm in Gmünd teil. Rund 60 Prozent von ihnen gelang laut Angaben des AMS der nachhaltige Einstieg in den Beruf oder die Ausbildung.
Bevor sich Danylo für die Ausbildung im Betrieb Ableitinger bewarb, besuchte er unter anderem das Wissenscamp und konnte sich mehrere Wochen lang als Praktikant ein Bild von der Arbeit machen. Eine gute Ausgangslage, wie sein Chef findet: "Weil da kann er nachher wirklich sagen, gefällt es mir oder gefällt es mir nicht." Ableitinger selbst zeigt sich bezüglich seines neuen Lehrlings sehr positiv gestimmt: "Ich habe das Gefühl, dass das Interesse da ist." Auch Danylo scheint zufrieden: "Das ist eine gute Firma", ist er überzeugt.
Kommentare