Zurück aufs Land: Warum sich Botschafter für das Waldviertel einsetzen
Viele sind mit ihrer Heimat zufrieden – nicht alle sprechen darüber. Regina Sinhuber, Leopold Pigall und Barbara Calas‑Reiberger schon. Sie sind im Waldviertel aufgewachsen und haben bis heute einen engen Bezug zu der ländlich geprägten Region. So eng, dass sie einen Teil ihrer Freizeit dafür aufwenden, sich für ihre Herkunft starkzumachen.
Als Waldviertel-Botschafterinnen und -Botschafter möchten sie gemeinsam mit rund 860 weiteren Personen das Image der Region verbessern. Ziel der vom Verein Interkomm vor 15 Jahren gestarteten Initiative ist es, mehr Menschen im Waldviertel zu halten oder für ein Leben dort zu gewinnen.
Nicht immer ein leichtes Unterfangen: Die Region hat historisch mit Abwanderung und dem Abbau von Infrastruktur zu kämpfen. Zuletzt haben geplante Veränderungen im Gesundheitswesen – etwa die Schließung des Spitals in Gmünd – diese Herausforderungen ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
"Mir fehlt nichts"
Regina Sinhuber ist Botschafterin der ersten Stunde. Sie ist im Alter von 10 Jahren mit ihrer Mutter nach Wien gezogen. Aber: "Ich hab aber immer gewusst, dass ich dort unten nicht alt werden will", erzählt die 54-Jährige. Sie suchte bewusst die Rückkehr, heiratete einen Waldviertler und kehrte im Alter von 21 Jahren der Großstadt den Rücken.
Warum? "Es ist dieses Miteinander. Es ist günstiger. Das Gemüse kann ich selbst anbauen", zählt Sinhuber auf. Auch das kulturelle Angebot sei in den letzten Jahren gewachsen: "Mir fehlt nichts." Auf Nachfrage fällt ihr dennoch ein Nachteil ein: "Man braucht ein Auto."
Die dünnere Gesundheitsversorgung sei für sie kein Grund wegzuziehen, sie fühle sich gut aufgehoben. Ihre beiden Söhne sind ebenfalls in der Region geblieben, haben hier eine Lehre absolviert und Wurzeln geschlagen.
Zurückkehren, zurückgeben
Leopold Pigall ist erst seit Kurzem zurück in der Region. Für seine Ausbildung mit Schwerpunkt Krankenpflege zog der heute 50-Jährige als junger Mann vom Bezirk Horn – für zwei, drei Jahre, wie er damals dachte. Am Ende wurden es drei Jahrzehnte. Dass er wieder ins Waldviertel zurückkommen würde, sei für ihn dennoch immer klar gewesen: "Es war immer meine Heimat und wird immer meine Heimat bleiben."
Bei seiner Rückkehr wurde Pigall auf die Initiative aufmerksam und wollte der Region auch seine Stimme geben. "Ich bin gern hier und sehe es total positiv." Die Stille, die Natur und die Nähe zu den Nachbarinnen und Nachbarn machen für ihn das Waldviertel aus.
Auch Barbara Calas‑Reiberger zog für ihr Studium nach Wien. Die Architektin hat sich auf Leerstand und Bestandsbauten spezialisiert – "ein Thema am Land", wie sie festhält. Sie erinnere sich noch an Kindheitstage, als "in jedem kleinen Ort etwas los war". Mit ihrer Arbeit möchte sie dieses Leben in bisweilen ausgestorbene Ortskerne zurückbringen. "Das Waldviertel hat mich geformt, jetzt möchte ich dem Waldviertel etwas zurückgeben", sagt sie. Als Botschafterin will sie deshalb nicht nur werben, sondern aktiv an der Zukunft der Region mitarbeiten.
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