Experte zu Wahlkampf in St. Pölten: Was uns die Parteien sagen wollen

Rotes Wahlplakat
Die Stadt ist vor den Wahlen gespickt mit Plakaten. Doch welche Botschaft steckt dahinter?

Die St. Pöltnerinnen und St. Pöltner haben keine Wahl. Die Stadtparteien kämpfen vor der Gemeinderatswahl am Sonntag um jede Stimme, und davor gibt es kein Entkommen.

Überall im Stadtgebiet prangen Plakate mit den Gesichtern der Stadtpolitiker, Wahlslogans sind an jeder Ecke zu lesen. Und auch mit Seitenhieben auf die derzeit absolut regierende SPÖ wird nicht gespart. Die Kandidaten gehen in Sachen Plakatwerbung ins Volle – und das trotz Webauftritten und Social-Media-Plattformen.

„Diese Argumente kommen oft“, sagt Jörg Matthes, Werbeforscher an der Universität Wien und stellvertretender Leiter des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. „Tatsache ist aber: Mit Plakatwerbung kann man alle Menschen erreichen. Auch jene, die nicht politisch interessiert sind oder die online keinen Zugang zu den Themen der Parteien haben.“

Kernthemen

Dabei wird viel Geld in die Hand genommen, um all jene, die sich noch nicht für eine Partei entschieden haben, ins eigene Boot zu holen. „Es geht um Mobilisierung“, macht Matthes klar. Und in St. Pölten damit um einiges; 2021 nutzten nämlich nur 56 Prozent der Berechtigten ihr Wahlrecht. Der Rest ist ein großes Potenzial – und zwar für alle antretenden Parteien.

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„Dirty Campaigning“? Die umstrittenen Plakate der ÖVP.

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Kernthemen liest man bei den Neos. 

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Soziale Gerechtigkeit verspricht die KPÖ.

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Die FPÖ nützt den Erfolg der Bundesthemen.

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Die Grünen setzen auf ihre Stammwähler.

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Die ÖVP will die Absolute brechen. 

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„Alles gut“, kommuniziert die SPÖ. 

Doch wie bewertet der Experte die Wahlwerbung in der Landeshauptstadt? „Sie bietet wenig Überraschungen“, stellt Matthes fest. Die Opposition setzt weitgehend auf ihre Kernthemen, mit denen ÖVP, Grüne, Neos und KPÖ ihre Stammwählerschaft ansprechen. Die FPÖ greift auch in St. Pölten auf bundesweite Themen zurück, „was angesichts des Erfolgs der Freiheitlichen auch nur Sinn macht“, weiß Matthes.

Verteidigungsmodus

Die SPÖ hingegen muss ihre Absolute verteidigen – und ihren Wählerinnen und Wählern sagen, dass die „Stadler-Art“ ein Erfolgsgarant für St. Pölten ist. „Es herrscht eine positive Grundstimmung, die Kampagne ist stark auf eine Person konzentriert. Es sind typische Plakate für einen Amtsinhaber“, analysiert Matthes.

Nur eine Kampagne bricht für den Wissenschafter aus dem Kanon aus: Die umstrittenen roten Plakate der ÖVP, mit der sie die Sozialdemokraten attackieren (der KURIER berichtete). „Das kratzt an Dirty Campaigning“, ordnet Matthes ein – eine Schmutzkübelkampagne. Noch dazu sei auf den Plakaten nicht ersichtlich, von welcher Partei diese stammen, entgegen aller Empfehlungen aus der Forschung.

ÖVP schert aus

„Hier sind Provokation und Widerstand intendiert“, so Matthes. Die ÖVP wolle aufrütteln, wohl im Hinblick auf die Absolute. Dennoch sieht der Experte das Vorgehen kritisch. „Was würde es für die Demokratie bedeuten, wenn bei Wahlbotschaften nicht transparent ist, woher sie kommen? Ob sich diese Kampagne an der Wahlurne rentiert, darf bezweifelt werden.“

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