Narkose-Gespräch auf der Couch: So modern wird NÖs Medizin

In der "Region Mitte" werden die Stärken im Gesundheitsbereich gestärkt. So werden am Klinikstandort Klosterneuburg operative Eingriffe in der Tagesklinik durchgeführt.
LK Klosterneuburg

Der Gesundheitsplan 2040+ beschäftigt das Bundesland. Ausgearbeitet von Experten soll er der Politik die Richtung vorgeben, in die sich das Gesundheitssystem in Niederösterreich entwickeln soll. "Wir haben der Politik eigentlich wenig Spielraum gelassen, der Gesundheitsplan ist alternativlos", sagte Franz Laback, Geschäftsführer Gesundheitsregion NÖ Mitte, bei eine Pressekonferenz im Landesklinikum Klosterneuburg (Bezirk Tulln).

Das "Update zum Gesundheitsplan 2040+" eröffnete Gesundheitslandesrat Anton Kasser (ÖVP). Der demographische Wandel, wie auch der Fachkräftemangel stelle den Gesundheitsbereich vor große Herausforderungen. "In der Region Mitte gibt es nicht viel Neues. Wir stärken die bestehenden Strukturen", so der Landesrat. Auf das Flaggschiff St. Pölten sei man sehr stolz; am Klinikstandort Krems habe man die größte Expertise bei Krebstherapien. 

Krems bekommt mehr Linearbeschleuniger

Darum wird dort derzeit ausgebaut: Aktuell gibt es drei Linearbeschleuniger, das sind die Hauptgeräte der modernen Strahlentherapie, die Tumore punktgenau angreifen. Ende des Jahres soll der Umbau fertig sein, dann wird Krems über fünf Linearbeschleuniger verfügen.

Gesundheitsplan 2040+

Geschäftsführer der Gesundheitsregion Mitte DI Franz Laback, MBA, Landesrat Anton Kasser, Vorständin Elisabeth Bräutigam, Ärztlicher Direktor Dr. Herbert Huscsava

Die Zusammenarbeit der Klinken Krems und Melk werden in diesem Jahr ausgebaut. "Es geht darum, die Stärken zu stärken", betont Kasser, der die Zusammenlegung des Universitätsklinikums Tulln und des Landesklinikums Klosterneuburg zum Universitätsklinikum (UK) Tulln-Klosterneuburg als gutes Beispiel anführt. Die Aufteilung ist klar: Am Standort Klosterneuburg finden Tageschirurgische eingriffe statt, in Tulln werden Akutfälle behandelt. 

OP-Termine sind geplant und finden statt

Warum die "Entflechtung von Traumapatienten" sinnvoll ist, erklärte LGA-Vorständin Elisabeth Bräutigam: "Die OP-Termine sind geplant und müssen nicht verschoben werden, wenn der Hubschrauber kommt." Denn oft müssen geplante Eingriffe verschoben werden, wenn Notfälle zu behandeln sind. Die Planbarkeit führt nicht nur zu einer höheren Patientenzufriedenheit, sondern auch zu einer  besseren Planbarkeit fürs Klinikpersonal.

"Die Operationen sind reines Handwerkszeug und dafür haben wir die Expertise."

von Herbert Huscsava

Ärztlichem Direktor in UK Klosterneuburg

Die Patienten sind damit zufrieden, wie eine Umfrage zeigt: "99,4 Prozent ist es nach den Operationen gut gegangen, sie würden es wieder machen und weiter empfehlen. Das bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", ist Bräutigam überzeugt. Befragt wurden 9.600 Patienten.

Warum der Weg der tageschirurgische Eingriffe - 2025 waren es niederösterreichweit übrigens 44.000 - der richtige ist, erklärt der Ärztlichem Direktor Herbert Huscsava. "Es ist kein Experiment, wir feiern heuer im zehn Jahre Tagesklinik in Klosterneuburg", betont der Mediziner, dass er und sein Team auf viel Erfahrung zurückgreifen können.

Kleine Eingriffe an einem Tag erledigt

Die Patienten treffen am Vormittag ein, werden operiert und gehen am Abend wieder nach Hause. Die Bandbreite an Eingriffen sei groß und werde ständig erweitert. Am bekanntesten ist die Katarakt-Eingriffe, bei denen der Graue Star entfernt wird. Ebenso werden gynäkologische Kleinengriffe vorgenommen oder Gelenkspiegelung und das Karpaltunnelsyndrom wird behoben.

Uniklinikum Tulln-Klosterneuburg

Uniklinikum Tulln-Klosterneuburg

Uniklinikum Tulln-Klosterneuburg

Mehr Operationen, kurze Wartezeit

"Was man häufig macht, macht man gut. Die Operationen sind reines Handwerkszeug und dafür haben wir die Expertise", ist Huscava überzeugt. Je mehr Eingriffe am Tag durchgeführt werden, desto kürzer ist die Wartezeit für die einzelnen Patienten. Die OP-Termine sind gesichert, die drei OP-Säle sind gut frequentiert. Die Mitarbeitenden seien gut eingespielt, das wiederum sichere "einen ordentlichen Betrieb im OP". Die Arbeit in einer Tagesklink sei zudem sehr familienfreundlich: "Es gibt keine Nacht- und Wochenenddienste", erklärt der Ärztlichem Direktor, die letzten Operation wird um 15.30  Uhr durchgeführt.

Universitätsklinikum Tulln-Klosterneuburg

Seit Jahresbeginn gibt es das Universitätsklinikum Tulln-Klosterneuburg. 

Durch diese Auslagerung sei es möglich, in Tulln Ressourcen für die großen Operationen zu schaffen. Übrigens: Das Narkosegespräch kann beim Patienten zuhause auf der Couch stattfinden. Das "Emergency Eye" vom Notruf Niederösterreich macht dies bequem möglich. 

Verbesserte Versorgung

Diese Bündelung der Expertisen "verbessert die Versorgung und ermöglicht die höchste Qualität", ist Laback von dem Konzept überzeugt. Das zeige etwa die Verlegung der Geburtenstation, der "Babyvilla" von Klosterneuburg nach Tulln, die mit 1. Juli 2025 über die Bühne ging. 

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