Karl Habsburg: "Dieser Krieg hat alles verändert"

"Man kann Russland nicht zu einer Kapitulation zwingen" – Experten analysieren an der Militärakademie vier Jahre Ukraine-Krieg.
Karl Habsburg-Lothringen

Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine diskutierten Experten in der Theresianischen Militärakademie über militärische Entwicklungen, gesellschaftliche Folgen und die Auswirkungen auf Europa. 

Anlass war eine Veranstaltung der Reihe „Beurteilung der Lage – das aktuelle Weltgeschehen“, organisiert vom Milizverband und dem Militärkommando NÖ unter Kommandant Georg Härtinger.

Auf dem Podium saßen der ehemalige Generalstabschef Robert Brieger, der Unternehmer und Paneuropa-Präsident Karl Habsburg sowie die Journalistinnen und Ukraineexpertinnen Daniela Prugger und Lidiia Akryshora. Friedrich Schipper und Martin Zeiml moderierten.

Diskussion an der Militärakademie

Das Podium war prominent besetzt.

Große Widerstandskraft

Der Krieg habe die Ukraine stark belastet, erklärte Journalistin Daniela Prugger. „Nach vier Jahren Krieg ist das Land natürlich erschöpft und müde. Fast 70 Prozent der Bevölkerung glauben nicht, dass die derzeitigen Verhandlungen zu einem Frieden führen.“ Gleichzeitig gebe es eine große Widerstandskraft im Land.

Militärisch sei die Situation derzeit festgefahren, analysierte Ex-Generalstabschef Brieger: „Die militärische Lage entspricht einem Patt, mit leichten Vorteilen Russlands. Die schnelle russische Offensive ist gescheitert, die ukrainische Gegenoffensive ebenso.“

Angesichts moderner Drohnenkriegsführung seien große Geländegewinne kaum möglich. „Man kann Russland nicht zu einer Kapitulation zwingen, aber man kann einen russischen Erfolg verhindern.“

„Keine Zensur“

Welche Rolle Medien im Krieg spielen, schilderte Karl Habsburg, der seit Jahren einen Radiosender in der Ukraine betreibt: „Seit dem Krieg hat sich alles geändert. Meine Mitarbeiter stammen zum Großteil aus dem Donbass, viele haben in Butscha gelebt. Medien sind kriegswichtig, weshalb niemand eingezogen wurde. Ich bin überrascht, dass wir trotz der Lage kein Problem mit staatlicher Zensur haben. Wahrscheinlich, weil auch im Krieg ein Stück Normalität und Unterhaltung wichtig sind“, sagte Habsburg.

„Respektabler Pfad“

Der Krieg habe aber auch Auswirkungen auf Österreichs Verteidigungspolitik, so Brieger: „Dieser hat den Handlungsdruck erhöht und zu einem Landesverteidigungsfinanzierungsgesetz geführt für eine langfristige Steigerung der Mittel. Ein ambitionierter, respektabler Pfad. Wir haben seit dem kalten Krieg ein Drittel der Kasernen zugesperrt, 40 Prozent des Fuhrparks und zwei Drittel der Panzer eingespart. Jetzt bauen wir unsere Kapazitäten wieder auf. In diesem Zusammenhang sehe ich die Verlängerung der Wehrdienstzeit und die Wiedereinführung von Milizübungen als dringend notwendig an.“

Kommentare