Angespannte Lage in NÖ: Erst Jahrhundertflut, jetzt Dürre-Krise
Trockenheit setzt der Landwirtschaft zu.
Es war im September 2024, als Experten im Feuerwehr- und Sicherheitszentrum in Tulln zusammensaßen, um an der Bewältigung einer Krise zu arbeiten. Fast das gesamte Land stand unter Wasser, getroffen von einer Jahrhundertflut. Es gab Todesopfer sowie massive Schäden an der Infrastruktur und in der Landwirtschaft.
Am Freitag kamen Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP), LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Feuerwehrchef Dietmar Fahrafellner und Martin Angelmaier, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Land NÖ, erneut in Tulln zusammen, um wieder über eine Krise zu sprechen: die enorme Trockenheit.
„Einmal zu viel, einmal zu wenig“, brachte Angelmaier die abwechselnden Naturextreme auf den Punkt, die durch den Klimawandel verursacht würden. Die Situation stellt sich laut dem Experten in Niederösterreich derzeit folgendermaßen dar: Laut aktuellen Daten weisen bereits 46 Prozent der Messstellen niedrige Wasserstände auf, bei vier Prozent wird die Situation sogar als „sehr niedrig“ eingestuft.
Wasserreserven ausreichend vorhanden
„Die Lage ist angespannt, aber beherrschbar“, betonte Pernkopf (ÖVP). Zwar könne es lokal zu Problemen kommen, landesweit seien jedoch ausreichend Wasserreserven vorhanden. Entscheidend sei dabei vor allem die gute Vernetzung der Versorgungssysteme.
Tatsächlich ist die Situation in einigen wenigen Ortschaften bereits brenzlig. Im Bezirk Melk gab es Probleme mit der Versorgung. In der Gemeinde Artstetten-Pöbring war ein Ortsteil zeitweise ohne Trinkwasser. Angelmaier versucht aber zu beschwichtigen. Es handle sich dabei um Einzelfälle.
Notversorgung
Zudem gebe es für solche Situationen mit dem Bund ausgearbeitete Notfallpläne. Je nach Bedarf könnten etwa provisorische Leitungen zu anderen Gemeinden gelegt oder Tankwagen eingesetzt werden.
Totschnig, Angelmaier und Pernkopf analysierten die Lage.
„Wenn lokal Engpässe auftreten, kann innerhalb weniger Stunden eine Notversorgung organisiert werden“, betonte Pernkopf. In den vergangenen Jahren sei massiv in die Versorgungssicherheit investiert worden.
„Klimawandel findet statt“
Auch Totschnig verwies auf umfangreiche Investitionen in die Wasserinfrastruktur. Trotz der anhaltenden Trockenperioden sei die Versorgung in Österreich gesichert. „Der Klimawandel findet statt. Wir haben große Herausforderungen, aber die Situation ist gut beherrschbar“, sagte der Minister.
Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang auch über das Befüllen privater Pools. Der Minister sprach sich gegen zentrale Verbote aus und verwies auf Lösungen vor Ort. Auch der niederösterreichische LH-Stellvertreter betonte, dass es dabei vor allem auf die Abstimmung mit den jeweiligen Wasserversorgern ankomme. Problematisch sei weniger die Gesamtmenge des Wassers, sondern vielmehr, wenn viele Pools gleichzeitig befüllt würden.
Derzeit werden rund 92 Prozent der Niederösterreicher öffentlich mit Trinkwasser versorgt. Mehr als die Hälfte entfällt dabei auf Gemeinden und Wassergenossenschaften, weitere Teile auf regionale und überregionale Versorger. Acht Prozent der Haushalte nutzen eigene Brunnen. Seit dem Jahr 2020 wurden laut Land rund 500 Millionen Euro in etwa 1.400 Projekte zur Wasserversorgung investiert.
Vor allem in der Landwirtschaft befürchtet Pernkopf nun große Schäden: „Man kann nur hoffen, dass es bald wieder regnet.“
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