Trockenheit in Österreich: "Keiner hat so etwas jemals erlebt"
Die Trockenheit ist in Österreich längst kein Phänomen des Hochsommers, sondern vernichtet bereits im Frühjahr Äcker. Regional fehlen bis zu 85 Prozent des üblichen Niederschlags. Wenn Bauern heute sagen: „Keiner von uns hat so etwas jemals erlebt“, ist die Debatte keine akademische mehr.
Vielmehr können Äcker nicht bestellt werden, Quellen versiegen, und sogar die Stromproduktion aus Wasserkraft ist regional um 20 Prozent gesunken. „Es wird Ausfälle geben, vor allem bei Wintergetreide, Mais, Soja, aber auch im Grünland“, warnt Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger.
Die Hoffnung ist, dass die Trockenheit „eh noch normal“ ist, die aktuelle Dürre nur ein statistischer Ausreißer und ausreichend Regen schon noch fallen wird. Das wäre uns zu wünschen, doch laut Prognosen sind ausreichend flächendeckende Regenfälle derzeit unwahrscheinlich. So sind aktuell etwa 70 Prozent der Grundwasserstände in Österreich viel zu niedrig, viele davon liegen bereits unter den historischen Tiefständen. Bedenkt man, dass der österreichische Trinkwasserbedarf zur Gänze aus dem Grund- und Quellwasser gedeckt wird, ist das dramatisch.
„Die Land- und Forstwirtschaft steht unter massivem Druck“, so die aktuelle Aussendung des Landwirtschaftsministers, der auch die Umwelt- und Klimaagenden verantwortet. Erstaunlich, dass in der Aussendung kein einziges Mal Wörter wie Klimawandel, Klimafolgen oder Klimapolitik genannt werden.
Aber genau da sind wir: Von der Politik hört man nicht, was tatsächlich Sache ist. Dabei ist der erste Schritt zur Lösung eines Problems immer das Eingeständnis, dass man ein Problem hat. Während das Landwirtschaftsministerium also auf Hunderte genehmigte Wasserprojekte und geplante Studien verweist, kritisieren grüne Opposition und Umwelt-NGOs das Agieren der Regierung als „kurzsichtig“ und „verantwortungslos“.
Es reicht nicht, den Klimawandel in Sonntagsreden zu bedauern. Die austrocknenden Böden (auch eine Folge der Klimaerwärmung) und sinkenden Grundwasserpegel sind ein lauter Weckruf der Natur, in die Gänge zu kommen. So hart die Kritik am aktuellen politischen Stillstand sein mag – wir sind dieser Krise nicht hilflos ausgeliefert.
Österreich ist ein Land der Problemlöser: Unsere Landwirte, Ingenieure und Forscher arbeiten längst an Konzepten für „Schwammstädte“ (Regenwassernutzung in Städten), entsiegelte Böden und smarte Bewässerungssysteme. Das Wissen und die Technologie für die Klimawandelanpassung wären da. Es muss gelingen, diesen Innovationsgeist einzufordern und die Politik dazu zu zwingen, notwendige Schritte folgen zu lassen, die Geld kosten werden. Dann wird Österreich auch in einer wärmeren Zukunft ein lebenswertes und wasserreiches Land bleiben können.
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