Windräder im Naherholungsgebiet: Projekt in NÖ sorgt für Zündstoff

Zwei Windkraftanlagen mit rot markierten Rotorblättern vor einem hellen Himmel.
In der Region um Traismauer soll ein Windpark entstehen. Gegner fordern eine Volksbefragung, der Bürgermeister beruhigt.

Die Broschüre, die das Unternehmen WEB Windenergie AG angefertigt hat, soll wohl auch Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Da ist die Rede von einem „offenen Informationsprozess“, notwendige Rodungen würden „auf das notwendige Ausmaß“ beschränkt werden. 

Selbstverständlich, so wird betont, gebe es auch ein UVP-Verfahren, Großtransporte durch Siedlungen seien ebenfalls nicht geplant, die Abstände zu den Wohngebieten ausreichend.

Zudem wird mit finanziellen Vorteilen geworben: Die Bürger würden durch billigeren Strom profitieren, zudem könnten sich die Gemeinden über ein jährliches Nutzungsentgelt von bis zu 50.000 Euro pro Windrad freuen. Kurzum: Es sei ein gutes Projekt, das da zwischen den Gemeinden Traismauer, Herzogenburg und Sitzenberg-Reidling in einem Naherholungsgebiet entstehen soll.

250 Meter hoch

Doch der Plan, rund um den Seelackenberg acht etwa 250 Meter hohe Windräder errichten zu wollen, sorgt für Aufregung in der Region. Bürgerinitiativen und Politiker haben sich in Stellung gebracht, sie wollen den Windpark verhindern – wenn nötig, auch mit einer Volksbefragung.

„Wir haben die notwendigen Unterschriften bereits gesammelt“, erzählt Stadtrat Konstantin Bernhard von der Bürgerliste Gegenwind Herzogenburg (BGH). 628 Unterschriften seien für eine Volksbefragung notwendig gewesen, es sollen sogar noch rund 300 mehr geworden sein. „Wir sind nicht gegen Windkraft, aber an diesem Standort wollen wir keine Windräder.“

Dem schließt sich Alexandra Krauss, Vizebürgermeisterin von Sitzenberg-Reidling, an. Auch sie ist gegen das Vorhaben. 

Die Freiheitlichen in Traismauer machen ebenfalls mobil. Die Blauen durften sich bei einem Stammtisch über ein volles Haus freuen, als Unterstützer reiste FPÖ-Landtagsabgeordneter Dieter Dorner an.

Bürgerversammlung in Traismauer

FPÖ sorgte für volles Haus, Dorner kritisiert Vorhaben scharf.

„In Traismauer soll über die Köpfe der Bürger hinweg Stromfabriken im Wald errichtet werden. Wir fordern eine verbindliche Volksbefragung. Die Betroffenen sollen entscheiden, ob sie mit der Zerstörung des Naherholungsgebietes einverstanden sind, damit die Windparkbetreiber Millionen scheffeln können“, so Dorner.

"Wir haben zeitlich keinen Stress"

Unterdessen versucht Herbert Pfeffer, SPÖ-Bürgermeister von Traismauer, zu beruhigen. „Ab Februar wird es eine Ausstellung geben, bei der sich die Bürger umfassend informieren können. Deshalb würde eine Volksbefragung jetzt auch noch gar keinen Sinn machen. Wir haben zeitlich überhaupt keinen Stress“, meint Pfeffer, der sich grundsätzlich als Windkraft-Befürworter sieht. Baubeginn könnte frühestens 2030 sein.

Übrigens: Bereits vor etwas mehr zehn Jahren wurde über ein Windpark-Projekt in der Region diskutiert. Die Gegner erzählen noch heute gerne, wer dem Vorhaben damals sehr skeptisch gegenüberstand: Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP).

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