Markus H. bei der Tatort-Rekonstruktion

© Patrick Wammerl

Chronik Niederösterreich
07/16/2019

Taverdächtiger nach Oma-Mord gilt als zurechnungsfähig

Für den Anwalt eine „Fehleinschätzung“ des psychiatrischen Gutachters. Sein Mandant ist seit Jahren psychisch krank.

von Patrick Wammerl

Die Anklageschrift ist ein Dokument, das seelische Abgründe erahnen lässt. Umso überraschender ist es, dass der tatverdächtige Enkelsohn nach der Bluttat an seiner 75-jährigen Großmutter in Grafenbach (Bezirk Neunkirchen) laut Gutachten zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat gegen Markus H. Anklage wegen Mordes eingebracht und wegen paranoider Schizophrenie eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt.

Der 29-Jährige steht im dringenden Verdacht, in der Nacht auf den 23. März seine Großmutter Maria P. in deren Haus in Grafenbach ermordet zu haben. Laut Obduktionsgutachten erlitt die 75-Jährige schwere Kopfverletzungen durch Schläge und zahlreiche Messerstiche in Hals und Brust.

Neben der Leiche fand die Polizei ein wirres Schreiben. Die Ermittler deuten es als eine Art Bekennerbrief: „Es gibt mehrere wenn nicht viele Gründe warum Sie nicht verdienen zu leben. Einer davon ist, dass sie ihrem suchtkranken, wohl bemerkt auch schizophrenem Enkerl, etwas „Gutes“ tun wollen. Dies umfasst also die Gabe von Zigaretten, Alkohol, Tramadol wie auch Geld in Unmengen. Meiner Meinung nach stellt hier vor allem das Geld als das größte Problem dar, da er sich nun ungehindert mit allem was nötig ist eindecken kann. Sie rechtfertigen damit den Untergang ihres Enkerls..., heißt es darin wörtlich.

Unter Drogen

Laut Staatsanwaltschaft zeige sich in dem Schreiben, dass Markus H. den Tod seiner Großmutter wünschte und als gerechtfertigt ansah. Der 29-Jährige, der bereits jahrelang in psychiatrischer Behandlung und auch medikamentös wegen seiner Geisteskrankheit eingestellt war, soll in der Tatnacht unter schwerem Drogeneinfluss gestanden haben. In seiner Harnprobe wurden fünf stark beeinträchtigende Substanzen wie Tramadol, Morphin oder Amphetamin festgestellt. Dennoch kam der psychiatrische Gerichtssachverständige Manfred Walzl zu dem Schluss, dass der Zustand zu keiner „relevanten Beeinflussung“ des Verdächtigen geführt habe.

Der Verteidiger des Angeklagten, Wolfgang Blaschitz, kann diese These des Sachverständigen nicht nachvollziehen. „Er soll zu gewesen sein mit allen möglichen Drogen, ohne das dadurch sein Wesen verändert wurde? Wie soll es das geben? Selbst wenn er medikamentös eingestellt war, weiß man nicht, ob er diese Tabletten überhaupt genommen hat“, so Blaschitz.

Er plädiert deshalb auf Unzurechnungsfähigkeit seines Mandanten und wird bei der Verhandlung entsprechende Beweisanträge einbringen. „Es geht hier um einen kranken Menschen, der dringend Therapie benötigt“, so der Anwalt. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest.

Patrick wammerl

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