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Interview
12/22/2021

Erwin Pröll über die neue Regierung: „Talent allein ist zu wenig“

Mit der Performance seiner drei ehemaligen engen Mitarbeiter in der in der Bundesregierung ist Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll zufrieden. Sie hätten nicht nur Talent, sondern auch politische Erfahrung.

von Martin Gebhart

Wenn es um das aktuelle tagespolitische Geschehen geht, hat sich Erwin Pröll seit seinem Abschied 2017 aus dem Landeshauptmannbüro in St. Pölten ein Schweigegelübde auferlegt. Auch bei den Interviews anlässlich seines 75. Geburtstages, den er am 24. Dezember feiert, ist er sich da treu geblieben. Regieren und Verantwortung tragen sei ohnehin schwer genug, sagt er im Gespräch mit dem KURIER. „Und wenn dann noch Zurufe kommen von Menschen, die keine Verantwortung mehr innehaben und alles nur besser wissen wollen, dann macht das die Arbeit noch schwieriger.“ Das wolle er niemandem antun, weder im Bund noch im Land.

Grundsätzlich allerdings äußert er sich dann doch zum ÖVP-Team in der Bundesregierung. Immerhin haben mit Kanzler Karl Nehammer, Innenminister Gerhard Karner und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner gleich drei Regierungsmitglieder das politische Handwerk in der St. Pöltner Parteizentrale, dem Haus 2.1, in seiner Zeit als Landesparteiobmann gelernt. Pröll: „Alle drei waren über viele Jahre meine engen und engsten Mitarbeiter, die unglaublich tüchtig gearbeitet haben.“

Sie hätten gelernt, „dass Politik kein Spaziergang ist, dass es eine Notwendigkeit ist, mit den Menschen, für die sie da sind, auf Du und Du zu sein“. Und: „Talent allein ist zu wenig. Man braucht zum Talent politische Erfahrung und Lebenserfahrung, um erfolgreich sein zu können. Das haben alle drei.“ Dass da Kritik an Ex-Kanzler Kurz durchklingt, verneint Pröll: „Das ist keine Kritik an jemandem, das ist eine grundsätzliche Feststellung.“

"Ein normaler Kontakt"

Im Haus 2.1 hat auch Prölls Nachfolgerin Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ihr politisches Handwerk gelernt. Ihr hatte Pröll beim Abschied versprochen, mit Rat zur Seite zu stehen. Aber nur, wenn sie das will. „Wir haben im alltäglichen Leben einen ganz normalen Kontakt, wenn wir uns irgendwo treffen. Mein persönlicher Rat wurde bis jetzt noch nie in Anspruch genommen, aber das ist überhaupt kein Problem. Ich sehe das auch relativ locker, denn jede und jeder hat seinen eigenen Arbeitsstil. Das Entscheidende ist, dass sich der Erfolg einstellt.“

Als mächtiger Landeshauptmann hatte Erwin Pröll ein riesiges Netzwerk. Dass das in der Polit-Pension anders ist, nimmt er gelassen: „Da merkt man tatsächlich, dass sich Spreu von Weizen trennt.“ Er sei aber sehr überrascht, dass vor allem im Künstlerbereich alte Freundschaften aufrecht geblieben sind. In der Politik sei das nicht so intensiv, „weil die aktiven Politiker unter unglaublichem Zeitmangel leiden“. Dennoch sei der Kontakt – auch zu ehemaligen Gegnern – „freundschaftlich“.

Verschiedenste Erzählungen gibt es über sein Verhältnis zu seinem Neffen Josef Pröll. Als dieser Vizekanzler war, hatte es mit seinem Onkel Landeshauptmann immer wieder gröbere Reibereien gegeben. Und jetzt: „Wir treffen uns im Jahr einige Male. Man sollte da nichts hineininterpretieren. Wir haben ein ganz normales Verhältnis.“ Dass es in Josef Prölls Zeit als Vizekanzler Konflikte gegeben habe, sei nichts Besonderes. „Der Standort bestimmt den Standpunkt. Das muss man ganz normal austragen, damit ist die Sache erledigt.“

Und wie ist mittlerweile das Verhältnis zu Ex-Innenminister Ernst Strasser, den Pröll 1992 als Landesgeschäftsführer an seine Seite geholt hatte, und mit dem es zum Bruch gekommen sein soll, als dieser 2004 unerwartet das Ministeramt hingeschmissen hat. „Ernst Strasser und ich hatten das persönlich nie als Bruch erlebt, wiewohl ich sehr überrascht war, als er damals von einer auf die andere Stunde dem Innenministerium ade gesagt hat. Ich weiß bis heute nicht den Grund. Aber wir hatten vor nicht allzu langer Zeit eine schöne Begegnung. Wir haben gemütlich Kaffee getrunken und uns ausgetauscht.“

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