Koalitionspoker in St. Pölten: Die Woche der Entscheidung ist da

Rathaus St. Pölten
SPÖ-Stadtchef Stadler steht vor der Wahl eines Koalitionspartners – jede Option birgt auch personelle Risken.

Still ist es geworden um den Koalitionspoker in der Landeshauptstadt. Es ist aber eine angeordnete Stille, weil die Parteien vereinbart haben, dass keine Inhalte an die Öffentlichkeit dringen sollen.

Dennoch arbeitet SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler intensiv an einer künftigen Koalition, die die kommenden fünf Jahre die Landeshauptstadt regieren soll. 

Wie der KURIER erfuhr, könnte noch diese Woche eine Entscheidung fallen, mit wem die Sozialdemokraten, die bei der Gemeinderatswahl mit minus 13,5 Prozentpunkte massive Verluste erlitten, aber trotzdem klar auf Platz Eins landeten, in ganz konkrete Verhandlungen gehen werden. Die Zeit drängt: Bis 23. Februar muss sich der neue Gemeinderat konstituieren.

Unterdessen gibt es einige Indizien dafür, wo die (politische) Reise hingehen könnte. Stadler führte bereits Gespräche mit allen Parteien, als Koalitionspartner kommen die ÖVP, die Grünen und die FPÖ infrage. 

Die Grünen warten auf weiteren Termin

Mit der Öko-Partei saß der Stadtchef erst einmal zusammen, dabei ging es noch gar nicht um Inhalte, eher um ein atmosphärisches Antasten. Während die SPÖ bereits mit der Volkspartei und den Freiheitlichen Folgetermine fixiert hat, soll das Team um Walter Heimerl-Lesnik noch auf eine weitere Verhandlungsrunde warten. Bislang, so war zu erfahren, habe es noch keine weitere Einladung gegeben.

Die Variante mit der ÖVP könnte Stadler vor allem aus personeller Hinsicht gelegen kommen. Warum? Die Schwarzen haben als zweitstärkste Kraft den Anspruch auf einen Vizebürgermeisterposten, den Spitzenkandidat und Stadtparteiobmann Florian Krumböck als Nachfolger von Matthias Adl einnehmen wird. Damit könnte Michael Kögl, seit Sommer 2025 SPÖ-Vizebürgermeister, im Amt bleiben. Ein Bürgermeister und zwei Vizebürgermeister für St. Pölten also.

In der SPÖ gibt es zudem Stimmen, die eine Koalition mit der ÖVP sehr kritisch sehen. "Krumböck ist sehr ehrgeizig. Das ist einer, der noch etwas werden will. Das könnte eine Zusammenarbeit schwierig machen", heißt es.

Ideologische Gräben

Mit den Grünen wäre die Sache zumindest aus personeller Hinsicht kompliziert. Würde Walter Heimerl-Lesnik als künftiger Koalitionspartner den Anspruch auf den Vizebürgermeister stellen, dann müsste die SPÖ um ihren Vize bangen.

Und was ist mit der FPÖ? Parteiintern bei den Freiheitlichen werden einer rot-blauen Koalition durchaus Chancen zugerechnet – für die Roten wäre dieser Gang aber ein sehr schwieriger, zu groß sind die ideologischen Gräben. Und auch bei dieser Variante könnte es personell durchaus interessant werden. 

Blaue Personalrochade?

Denn FPÖ-Spitzenkandidat Martin Antauer ist auch Landesrat in Niederösterreich. Beide Funktionen – Vizebürgermeister von St. Pölten und Landesrat – darf er aber nicht ausüben. Sollte also Rot-Blau kommen - ein weiteres Gespräch soll am Mittwoch anstehen - dann müsste Antauer in der Landespolitik einen Schritt zurücktreten und wieder als Landtagsabgeordneter fungieren.

Stadler und Antauer bei der Wahl in St. Pölten

Am Mittwoch verhandeln Stadler und Antauer.

Ob das die Landespartei überhaupt will, ist mehr als fraglich, denn 2028 stehen Landtagswahlen in Niederösterreich an, und Udo Landbauer hat Hoffnungen, Landeshauptmann im größten Bundesland zu werden.

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