St. Pantaleon: Neues Zeichen gegen das vergessene Riesen-AKW

Im Grenzgebiet zu OÖ war vor 50 Jahren der Bau eines 1.300-Megawatt-Kraftwerks geplant. 15 Jahre nach Fukushima wurde eine Mahntafel enthüllt.
Erinnerungstafel an geplantes Kernkraftwerk

Dort, wo einst der Grund für das geplante größte Atomkraftwerk Europas bereits angekauft war, warnt seit Mittwoch eine neue Mahntafel vor der bedrohlichen Atomgewalt. 

Im Ortsteil Stein in der Gemeinde St. Pantaleon-Erla im Grenzland zu Oberösterreich verhinderte letztendlich die Zwentendorf-Volksabstimmung 1978, dass das Projekt Wirklichkeit werden konnte.

Am Erinnerungstag an die Reaktorkatastrophe von Fkukushima vor 15 Jahren wollten Umweltaktivisten sowie Politiker aus Linz und aus dem Mostviertel in St. Pantaleon (Bezirk Amstetten) ein neues Zeichen setzen. Initiiert wurde das Projekt von der Anti-Atom-Organisation „atomstopp_atomkraftfrei leben“. 

Bewusstsein schaffen

Eine von ihnen enthüllte Informationstafel soll Erinnerung und Bewusstsein schaffen, was sich hier vor 50 Jahren abgespielt hat. Das letztlich verhinderte Kraftwerk hatte in der Region für Aufruhr in der Bevölkerung gesorgt. Es gab Protestdemonstrationen und 75.000 Gegner unterschrieben gegen den Bau. Eine Befragung der Bewohner in den Gemeinden zeigte eine über 90-prozentige Ablehnung.

Die Landesenergiegesellschaften NEWAG und STEWEAG standen besonders hinter der Errichtung des zweiten Atomkraftwerks nach Zwentendorf. Mit 1.300 Megawatt sollte im Gebiet des Zusammenflusses von Enns und Donau eines der weltweit größten Werke entstehen. Im Blickpunkt stand die Energieversorgung der Wirtschaft zwischen Linz und Amstetten.

Höfe abgetragen

Die gegründete Betreibergesellschaft ließ in der Rotte Stein bereits abgelöste Bauernhöfe schleifen und errichtete einen 73 Meter hohen Mast zur Erfassung von Wetterdaten. Nach dem Zwentendorfer Anti-Atomvotum wurde in St. Pantaleon aber alles gestoppt.

Vor allem im Großraum Linz sei die Erleichterung bei vielen auch heute noch spürbar, dass damals das Mammutprojekt in lediglich 15 Kilometer Entfernung von der  oberösterreichischen Landeshauptstadt geplatzt ist. Die anwesende Linzer Klimastadträtin Eva Schobesberger (Grüne)  betonte bei der Gedenktafelenthüllung, wie wichtig das Fallenlassen des Projekts für die Sicherheit der Stadt Linz gewesen sei: „Bei einem Super-GAU in einem AKW St. Pantaleon hätte Linz wohl evakuiert werden müssen.“

Proteste noch vor Großkatastrophen

Herbert Stoiber, Geschäftsführer von „atomstopp_atomkraftfrei leben“, nannte die damaligen Proteste als visionär, schließlich seien die Super-GAUs von Tschernobyl und Fukushima noch in ferner Zukunft gewesen. Umso unverständlicher sei, dass nach diesen Großkatastrophen noch immer manche nach AKWs rufen, so Stoiber.

Die Veranstaltung wurde von Schülerinnen der Fachschule für wirtschaftliche und soziale Berufe Erla mit stimmungsvollen Beiträgen umrahmt. Bei der Enthüllung mit dabei waren auch der Haager Stadtchef und Landtagsabgeordnete Lukas Michlmayr(ÖVP) und der St. Pantaleoner Bürgermeister Roman Kosta sowie sein Vize Josef Alkin, beide ÖVP.

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