Schikane in Horner Kaserne? Heer weist Vorwürfe zurück
Mehrere Mitglieder der Parlamentarischen Bundesheerkommission haben vergangenes Wochenende die Radetzky-Kaserne in Horn überprüft. Dabei wurde deutliche Kritik an den Ausbildungsbedingungen der Rekruten und der Infrastruktur laut, berichtet Die Presse. Grünen-Wehrsprecher David Stögmüller sowie SPÖ-Wehrsprecher Robert Laimer sprechen von Schikanen, Zeitdruck und überholten pädagogischen Methoden.
Rekruten würde kaum Zeit zum Essen oder Duschen bleiben, zudem sei die Unterbringung für die hohe Anzahl an Grundwehrdienern ungeeignet.
Stögmüller kritisierte insbesondere das Duschen: die Männer müssten sich nackt aufstellen und warten, bevor sie sich unter Aufsicht eines Unteroffiziers waschen. Ein Bericht mit entsprechenden Korrekturvorschlägen befindet sich nun in Arbeit.
Erste Konsequenzen
Heeressprecher Oberst Michael Bauer erzählt im Gespräch mit dem KURIER, dass eine Routineuntersuchung in der Kaserne stattgefunden habe. Im Zuge des Besuchs seien, wie in diesem Fall üblich, Gespräche mit einzelnen Soldaten geführt worden. Aus seiner Sicht handle es sich daher um subjektives Empfinden. Dass allgemein bauliche Mängel bestehen, sei laut Bauer bereits bekannt. Es werde an deren Behebung gearbeitet.
Auf die Kritik an der Duschsituation angesprochen, räumt Bauer Mängel ein. Erste Konsequenzen seien bereits umgesetzt – das Kaderpersonal werde die Duschräume nicht mehr betreten. An dem nackten Anstellen vor den Duschen soll sich allerdings nichts ändern. Die Garde müsse innerhalb einer bestimmten, vorgegebenen Zeit repräsentationsfähig sein. „Und es gibt für 220 Rekruten nur rund 22 Duschköpfe“, so Bauer. Das Duschen ohne Struktur würde länger dauern, „und die Zeit haben wir einfach nicht“.
"Militär bedeutet Zeitdruck"
Auch beim Essen herrsche Zeitdruck, sodass die Mahlzeiten sehr kurz ausfallen. Dabei kommt es nicht zuletzt darauf an, wo die Rekruten in der Schlange stehen. Es werde jedoch darauf geachtet, dass abgewechselt wird, wer als Erster und wer als Letzter an die Reihe kommt.
„Die Prüfbesuche dienen genau dazu, etwaige Missstände festzustellen“, sagt Bauer. Er begrüße, dass "blinde Flecken dadurch sichtbar" werden. Letztendlich bedeute Militär jedoch Zeitdruck und manche Vorgänge würden sich aus seiner Sicht „nicht abstellen lassen“.
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