Zehn Jahre Gewalt? 83-Jähriger aus NÖ bestreitet Vorwürfe

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Tränen im Gerichtssaal: Die Frau schildert jahrelange Gewalt durch ihren Mann. Doch die Beweislage ist dünn.

Der Angeklagte, ein auffallend kleiner Mann, 83 Jahre alt, sitzt zum ersten Mal vor einem Richter. Man versteht den Pensionisten kaum, weil er seine Worte verschluckt. Sein Verteidiger wird da bei dem Prozess am Landesgericht St. Pölten schon deutlicher: „Mein Mandant ist unschuldig, er hat nie Gewalt angewendet.“

Das sieht die Staatsanwaltschaft – und vor allem auch das mutmaßliche Opfer – anders. Der Mostviertler soll seine Frau über einen Zeitraum von zehn Jahren immer wieder geschlagen haben. „Zuletzt wurde es dann ganz schlimm“, berichtet seine Frau, mit der er 40 Jahre zusammenlebte. Mittlerweile haben sie sich getrennt.

Immer wieder Beschimpfungen

Er habe, so erzählt es die Frau unter Tränen, immer wieder auf ihre lädierte Schulter geschlagen, auch Beschimpfungen seien beinahe an der Tagesordnung gestanden. Die Gewalt habe 2015 begonnen und bis zum Vorjahr angedauert.

Von Scooter gestoßen

An einem Oktobertag sei die Situation schließlich völlig eskaliert, erzählt die Mostviertlerin. Bei einem Streit ums Geld habe er sie von ihrem E-Scooter gestoßen und, als sie am Boden lag, noch eingeschlagen. Sie musste im Spital behandelt werden.

„Warum haben Sie sich nicht früher von Ihrem Mann getrennt?“, will der Richter von der Frau wissen. „Weil ich existenziell von ihm abhängig war. Ich war immer nur Hausfrau, habe nichts verdient.“

Für den Vorsitzenden ist die Prozessführung nicht einfach – auch deshalb, weil es kaum Beweise für die angeblichen Gewaltausbrüche des 83-Jährigen gibt. Sie habe zwar anderen von ihrem Leid erzählt, die angeblichen Verletzungen aber „aus Scham“ nie hergezeigt.

Es sollen noch weitere Zeugen befragt werden, der Prozess wurde vertagt.

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