Petition für 20 neue Luchse als Rettung für die Population

In den Nördlichen Kalkalpen droht das Aussterben der Luchse. Aktuelle Tiere sind zu alt und genetisch zu eng verwandt.
Jungluchs Janus wurde im Vorjahr im Nationalpark Kalkalpen ausgewildert

Um für die Rettung der stillen, imposanten Samtpfoten in den alpinen Wäldern zu mobilisieren, schlagen nun Verantwortliche von drei großen Naturschutzregionen im Dreiländereck Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark laute Töne an. Der Luchs droht in den nördlichen Kalkalpen auszusterben.

Mit einer gemeinsamen Petition machen die drei Direktoren Christoph Leditznig vom Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal, Herbert Wölger vom Nationalpark Gesäuse und Josef Forstinger vom Nationalpark Kalkalpen auf die Dramatik aufmerksam.

v.r Direktoren Christoph Leditznig vom Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal, Herbert Wölger Nationalpark Gesäuse, Josef Forstinger Nationalpark Kalkalpen

Direktoren Christoph Leditznig (Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal), Herbert Wölger (Nationalpark Gesäuse), Josef Forstinger (Nationalpark Kalkalpen), v.r.

Seit den 1970er-Jahren wird die Wiederansiedlung der eleganten Großkatze in diesem Gebiet durch Auswilderungen unterstützt und betrieben. Doch trotz der Unterstützung der Population läuten nun die Alarmglocken.

In den genannten Gebieten und in den Wäldern bis zum Wienerwald sind nur mehr sieben lebende Tiere bekannt. "Die Überalterung der bekannten Tiere und deren genetische Abgeschlossenheit sind bedrohliche Hauptprobleme“, sagt der Chef des Wildnisgebiets Dürrenstein-Lassingtal.

Weil trotz der sporadischen Ansiedelung von männlichen Luchsen in den letzten Jahren seit 2018 keine Reproduktion im riesigen Beobachtungsgebiet dokumentiert werden konnte, sehen die Experten dringlichen Bedarf. "Ohne gezielte Maßnahmen wird der Luchs in den nächsten Jahren verschwinden“, sind Leditznig und seine Kollegen überzeugt.

Auswilderung

Deshalb stellten sie die Forderung nach einer wissenschaftlich empfohlenen Auswilderungsaktion, die die Freilassung von rund 20 genetisch nicht verwandten Tieren der Art Karpatenluchs vorsieht.

Ihre an den zuständigen Bundesminister Norbert Totschnig und die jeweiligen Landesräte für Jagd und Naturschutz in den drei Bundesländern gerichtete Petition ist gespickt mit Argumenten, warum der Luchs von so großem Wert für das funktionierende Öko-System in den Schutzgebieten ist. Die Voraussetzungen für sein Überleben gelten als optimal. Als Spitzenprädator, also als Räuber, der selbst keinen Feind hat, erfülle der Luchs eine wichtige Rolle für das Öko-Gleichgewicht.

Immer wieder betont werden müsse, so Leditznig, "dass der Luchs für den Menschen völlig ungefährlich ist“. Durch seriöse Umfragen bestätigt sei auch, dass dem Luchs bei über 80 Prozent der Bevölkerung eine positive Grundeinstellung entgegengebracht wird.

Waldfläche

Ein Trumpf auf der Habenseite ist auch das Projektgebiet der östlichen Nördlichen Kalkalpen. 72 Prozent der Riesenfläche von 12.000 km2 sei bewaldet, wird in dem Positionspapier behauptet. Ein Kuder – so heißen die männlichen Tiere – nutze zumindest eine Revierfläche von 100 km2, aber meistens noch viel mehr, schildert Leditznig. Eine 2023 erstellte Machbarkeitsstudie zur Bestandsstützung der Luchse habe zudem "eine aus ökologischer Sicht ausgezeichnete Eignung“ gezeigt.

In ihrer Petition gehen die Naturparkchefs auch auf Fehler in der Vergangenheit ein. Es habe sich gezeigt, dass die isolierte Auswilderung einzelner Tiere langfristig nicht erfolgreich gewesen sei. Aus diesem Grund hat sich die europäische Plattform "Linking Lynx“ gebildet, die sich bemüht, ausreichend Tiere zur Verfügung zu stellen, mit denen genetischer Austausch möglich ist, um Verluste durch Inzucht zu vermeiden.

Hoffnungsträger

Aus diesem Programm stammt der bislang letzte Luchs, der im Nationalpark Kalkalpen angesiedelt wurde. Auf dem eineinhalbjährigen Kuder Janus, der aus dem deutschen Thüringen stammt, ruht derzeit die Hoffnung auf Nachwuchs.

Auch die erfolgreichen Ansiedelungsgebiete in den Staaten rund um Österreich – von der Schweiz über Deutschland und Tschechien sowie Slowenien und Italien im Süden – sind auf den Erfolg in den Kalkalpen angewiesen. Sie brauchen dieses Gebiet als Trittstein, um den genetischen Austausch großflächig zu ermöglichen. Die ökologischen Korridore ermöglichen diesen Austausch zwischen den guten Habitaten. "Bildet sich hier ein Loch, wären die Folgen fatal“, ist Leditznig überzeugt.

Geht die Luchspopulation verloren, könnte Österreich auch Probleme mit der EU bekommen: So ist sie etwa im Europaschutzgebiet Ötscher-Dürrenstein im Rahmen des Natura-2000-Schutzprogramms explizit angeführt.

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