Wirbel in NÖ: Mann (68) musste 4 Stunden auf Rettungstransport warten
Transporte zwischen den Spitälern wurden in NÖ neu geregelt und sorgen nun für Debatten.
In der Debatte um die extremen Wartezeiten von Patienten im Rahmen der sogenannten Sekundärtransporte sorgt ein weiterer Vorfall aus dem Waldviertel für Aufsehen. Vier Stunden musste Herbert Kössner nach einer Untersuchung in einer Arztpraxis auf den Rücktransport ins Spital warten. Die Häufung negativer Fallbeispiele veranlassen nun auch Niederösterreichs Patientenanwalt Michael Prunbauer klare Forderungen zur Bereinigung "scheinbar systematischer Fehler“ bei den Sekundärtransporten stellen.
Beim 68-jährigen Litschauer Herbert Kössner hinterlassen die von den Johannitern mit Jahresbeginn in weiten Teilen Niederösterreichs übernommenen Sekundärtransporte keine positiven Erinnerungen.
Herbert Kössner musste vier Stunden im Bademantel warten, bis er ins Klinikum Waidhofen/Thaya zurückgebracht wurde.
Im Rahmen eines Spitalsaufenthaltes im Klinikum Waidhofen/Thaya wurde er am 9. Jänner von den Ärzten für eine abklärende Untersuchung in eine Röntgenordination in der Stadt geschickt. Keine große Sache, er könne in Pantoffeln und im Bademantel vom Rettungsdienst dorthin gebracht und dann schnell wieder ins Spital geholt werden, wurde ihm versichert.
In seinem minutiösen Erinnerungsprotokoll schildert Kössner dann die vierstündige Wartezeit nach der Untersuchung. „Für Patienten, die bisher ordentliche Verhältnisse bei Transporten gewohnt sind, ist das unverständlich, die Strecke von der Praxis zum Spital hätte man zu Fuß in fünf Minuten zurücklegen können“, sagt Kössner. Während des Wartens fragte die Praxis-Mitarbeiterin dreimal telefonisch bei der Leitstelle von Notruf NÖ nach, wann mit der Abholung zu rechnen sei. Immer gab es die tröstliche Auskunft, dass das Rettungsauto gleich da sein werde, erinnert sich Kössner.
Mit seinen Forderungen findet NÖ Patientenanwalt Michael Prunbauer bei den verantwortlichen Stellen durchaus Verständnis und Unterstützung.
Spitalslandesrat Anton Kasser (ÖVP) schlägt scharfe Töne an: "Der Patiententransport zwischen unseren Kliniken hat zu funktionieren. Punkt. Da gibt es keinen Platz für Diskussionen, Ausreden oder Zuständigkeitsdebatten. In unseren Kliniken arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Tag für Tag mit Hochdruck daran, die bestmögliche Versorgung für die Menschen sicherzustellen. Wenn es dann ausgerechnet am Transport von Patientinnen und Patienten scheitert, dann ist das für mich nicht akzeptabel“.
Selbstverständlichkeit
Ein reibungsloser, zeitnaher Transport von einem Klinikstandort zum anderen sei eine Selbstverständlichkeit – für ihn als zuständigen Politiker genauso wie für jede Patientin und jeden Patienten, fordert Kasser.
Seitens der Landesgesundheitsagentur (LGA), die für die Organisation der Sekundärtransporte zuständig ist, wird versichert, dass man laufend in Abstimmung mit den Rettungsorganisationen, dem Notruf NÖ und auch mit dem Patientenanwalt stehe. „Dabei ist unser aller Ziel: Wartezeiten auf Sekundärtransporte weiter zu reduzieren und insbesondere an den sensiblen Schnittstellen zwischen medizinischer Versorgung und Transportlogistik laufend Verbesserungen umzusetzen", lässt die LGA wissen.
Fünf Fahrzeuge
Die aktuellen Fälle haben bereits zu konkreten Verbesserungen geführt: So seien aktuell fünf Fahrzeuge für Sekundärtransporte im Waldviertel unterwegs. Diese blieben untertags auch in der Region, auch wenn aktuell kein Einsatz vorliege. Zudem werde die Fahrzeugflotte für Sekundärtransporte der Johanniter landesweit erweitert. „Generell werden zusätzliche Fahrzeuge in die jeweilige Region verlegt, wenn Bedarf besteht oder dieser bereits in der voraussichtlichen Planung absehbar ist“, heißt es seitens der LGA.
Mit den Johannitern gebe es Abstimmungen, um sicherzustellen, dass Abläufe optimiert werden und dass die vereinbarten Leistungen, wie vorgesehen, erbracht werden. Gegenüber dem KURIER haben die Johanniter eine Darstellung der getroffenen Maßnahmen angekündigt.
Patientenlenkung
Die Forderung nach einer konsequenten Patientenlenkung wird von der LGA bestätigt. "Eine konsequente Patientenlenkung ist essenziell, um sicherzustellen, dass Patientinnen und Patienten von Beginn am im medizinisch geeigneten Krankenhaus versorgt werden.“ Wichtig sei dabei, dass der Start der Rettungskette über die telefonische Gesundheitshotline 1450 oder bei akuten Notfällen über den Rettungsnotruf 144 geordnet anlaufen könne.
"Ist eine Verlegung von Patienten in ein anderes Klinikum notwendig, wird diese, wie gewohnt, durch Notruf NÖ disponiert und das jeweils geeignete Transportmittel ausgewählt. Dies kann von einem Krankentransportwagen bis zu einem Hubschrauber reichen", heißt es im LGA-Statement.
Schließlich mit einem zweiten Patienten von den Sanitätern abgeholt, konnten diese auch die Rettungseinfahrt zum Spital nicht finden und Kössner lotste sie zum richtigen Zugang. "Für mich ist völlig unverständlich,, dass solche Transporte nicht über die örtlichen Rotkreuz-Stellen abgewickelt werden“, sagt Kössner, der sein Fallbeispiel auch an die verschiedene Institutionen weitergeschickt hat. "Ich frage mich nur, wenn solche Verzögerungen bei Patienten mit Schmerzen oder bedrohlichen Beschwerden passieren“, gibt der Waldviertler zu denken.
Patientenanwalt
Eine Frage, die völlig berechtigt sei und auch ihn beschäftige, sagt NÖ Patientenanwalt Prunbauer: "Bei Herrn Kössner ist das unangenehm gewesen. Wenn das ein Patient ist, der dringend vom Spital A in ein Spital B gebracht werden muss, ist das kritisch“.
NÖ Patientenanwalt Michael Prunbauer
Die Sekundärtransporte scheinen nicht gut zu funktionieren, das müsse dringend repariert werden, so Prunbauer. Das sei auch essenziell für das Gelingen des nö. Gesundheitsplans 2040+, den er grundsätzlich sehr begrüße.
Krankentransporte von Spital zu Spital wurden mit Jahresbeginn an die Johanniter vergeben.
Wenig Freude hat Prunbauer schon einmal mit dem Begriff Sekundärtransport, "kein Patient ist sekundär“, sagt er. Zu deren Abwicklung hat er jedenfalls eine klare Botschaft parat: "Meine Forderung ist, dass die Durchführung eines Transportes und die Auswahl eines Rettungsmittels von Spital zu Spital so funktioniert, wie auch im sonstigen Rettungsdienst. Das heißt, es muss eine Entscheidung nach Dringlichkeit geben und es darf keine Rolle spielen, welches Pickerl am Rettungsauto klebt.“
Klare Qualitätskriterien
Diese Qualitätskriterien müssten auch in der Ausschreibung der Sekundärtransporte verankert sein, so Prunbauer. Weil es ja künftig über ganz NÖ verteilt Spezialkliniken geben soll, müsen Spitäler wiederum ihre Kapazitäten transparent und offen führen, damit die Patienten gleich von Beginn an die richtige Klinik ansteuern und Sekundärtransporte gar nicht nötig werden .
Prunbauer meint auch, dass die Begleitung von Sekundärtransporten durch einen Notarzt zu rigide geregelt sei. Sie sei nur auf bestimmte Erkrankungen beschränkt. Auch hier sollte ausschließlich die medizinische Dringlichkeit das wesentliche Kriterium sein. Ganz vorne müsse der Grundsatz gelten: "Wir wollen eine Lösung im Sinne der Patienten“.
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