Der batteriebetriebene Regionalbus eCitaro von Mercedes-Benz wurde unlängst im Weinviertel und Wiener Südraum getestet. Bis zu seinem Einsatz dauert es aber noch.

© VOR/Josef Bollwein

Chronik Niederösterreich
12/05/2019

Öffentlicher Verkehr: Das lange Warten auf den E-Bus

Der regionale Umstieg von Diesel- auf Elektro-Busse ist schwieriger als gedacht. Warum?

von Caroline Ferstl

Geht es nach dem Land Niederösterreich und dem Verkehrsverbund Ost-Region (VOR), sollen bis 2030 alle Diesel-Busse im öffentlichen Verkehr durch Elektro-Busse ersetzt werden. Dafür werden derzeit verschiedene Modelle getestet, unter anderem der eCitaro von Mercedes.

Das südliche Weinviertel soll die erste Region Österreichs werden, wo ab 2022 Regionalbuslinien (530 und 535 ) in den elektrischen Betrieb gehen. Dafür werden dreieinhalb Millionen Euro investiert. Aber warum dauert die Umstellung von Diesel auf Elektro im Regionalbetrieb und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs so lange?

  • Aufgestellte Infrastruktur
    Ein Elektrobus braucht Ladestationen. Und diese müssen in gewissen Streckenabständen installiert werden. Nicht jedes Netz ist dafür ausreichend ausgelegt, eine Ladestation benötigt den durchschnittlichen Energiebedarf von 75 Haushalten. Dieselbusse können mit einer Tankladung bis zu 600 Kilometer zurücklegen. Mit einer vollen Akkuladung kommt der getesteten eCitaro unter schlechten Bedingungen, etwa im Winter, rund 100 Kilometer weit. Das Laden der Batterien dauert zudem mehrere Stunden.

    Auch die Wartung der Elektro-Busse unterscheidet sich von jener von Diesel-Bussen: Statt mit Motoren wird mit Hochspannung gearbeitet, das erfordert eine Umschulung der Mitarbeiter.

    Das Heizen der Elektro-Busse ist eine weitere Herausforderung: Da der Motor als Hitzeproduzent wegfällt, ist eine Klimaanlage mit zusätzlicher Wärmepumpe am Dach montiert. Die Beheizung benötigt jedoch viel Energie und schmälert damit die Reichweite des Busses.
  • Langwierige Bürokratie
    Auch verschiedene Regelungen erschweren eine schnelle Umstellung. So muss der Verkehrsverbund VOR einen fairen Wettbewerb und transparenten Vergabeprozess beim Finden eines E-Bus-Partners vorlegen. Dieses juristische Verfahren benötigt Zeit.
     
  • Mehr Angebot, aber wenig Buslenker
    Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs verlangt nach mehr Personal. Laut VOR haben Unternehmen teilweise Schwierigkeiten, ausgebildete Buslenker zu finden. Der Erwerb des D-Führerscheins braucht Zeit. Andere Berufe, die weniger Konzentration und Verantwortung verlangen, würden zusätzlich für Abwerbung sorgen.

Busse ohne Fahrer?

Autonomes Fahren, also ohne Lenker, sei keine Antwort auf den Busfahrermangel: Laut Armin Radatz, Key Account Manager von Mercedes-Benz, ist das eine Utopie: „Das ist derzeit nicht umsetzbar, schon gar nicht im Stadtverkehr. Eher in 20 bis 30 Jahren.“

Derzeit nutzen über eine Milliarde Fahrgäste jährlich die Öffis in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Niederösterreichs Landesrat Ludwig Schleritzko möchte im kommenden Jahr 131 Millionen Euro in den Ausbau von Bus und Bahn stecken, mehr als in den Bau von Landesstraßen.

Niederösterreich soll auch im EU-Vergleich Vorreiter werden. Derzeit hinkt man, was öffentliche E-Mobilität angeht, sogar China hinterher: Während in der Metropole Shenzhen mehr als 16.000 E-Busse unterwegs sind, sind es in der EU 2.100.