Notarztdebatte: Land horcht jetzt „genau zu“
Mediziner Gattermeier, Lichtenschopf und Katzensteiner (v.l.) kritisieren die Ausbildungsanforderung für Notfallsanitäter.
Weiterhin auf einigen Ebenen kämpfen die Mitglieder des Komitees „Herzalarm“ in Waidhofen/Ybbs um den Erhalt des zur Schließung vorgesehenen Notarztstützpunktes in der Ybbsstadt. Die aus Medizinern und Experten aus dem Gesundheitsbereich bestehende Gruppe sieht zwar weiterhin keine Anzeichen bei der Landespolitik, dass der Gesundheitsplan 2040+ aufgeschnürt werden könnte, verweist aber auf den großen Widerstand in vielen Landesteilen und sieht in manchen Fragen „zarte Silberstreifen am Horizont“.
„Wir kämpfen ein Dreivierteljahr und es hat sich die Tonlage geändert. Sie horchen alle genau zu“, resümiert der Sprecher der Gruppe, Alfred Lichtenschopf, nach der Vorsprache bei allen politischen Fraktionen sowie den Landesräten Anton Kasser (ÖVP) und Eva Prischl (SPÖ). Mit der Waidhofner Petition mit 17.000 Unterschriften im Gepäck habe man das Gefühl, dass ein Umdenken und ein Nachdenken über einen Ausweg passieren, so Lichtenschopf.
Versorgungssicherheit
Zumindest zu einem Streichen des NEF-Stützpunktes ohne entsprechenden Ersatz bei der Versorgung der Bevölkerung dürfte es nicht kommen, wurde Lichtenschopf und seinen Mitstreitern zugesichert. Dass es mit dem 1. April 2027 durch die Schließung von elf Stützpunkten gleich zum Aus von einem Drittel aller Notarztstationen in NÖ kommen soll, stößt bei Lichtenschopf, aber auch beim Notfallmediziner und -ausbildner Klaus Katzensteiner und Primar Martin Gattermeier, dem früheren Chef der Internen im Waidhofner Spital, auf größtes Unverständnis. Derartige Umbrüche müsse man behutsam umsetzen, fordern sie.
Einsatzgebiet
Wichtiges Thema bleibt das große Versorgungsgebiet, das derzeit von Waidhofner Notärzten bis weit in steirisches und oberösterreichisches Gebiet hinein betreut wird. Bürgermeister in den Nachbarbundesländern haben die Notlage erkannt. Eine Kooperation aller drei Bundesländer mit gemeinsamer Finanzierung unter der Nutzung des NEF-Stützpunktes Waidhofen „wäre wohl die optimale Lösung“, hofft Katzensteiner.
Weiter Bedenken hegen die Waidhofner Mediziner gegen die vorgesehene Aufwertung der Notfallsanitäter als Ersatz für Notärzte. „Dass in Österreich ein qualifizierter Notfallsanitäter mit Zusatzausbildung Venenzugang 830 Stunden Ausbildung hat und in Deutschland dafür eine dreijährige Ausbildung mit 4.600 Stunden notwendig ist, sollte zu denken geben“, sagt Lichtenschopf. Ehrenamtliche Notfallsanitäter würden dem Druck nicht standhalten und abspringen, prognostiziert er.
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