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„Geiles Spiel“: Mit dem Bridgeclub in Wiener Neudorf fit im Kopf bleiben

Wiener Neudorf. Der Bridgeclub BCP wirbt um Mitglieder ab 55 Jahren, die ihre kognitiven Fähigkeiten trainieren wollen.
Bridgeclub WR Neudorf

Von Vanessa Reichenauer

Der BCP Wiener Neudorf füllt sich mit Gästen, die am dort stattfindenden Bridge-Turnier teilnehmen wollen. Die gute Stimmung lässt sich an der zunehmenden Lautstärke erkennen – bis es losgeht. Dann ist es plötzlich still, die Konzentration ist in der Luft zu spüren. Nur noch gelegentlich sind gedämpfte Stimmen oder vereinzelte Kommentare zum Spiel wahrnehmbar.

Beim Turnier-Nachmittag geht es jedoch nicht (nur) um den Sieg, sondern auch um Austausch und mentales Training. Und genau hier setzt der BCP Wiener Neudorf an: Zielgruppe des Sportclubs sind vor allem Menschen ab 55 Jahren.

Man hat die Möglichkeit, die soziale Ebene zu befriedigen, aber auch die geistige Herausforderung, die man im Berufsleben hatte und im Umstieg in die Pension dann eher verliert.

von Stefan Streicher

Vorstandsmitglied

Der Vorteil an dem Sport: „Man hat die Möglichkeit, die soziale Ebene zu befriedigen, aber auch die geistige Herausforderung, die man im Berufsleben hatte und im Umstieg in die Pension dann eher verliert. Da gibt es die Möglichkeit wirklich durchzustarten“, erklärt Stefan Streicher, Mitglied des Vorstandes.

Turnier oder freies Üben

Zu Turnieren könne man sich mehrmals wöchentlich vor Ort treffen, am Freitagabend online. Auch Kurse werden abgehalten, dabei gibt es diverse Angebote für verschiedene Spiellevels. Turniere sind keine Pflicht, so kann am Dienstagnachmittag einfach frei geübt und bei Bedarf nach Hilfe gefragt werden.

Eine Gelegenheit zum persönlichen Austausch ergibt sich auch nach den Spielen, denn dann wird oft noch zusammen gesessen und geplaudert. Zudem ist man im Bridge-Sport sowieso nicht ganz auf sich allein gestellt: Es wird nämlich in Zweierteams gespielt.

Bridgeclub WR Neudorf

Hochkonzentriert beim Spiel: Der Bridgeclub BCP in Wiener Neudorf hat 120 Mitglieder.

Auch Stefan Propst, diplomierter Bridgelehrer des Österreichischen Bridgesportverbandes, betont die positiven Effekte, mit denen das Kartenspiel einhergeht: „Bridge fördert das mathematisch-logische Denken und die Konzentration. Das Ziel in meinem Unterricht ist es, die Leute wieder zum Denken zu bringen.“

Größter Bridge-Verein in NÖ

Der Name des Clubs geht auf dessen Gründungsgeschichte zurück: Die Basis wurde 1949 gelegt, nämlich von einer Gruppe, die sich selbst Bridge beigebracht hatte und sich dann in Perchtoldsdorf zum Spielen traf. So steht die Abkürzung des heutigen Vereinsnamens auch jetzt noch für „Bridge Club Perchtoldsdorf“.

Nach mehreren Umsiedlungen, etwa in die Südstadt, kam es 1962 zur offiziellen Anmeldung im Vereinsregister, wie Clubobmann Richard Kratzer berichtet. In den 80er-Jahren wurde dann das heutige Clublokal entdeckt. Mittlerweile zählt der BCP 120 Mitglieder und ist somit der größte Bridge-Verein in Niederösterreich.

Ich würde es jedem uneingeschränkt weiterempfehlen, alle Kartenspiele halten den Geist jung und bieten Abwechslung.

von Volker Schröder

Bridge-Spieler

Turnierteilnehmer Werner Pollak erzählt, was ihn persönlich an Bridge begeistert: „Mich hat das Spiel schon immer fasziniert, als Berufstätiger ging es sich nicht aus, ich hab mit der Versetzung in den Ruhestand begonnen, das heißt vor zwei Jahren. Ich finde es insofern spannend, diesen Sport auszuüben, als er die Konzentration und, wenn man länger spielt, auch die Koordination fördert.“ Dabei gehe es auch um Empathie, weil auch der Spielpartner Entscheidungen treffen kann.

Der jüngste Spieler im Club ist zurzeit 50 Jahre alt. Volker Schröder hatte sich in seiner Vergangenheit bereits den Titel zum österreichischen Skat-Meister geholt, auf Bridge stieß er bei der Suche nach etwas Neuem über einen Online-Kurs während der Corona-Pandemie.

„Ich würde es jedem uneingeschränkt weiterempfehlen, alle Kartenspiele halten den Geist jung und bieten Abwechslung. Gerade für ältere Menschen ist es, glaube ich, wichtig, weil sie da Leute treffen“, meint er. Und: „Es ist ein geiles Spiel!“ Am 28. September findet im BCP Perchtoldsdorf ein Schnuppertag statt, ab dem 5. Oktober folgt ein Einstiegskurs.

Netz aufbauen

Auf die Frage, warum man Bridge spielen sollte, sagt Stefan Streicher: „Wenn Sie am Weg in die Pension sind, haben Sie die Chance, dass Sie sich sozial ein gutes Netz aufbauen und Ihr Hirn weiter trainieren. Und mit ein bisschen Ehrgeiz können Sie österreichweit wachsen, ganz egal, ob Sie Anfänger sind oder fortgeschritten – es gibt für jede Kategorie Vergleichsmöglichkeiten.“

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