Nahversorgung, Gemeinschaft: Was Ortskerne retten soll
Rund 300 Gemeindefunktionäre nahmen am Industrieviertel-Stammtisch mit ÖVP-Landesvize Stephan Pernkopf teil.
Seit einem Jahr bietet die NÖ Dorf- & Stadterneuerung Gemeinden im ganzen Land einen kostenlosen Ortskerncheck an, um Stärken, Schwächen und Potenziale herauszufinden. Im Industrieviertel haben 20 Gemeinden das Angebot schon angenommen – unter anderem Perchtoldsdorf, Neunkirchen, Bruck an der Leitha, Pernitz, Bromberg, Leobersdorf, Pottendorf, Krumbach, Hennersdorf oder Mitterndorf an der Fischa.
Erhoben werden Voraussetzungen wie Leerstand, Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit, Maßnahmen zur Klimawandelanpassung, Mobilität, Gemeinschaft, Wirtschaft, Nahversorgung und Wohnen, erklärt Alexander Kuhness, Projektmanager der Dorf- und Stadterneuerung, der direkt mit den Gemeinden im Kontakt ist. Auf Basis der Ergebnisse des Ortskernchecks werden konkrete Maßnahmen erarbeitet und Partnerorganisationen identifiziert.
Relevanz
Welche Themen im Industrieviertel besonders relevant sind? "Ein zentrales Anliegen vieler Gemeinden ist die Belebung von Leerständen“, so Kuhness. Man ermögliche dies durch Zwischennutzungen, Kooperationen oder gezielte, neue Nutzungskonzepte.
Nahversorgung
Ebenso wichtig sei der Aspekt der Gemeinschaft und Beteiligung. Man sei bemüht, den Ortskern als Ort der Begegnung zu stärken, als "Raum für gemeinschaftliches Leben“. Die Einbindung der Gemeindemitglieder sei "entscheidend für eine breite Zustimmung und für frische Ideen“, sagt der Experte.
Im Industrieviertel zeige sich auch, dass Nahversorgung in vielen Gemeinden erweitert werde: „Nicht nur Geschäfte, sondern auch Arztpraxen, Banken, Friseure oder Vereinslokale tragen zur Lebendigkeit eines Ortskerns bei. Entscheidend ist der richtige Mix an sogenannten Frequenzorten, die regelmäßig aufgesucht werden“, skizziert Kuhness.
Projektmanager Kuhness (l.) beim Ortskerncheck in Bromberg.
Oft würden schon kleine Verbesserungen spürbare Veränderungen bringen: „Von Begrünungen über Sitzgelegenheiten bis hin zu klarer Gestaltung und Nutzung öffentlicher Räume.“
„Gemeinden entlasten“
An einem Industrieviertel-weiten Stammtisch in Lichtenwörth mit Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP) und Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl nahmen über 300 Gemeindefunktionäre teil. Auch dort standen die Themen Ortskernentwicklung, Digitalisierung und vor allem die Entlastung der Gemeinden im Vordergrund.
Bereits 2024 ging aus den landesweit abgehaltenen Stammtischen die Einführung des Ortskernchecks als konkretes Ergebnis hervor. „Wir finden die besten Lösungen, wenn wir Herausforderungen ansprechen“, so Pernkopf. „Das Gebot der Stunde ist Entlastung für die Gemeinden. Es gibt keine Denkverbote, nur eine Richtschnur: Jede Idee, egal von wem sie kommt, ist gut, wenn sie auch gut für Land und Leute ist.“
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