Vielfalt statt Fichte: Nachhaltige Forstwirtschaft im Stiftswald
Schmid sind die rund 2.800 Hektar Wald rund um das Stift bestens vertraut.
Trockenheit, Fichten-Monokulturen und Borkenkäfer haben im Waldviertel ihre Spuren hinterlassen. Doch neben teils ökologisch verarmten Wäldern finden sich ursprüngliche und vielfältige Naturräume – etwa in Altenburg (Bezirk Horn).
Der Forst rund um das Benediktinerstift zählt zu den artenreichsten Waldregionen Österreichs, wie mehrere Naturschutzorganisationen in einem Schreiben zum Management des Areals festgehalten haben. Die Leistungen des zuständigen Forstbetriebs wurden unter anderem mit dem "Staatspreis für beispielhafte Waldbewirtschaftung" geehrt. Maßgeblich dafür verantwortlich ist die Arbeit von Herbert Schmid. Der 62-Jährige arbeitete über 40 Jahre in den Altenburger Wäldern, zuletzt als Forstdirektor, und prägte die nachhaltige Bewirtschaftung dieser bedeutsamen Landschaft.
KURIER: Herr Schmid, Sie sind seit den 80ern in der Forstwirtschaft tätig. Ihrer Einschätzung nach, wie geht es den Waldviertler Wäldern: besser oder schlechter als vor 40 Jahren?
Herbert Schmid: Also vor 40 Jahren ist es den Wäldern besser gegangen, weil mehr Niederschlag war und keine so hohen Temperaturen im Sommer. Gleichzeitig entwickelt sich der Wald. Und wenn sich die Zusammensetzung der Baumarten verändert – wenn Arten kommen, die mit Hitze, Trockenheit und eben weniger Wasser zurechtkommen – geht es dem Wald wahrscheinlich wieder besser. Fichten sind in unserer Region viel weniger geworden und damit haben wir die große Katastrophe möglicherweise ja schon hinter uns – zumindest was die Fichte betrifft.
Der Stiftswald gilt dank nachhaltiger Bewirtschaftung als Vorzeigeforst.
Sie beschreiben Veränderungen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. Sind die Förster hierfür gerüstet?
Das ist eine Frage der Ausbildung, Erfahrung und Kreativität. Mit meinen über 40 Jahren im Wald habe ich natürlich schon einiges gesehen an Waldentwicklung. Als ich im Forstbetrieb begonnen habe, wurden noch Eichenwälder geschlägert und mit Fichten aufgeforstet. Damals war die Fichte noch der sogenannte Brotbaum der Forstwirtschaft. Wenn die Fichte nun aufgrund des Klimawandels für unsere Region nicht mehr geeignet ist, dann muss ich mir was anderes überlegen. Ja, es gibt noch immer Betriebe, die Fichten aufforsten. Die Frage ist, wenn diese Bestände in ein paar Jahren aufgrund des Klimas vertrocknen, weil sie ein Wurzelsystem haben, das nur in die oberen Bodenschichten reicht, ob das wirtschaftlich sinnvoll ist.
Sie gelten als Vorreiter der ökologischen Waldbewirtschaftung. Warum ist Ihnen das Thema wichtig?
Wir denken im Wald in Generationen. Es geht nicht nur ums schnelle Geschäft, die nächsten Generationen sollen von diesen Wäldern leben können. Zum Thema Nachhaltigkeit: Bei mir war es immer so, dass Beruf und Hobby eins sind. Das heißt, ich wohne mitten im Wald in einem Forsthaus und habe das Gefühl, dass ich schon eng mit der Natur oder in der Natur lebe und da auch viele Zusammenhänge erkenne.
Was bedeutet nachhaltige Waldbewirtschaftung im Alltag für einen Forstbetrieb?
Dass man schaut, was die Natur hergibt, welche Baumarten die Natur vorschlägt. Wir ergänzen zusätzlich mit Baumarten, die – so wie wir jetzt hoffen und vermuten – mit Trockenheit und Klimawandel besser zurechtkommen. Dafür braucht es eine andere Baumartenzusammensetzung, als wir uns wirtschaftlich gewünscht haben. Weg von Monokulturen, weg vom Ackerbau auf Waldboden hin zu einem Mischwald mit Eiche, Tanne, Rotbuche und Kiefer. Wichtig ist auch, Jagd und Forst als wesentliche Partnerschaft zu sehen. Wo die Jagd stimmt, wächst der Wald. Für eine gesunde Waldentwicklung ist es oft notwendig, vorübergehend intensiver in den Wildbestand einzugreifen.
Wir denken im Wald in Generationen. Es geht nicht nur ums schnelle Geschäft.
langjähriger Forstdirektor
Sie haben 2026 ihr Amt als Forstdirektor der Stiftswälder niedergelegt. Wie geht es Ihnen damit? Ein Abschied ist es ja schon.
Es ist ein Abschied – aber ich werde die Waldentwicklung als Wanderer weiterhin beobachten. Möglich, dass es sich auch ergibt, beratend tätig zu sein.
Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis Ihrer Arbeit?
Ich bin sehr zufrieden, weil ich glaube, das Bestmögliche getan zu haben, um den Wald enkeltauglich zu machen. Man weiß nie, was diese Klimaentwicklung künftig bringen wird. Trotzdem, die Natur zeigt uns vor, was möglich ist und was nicht möglich ist. Und das Gefühl, das Bestmögliche getan zu haben, das habe ich.
Was hoffen Sie für die Zukunft der Wälder im Stift Altenburg?
Dass mein Nachfolger auch den Wald als großes Ganzes sieht, sich bemüht, Zusammenhänge zu erkennen, und die Entwicklung dieses wertvollen Waldes für das Stift Altenburg begleitet und den Forst enkeltauglich erhält. Und vielleicht, dass mein jüngster Sohn die Stelle übernehmen kann. Er ist in diesem Wald aufgewachsen, hat diese herausfordernde Waldentwicklung miterlebt und kennt auch jeden Winkel – das wäre natürlich eine besondere Freude für mich.
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