2015 erhielt die WSA vom Tischtennisweltverband den offiziellen Akademiestatus

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Chronik Niederösterreich
08/14/2019

Nach Pleite von Werner Schlagers Tischtennisakademie will Staat nun Fördermillionen von Schwechat zurück

Staatsanwalt ermittelt gegen 12 Personen rund um die Auszahlung von Fördergeldern an die Werner Schlager Academy.

von Katharina Zach

Muss sie oder muss sie nicht? Auch Jahre nach der Insolvenz der Werner Schlager Academy (WSA) in Schwechat ist unklar, ob Millionen an Sportfördergeldern von Bund und Land rechtmäßig überwiesen worden waren – und ob sie die Stadt Schwechat als nunmehrige Eigentümerin des Multiversums zurückzahlen muss. 2,9 Millionen Euro des Bundes seien laut Sportministerium bereits fällig gestellt worden.

Die Causa ist brisant. Auch, weil es um den Verdacht der Untreue im Zusammenhang mit den Fördergeldern geht.

Es gab 2014 eine Anzeige gegen den ehemaligen Sportminister Norbert Darabos. Laut Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wurde insgesamt gegen zwölf Personen ermittelt. Nun rückt das Thema durch eine parlamentarische Anfrage der Neos wieder in den Fokus der Öffentlichkeit.

Fördervertrag für 30 Jahre Tischtennis-Akademie

Doch der Reihe nach. Die Werner Schlager Academy war vom Ex-Tischtennis-Weltmeister als nationales und internationales Trainingszentrum konzipiert worden. In der Multifunktionshalle Multiversum (deren Errichtung ebenfalls noch heute Ermittler beschäftigt) wurde die WSA ab 2008 eingerichtet.

2010 wurde ein Fördervertrag zwischen dem Sportministerium und dem Multiversum geschlossen. Gegenstand der Förderung in der Höhe von 2,8 Millionen Euro war die Errichtung der Werner Schlager Academy (WSA). Dieser Fördervertrag war auf einen 30-jährigen Betrieb ausgelegt. Auch das Land NÖ förderte die WSA mit 2,8 Millionen Euro.

Multiversum-Skandal wird bekannt

Kurz darauf geriet das Multiversum aber zunehmend in Finanznot. 2012 gab es dann einen Nachtrag zum ursprünglichen Vertrag – sowohl bezüglich der Fördersumme als auch bezüglich des Fördergegenstandes. Nun sollte das Gesamtprojekt Multiversum vom Sportministerium 7,8 statt 2,8 Millionen Euro erhalten.

Etwas, was die Grünen 2014 als nicht zulässig erachteten und Anzeige erstatteten. Sie hegten den Verdacht, dass Darabos die Bestimmungen des Bundes-Sportförderungsgesetzes umgangen habe, um Parteifreund, Ex-Stadtchef Hannes Fazekas, der in Finanzierungsschwierigkeiten steckte, zu zusätzlichen Mitteln zu verhelfen. Darabos hatte die Vorwürfe stets vehement zurückgewiesen.

„Versuchter Betrug“

Tatsache ist, dass die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft seither gegen zwölf Personen wegen des „Verdachts der Untreue“ sowie des „versuchten Betruges“ im Zusammenhang mit der Gewährung von Förderungen seitens des Sportministeriums zur Errichtung der Mehrzweckhalle Multiversum ermittelt hat.

Der Vorhabensbericht der WKStA liegt derzeit zur Prüfung bei der Oberstaatsanwaltschaft Wien. Ob die Ermittlungen ergeben haben, dass Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt wird, ist derzeit nicht bekannt.

Die volle Fördersumme wurde seitens des Bundes allerdings nicht ausgeschüttet. Bis 2013 überwies das Sportministerium eingangs angeführte 2,9 Millionen Euro. 2015 meldetet die WSA Konkurs an, 2016 wurde der Trainingsbetrieb eingestellt. Seither ist die im Vertrag vorgesehene sportliche Nutzung nicht mehr gegeben.

Kritik von den Neos: "Intransparent"

Allerdings sind die ausständigen Tranchen – aufgrund des aufrechten Fördervertrages – nach wie vor im Bundesvoranschlag budgetiert, wie die Anfrage der Neos ergab. Sie kritisieren das „Bilderbuchbeispiel an intransparent fließenden Fördergeldern.

"Offenbar war die WSA lediglich ein Vorwand, um stattdessen die Multiversum Schwechat Betriebs GmbH zu sponsern“, echauffiert sich Budgetsprecherin Karin Doppelbauer.

Rückgefordert

Die Stadt Schwechat als Multiversum-Besitzer steckt nun in einer schwierigen Lage. Denn laut Sportministerium sei die Finanzprokuratur gebeten worden, mit der Stadt über Modalitäten der Rückzahlung zu verhandeln bzw. „wenn notwendig die Rückzahlung gerichtlich einzuklagen“.

Bürgermeisterin Karin Baier erklärte, dass es zuletzt unter der Vorgängerregierung gute Gespräche gegeben habe. Beim Land NÖ wird eine mögliche Rückzahlung noch geprüft. Klar sei, dass die Gelder ohne sportliche Teilnutzung zurückgezahlt werden müssen, heißt es. Das wird auch beim geplanten Multiversum-Verkauf eine Rolle spielen.