Maria Bill: „Ich habe mit meinem Leben ein gutes Gefühl“
Maria Bill kommt am 8. März mit dem Jubiläumskonzert zum 110. Geburtstag von Edith Piaf mit Michael Hornek (Klavier) und Krzysztof Dobrek (Akkordeon) ins Stadttheater Wiener Neustadt.
KURIER: Sie haben 1982 das erste Mal Edith Piaf gespielt, im Schauspielhaus. Wie erklären Sie sich, dass dieses Thema 44 Jahre später immer noch so erfolgreich ist?
Maria Bill: Ich bin selbst fasziniert davon, das ist eine sehr lange Reise. Ich habe das Stück ein Jahr lang so oft gespielt, dass ich müde davon war. Ich wollte mein Leben nicht auf der Piaf aufhängen, deshalb habe ich damit aufgehört. Dabei wollten Produzenten Platten mit Piaf-Liedern von mir herausbringen.
Zehn Jahre später ist der Wunsch entstanden, wieder ihre Lieder zu singen, aber mit Musikern. Mein Blick auf die Lieder hat sich mit dem Älterwerden verändert, wir studieren immer neue Lieder ein, damit die Abende nicht gleich sind. So ist jeder Abend eine Premiere, an dem wir versuchen, die Menschen glücklich zu singen.
Sie haben die Kainz-Medaille der Stadt Wien für ihre Rolle im Jahr 1982 bekommen. Traurig, dass Sie nicht für die Rolle der Edith Piaf im Film „La vie en rose“ 2007 gecastet wurden, für die Marion Cotillard den Oscar bekommen hat?
Ja, das wäre eine Herausforderung gewesen, das hätte ich gerne gemacht. Leider hat man mich hier in Österreich versteckt nicht gefunden. Aber Cotillard hat die Rolle großartig gespielt.
In einem Interview haben Sie gesagt, Piaf „hat mir irrsinnig Mut gemacht“.
Piaf ist eine Kämpferin, sie hat aus ihrer Situation Kraft geschöpft und das Singen als Chance gesehen. Als ihr Vater nicht mehr auftreten konnte, hat er sie zum Betteln auf die Straße geschickt.
Maria Bill wurde am 15.11. 1948 in Trogen in der Schweiz geboren und lebt in Wien.
In Wiener Neustadt spielt sie am 8. März das Jubiläumskonzert zum 110. Geburtstag von Edith Piaf: „No, je ne regrette rien“
Edith Piaf. Der „Spatz von Paris“ wurde am 19.12. 1915 in Paris geboren, sie starb am 10.10 1963.
Tickets. Karten gibt es unter stadttheater-wn.at.
Sie hat stattdessen gesungen und viel mehr eingenommen als er. Es ist faszinierend, dass jemand so mutig ist, so bei sich bleibt und eine große Kraft gibt. Ein Ehepaar hat mir nach einem Konzert einmal gesagt, sie wollen wieder mehr Feste feiern. Das hätte Edith Piaf gefallen.
Wie sind Sie überhaupt zu Edith Piaf gekommen?
Meine Mutter hat mit ihrer schönen Stimme in der Küche ihre Lieder gesungen. Meine Musik war das nicht, ich mochte Bob Dylan, die Beatles und die Stones. Hans Gratzer hat mich 1982 eben gefragt, ob ich die Piaf spielen möchte. Er kannte mich aus dem Beisl ums Eck, wo ich mich am Abend ans Klavier gesetzt und gesungen habe.
Welche Rolle hat diese Frau in Ihrer Karriere gespielt?
Sie hat mich immer begleitet. Auch in den zehn Jahren, als ich sie nicht gespielt habe, wurde ich immer gefragt, Piaf zu singen. Singen ist meine Leidenschaft, aber wenn ich Piaf singe, mache ich sie nicht nach.
Edith Piaf.
Wenn ich singe, bin das ich. Wenn ich nicht mehr singe, würde der Sinn in meinem Leben verloren gehen. Die Konstante in meinem Leben sind die Musik und das Publikum.
Ist diese Authentizität eines der Erfolgsgeheimnisse Ihrer Piaf-Abende?
Ja, das wird so sein. Ich bleibe ganz bei mir, die Lieder sind wie Kurzfilme, wie prägnante Erlebnisse und Zustände aus dem Leben der Piaf, in denen sie von der Sehnsucht nach Liebe singt. Das spricht viele an, diese Sehnsucht spüren viele.
Gehen Ihnen die Lieder von Edith Piaf auch noch nahe?
Ja. Und an jedem Abend gehen unterschiedliche Lieder gut auf. Warum an manchen Abenden ein Lied besonders aufgeht, bleibt ein Geheimnis, auch für uns. Manchmal sehen wir uns auf der Bühne an und haben glänzende Augen. Wenn wir spüren, dass wir das Publikum erreicht haben, kommt ganz viel zu uns zurück.
Da schaukeln sich Glücksgefühle auf. Oft werden wir an diesen Abenden selbst reich beschenkt. Die größte Liebe, die ich empfinde, ist die zu meinem Publikum.
Haben Sie ein Lieblingslied?
Nein, aber ich liebe dieses Gefühl, wenn ein Lied aufgeht. (Denkt nach.) Aber dieses eine Lied, das auch Yves Montand gesungen hat, „Les feuilles mortes“, das habe ich besonders gern.
Worauf darf sich das Publikum am 8. März freuen?
Ich hoffe, dass wir einen Sternderlabend gemeinsam erleben. Diese Konzerte sind meine Lichtinseln, die auch mir in schweren Zeiten helfen.
Können Sie über Ihr Leben sagen, was Edith Piaf singt: „Non, je regrette rien, ich bereue nichts“?
Ich habe Fehler gemacht, aus denen lerne ich, deshalb mache ich weiter Fehler. Unterm Strich habe ich mit meiner Geschichte und meinem Leben ein gutes Gefühl, auch bei dem, was nicht schön war. Ich bleibe bei mir, es ist wichtig, sein Leben so zu gestalten, dass man sagen kann, man hat als guter Mensch gelebt.
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