"Ist der Lauf der Dinge": Nächster Club in St. Pölten schließt
Das "La Boom" war lange Zeit ein fester Bestandteil der St. Pöltner Nachtgastronomie-Szene.
Das Nachtleben in der Landeshauptstadt verliert einen seiner letzten langjährigen Fixpunkte: Anfang Mai schließen sich die Club-Türen im "La Boom". 2024 hatte Ivo Schauer die Diskothek zusammen mit Heinz Laubert übernommen. Rund zwei Jahre später stellt das Duo den Betrieb wieder ein.
"Es ist nicht mehr, wie es früher war", fasst Schauer die Situation zusammen. Die erste Saison habe die Erwartungen zwar erfüllt, inzwischen zeige sich jedoch ein anderes Bild. So sei die Konkurrenz laut Schauer durch Vereinsfeste stark gestiegen. Diese würden nicht nur im Sommer, sondern auch an beliebten Feiertagen und in den Wintermonaten für Alternativen sorgen. Hinzu kommen hohe Energiepreise und die angespannte finanzielle Lage der Bevölkerung.
Damit junge Menschen am Wochenende ausgehen, braucht es laut Kurt Reischer die richtigen Angebote: "Die Jungen gehen schon fort, aber es muss etwas sein, das nicht jeden Tag ist, oder ein Special Event", so der Betreiber der Whiskey Mühle in Gars am Kamp und Mitglied der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ). Studien würden zudem seit Jahren zeigen, dass Jugendliche mehr Wert auf Fitness sowie Ernährung legen und weniger Alkohol trinken. "Und das spüren wir sukzessive", so Reischer. Die jüngere Generation habe durch Corona "Fortgehen anders gelernt", sagt der Gastronom. Man setzte sich eher privat zusammen, anstatt jedes Wochenende mehrere Tage auszugehen.
Es ist nicht mehr, wie es früher war.
Clubbetreiber
Der Blick auf die Branche zeigt, dass das "La Boom" kein Einzelfall ist. Während 2016 knapp 300 Bars, Tanzlokale, Diskotheken und Clubbings in Niederösterreich aktiv waren, sind es zehn Jahre später 230. In St. Pölten ist die Anzahl der Nachtlokale laut WKNÖ in dieser Zeitspanne von 30 auf 25 gesunken.
Neuausrichtung
VAZ-Geschäftsführer René Voak ist mit der lokalen Veranstaltungsszene vertraut. Seit über zwei Jahrzehnten organisiert seine Firma NXP Entertainment diverse Events im größten Veranstaltungszentrum der Landeshauptstadt. Dazu gehört auch das im VAZ angesiedelte Warehouse. Der Club war verpachtet – bis im vergangenen April nach 22 Jahren der reguläre Betrieb als Nachtlokal eingestellt wurde.
Obwohl es eine Zeit lang danach aussah, ist das Warehouse nicht wie befürchtet von der Veranstaltungslandschaft verschwunden. Die Rückkehr zur ursprünglichen und namensgebenden Nutzung als Lager standen zwar im Raum, wurden jedoch verworfen. Stattdessen können Unternehmen und Vereine die Betriebsstätte punktuell für Events anmieten – ein ähnliches Konzept wie im VAZ. "Das ist aktuell auch der beste Weg für die Venue", sagt Voak. Seit dieser Neuausrichtung erlebe das Warehouse einen regelrechten Frühling und werde gut frequentiert. Allgemein habe St. Pölten als Veranstaltungsort in Voaks Augen weiterhin viel zu bieten. Die vorhandene Infrastruktur sei beeindruckend, betont der Unternehmer, der auch Events in mehreren deutschen Städten organisiert.
Gleichzeitig seien Corona und das Rauchverbot in Innenräumen schwieriger Meilensteine für die Nachtgastronomie gewesen. Der VAZ-Chef sieht Veränderungen jedoch gelassen. Das Wegfallen etablierter Nachtlokale sei kein lokales oder nationales, sondern eher ein weltweites Phänomen. "Ich glaube, das ist nichts Dramatisches. Das ist der Lauf der Dinge", so Voak. Als Veranstalter brauche es daher vor allem Kreativität und den Willen, sich neu zu erfinden.
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