Hightech im OP: Roboter verstärkt Chirurgenteam in Krems
Zusammenfassung
- Im Universitätsklinikum Krems unterstützt ein OP-Roboter minimalinvasive Eingriffe und soll künftig in weiteren Spitälern eingesetzt werden.
- Patienten profitieren von präziseren, schonenderen Operationen mit weniger Komplikationen und kürzerem Krankenhausaufenthalt.
- Die Roboter kosten jährlich rund eine Million Euro, werden fachübergreifend genutzt und sind Teil einer landesweiten Gesundheitsstrategie.
Denkt man an einen Operationssaal, dann denkt man an grelles Licht, konzentrierte Teams und an ruhige Hände, die am Körper des Patienten arbeiten. Doch im Operationssaal V des Universitätsklinikums Krems gehört inzwischen auch ein Roboter zum Team.
Oberarzt Bernhard Grubmüller sitzt vor dem Bildschirm und steuert die rund zwei Meter entfernten Roboterarme über spezielle Konsolen. Das natürliche Zittern der Hände und die Ermüdung werden dabei eliminiert. Zur Demonstration greift Grubmüller nach einem Stück Orangenhaut und entfernt die oberste Schicht beinahe mühelos. Damit möchte er zeigen, was die wesentlichen Vorteile des „da Vinci Xi“ sind: Präzision und Kontrolle.
Weniger Schmerzen
Für Patientinnen und Patienten bringt das erhebliche Vorteile: weniger Schmerzen, geringere Komplikationsraten, reduzierter Blutverlust und somit ein kürzerer Krankenhausaufenthalt. In einer ersten Phase wird der Roboter in Krems vor allem in der Urologie eingesetzt, dann soll das Einsatzgebiet auf die HNO-Abteilung und schließlich auf die Gynäkologie ausgeweitet werden.
Damit man mit Roboter-Assistenz operieren darf, braucht man das Zertifikat des Herstellers Intuitive Surgical Inc. 30 Stunden Übung am Simulator sind dafür verpflichtend. „Wenn man motiviert ist, schafft man das in ungefähr sechs Wochen“, sagt Grubmüller. Auch in einem Tierlabor wird trainiert, bevor es an den menschlichen Körper geht.
An einer Orangenspalte wurde demonstriert, was der Roboter kann.
Gesundheitsstrategie
Zukünftig soll der Roboter nicht nur in Krems bei Operationen unterstützen. Als Teil des Gesundheitsplans 2040+ soll jede Gesundheitsregion mit einem Roboter ausgestattet werden. In Wiener Neustadt und St. Pölten sind die OP-Roboter bereits im Einsatz und haben seit 2015 rund 5.000 Operationen in Niederösterreich bewältigt.
Bei der Entscheidung für die Roboter stand nicht nur das Patientenwohl im Vordergrund: „Wir stärken damit auch die Aus- und Weiterbildung und erhöhen die Attraktivität des Standorts“, sagt der für Kliniken zuständige Landesrat Anton Kasser dazu.
Bei der Ausbildung hilft, dass der Roboter über zwei Bildschirme verfügt, zwei Ärzte können so gemeinsam operieren. In weiteren Schritten sollen zusätzliche Standorte ausgestattet werden, darunter das LK Mistelbach, das LK Horn, das LK Baden-Mödling und in weiterer Folge das LK Amstetten. Damit möchte man die Gesundheitsversorgung auch für die Zukunft sichern: „Hier wurde ein Meilenstein erreicht, der zugleich den Startschuss für einen Vollausbau in allen Regionen markiert“, zeigt sich Kasser motiviert.
1 Million Euro pro Jahr
Doch auch die Kosten dürfen nicht vergessen werden. „Dass Gesundheit teuer ist, wissen wir“, räumt Kasser ein. „Der Roboter kostet uns pro Jahr eine Million Euro.“ Weil das Gerät gemietet ist, fallen laufend Kosten an, die sich aber auszahlen würden. Rund 400 Eingriffe pro Jahr sind mit dem Roboter geplant. Dabei soll er fachübergreifend eingesetzt werden: In der Urologie, Gynäkologie, Herzchirurgie und vor allem in der Onkologie habe das erhebliche Vorteile.
Vier Roboterarme operieren im Körper und sind dabei präziser als die menschliche Hand.
Minimalinvasiv
Wenn der Roboter im Einsatz ist, werden seine dünnen „Arme“ – Laparoskope – durch kleine Schnitte in den Körper eingeführt. Sie übertragen ein hochauflösendes, dreidimensionales Bild des Körperinneren auf die Konsole. So kann der Operateur selbst kleinste Strukturen wie Blutgefäße oder Nerven erkennen und behandeln.
Nicht nur die Patientinnen und Patienten profitieren von der Technik, auch für das behandelnde Team ist der OP-Roboter entlastend. „Es kann im Sitzen operiert werden – das ist ergonomischer“, fasst LGA-Vorständin Elisabeth Bräutigam zusammen. Um etwaigen Einwänden vorzubeugen, betont sie: „Der Roboter ist aber immer nur unterstützend, er operiert nie selbst.“
Vier kleine Schnitte
Oberarzt Bernhard Grubmüller beendet seine „Operation“ an der Orangenspalte. Einer der vier Arme des Roboters hält die weiße, durchsichtige Haut fest umklammert. „Und jetzt stellen Sie sich vor, wie schonend wir dann im Körper arbeiten können“, ist der Urologe begeistert.
Verschiedene Instrumente können in die Roboterarme eingespannt werden, beispielsweise Schere, Klemme, Nadelhalter oder Sauger. So kann man auch Wunden im Körper vernähen. Und das oft sogar besser als händisch: „Mit dem Roboter haben wir sieben Freiheitsgrade, die die Beweglichkeit des menschlichen Handgelenks übertreffen“, erklärt Grubmüller.
Was am Ende der Operation für den Menschen bleibt, sind vier kleine Schnitte, durch die die Laparoskope eingeführt wurden. Und die werden nach wie vor händisch vernäht.
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