Greißlersterben in NÖ: Diese Ortschaft hält nun dagegen

In Kapelln stand der Nahversorger vor dem Aus. Doch engagierte Bewohner wollten das nicht akzeptieren – und handelten.
Nahversorger Kapelln

Verwaiste Ortskerne, leere Geschäftslokale, lange Wege zum nächsten Supermarkt – was viele Gemeinden fürchten, wurde auch im niederösterreichischen Kapelln im Bezirk St. Pölten zur realen Gefahr. 

Der einzige Nahversorger im Ort, ein „Nah & Frisch“-Laden, stand nach mehr als 20 Jahren plötzlich vor dem Aus. Organisatorische Probleme und wirtschaftlicher Druck hatten den Betrieb ins Wanken gebracht.

Doch statt die Schließung hinzunehmen, entschloss sich eine Gruppe engagierter Kapellnerinnen und Kapellner zum Gegensteuern. Heute wird die Greißlerei als gemeinnütziger Verein geführt – und mit einem neuen Hybrid-Konzept in die Zukunft geführt.

"Wir haben viel umgesetzt"

Sechs Vorstandsmitglieder investierten unzählige ehrenamtliche Stunden, erneuerten Inventar und stellten das Sortiment neu auf. „Im letzten halben Jahr haben wir sehr vieles umgesetzt, um die Nahversorgung in Kapelln langfristig zu sichern“, sagt Obmann Andreas Munk.

Herzstück des neuen Konzepts ist ein digitales Zutritts- und Kassensystem. Damit kann das Geschäft auch außerhalb der Bedienzeiten sowie an Sonn- und Feiertagen genutzt werden – täglich bis 19.30 Uhr. Bezahlt wird per Bankomatkarte, Smartphone oder NFC. Ein Zutrittssystem und Videoüberwachung sorgen für Sicherheit.

Bedien- und Öffnungszeiten eines Dorfladens

Die Greißlerei kann jeden Tag besucht werden.

Wer Beratung und persönlichen Kontakt schätzt, wird weiterhin bedient: täglich bis 13 Uhr, donnerstags sogar bis 18 Uhr. Danach steht das Geschäft im Selbstbedienungsmodus offen. Lediglich Tabakwaren, Alkohol und Feinkost bleiben davon ausgenommen.

„Die Kombination aus persönlichem Service und erweiterten Öffnungszeiten ist eine zeitgemäße Lösung für den ländlichen Raum“, sagt Martina Strobl vom Verein Vielfalt Greißlerei. Das neue System werde von den Kunden überraschend rasch angenommen, berichtet sie.

Das Angebot wurde erweitert: Neben Lebensmitteln des täglichen Bedarfs setzt die Greißlerei stark auf regionale Produkte, frisches Bauernbrot, Mehlspeisen sowie Geschenkartikel aus Holz und Keramik. Ein breites Biosortiment – unter anderem von Alnatura und Sonnentor – sowie glutenfreie Produkte ergänzen das Angebot.

Partybrezen, Brötchen und Jausenplatten können vorbestellt werden. Im kleinen Stüberl mit Terrasse treffen sich Dorfbewohner bei Kaffee, Kuchen und Getränken. „Gerade im ländlichen Raum ist ein solcher Treffpunkt enorm wichtig“, so Strobl.

Für Kapelln mehr als nur ein Geschäft

Für die Verantwortlichen ist klar: Ein Nahversorger ist weit mehr als ein Ort für den schnellen Einkauf. Er belebt das Dorf, schafft Begegnungen und hält das Ortszentrum lebendig.

Zugleich appelliert der Verein an die Bevölkerung, bewusst im Ort einzukaufen. „Natürlich kann man im Großmarkt manchmal ein paar Euro sparen“, sagt Munk. „Aber ein kleiner Nahversorger kann nur bestehen, wenn er auch wirklich genutzt wird.“

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