Überfall in NÖ: "Ich war im Krieg, hätte beide erschießen können"
Die mutmaßlichen Täter werden in den Gerichtssaal geführt.
Schwer bewacht wird das Trio (50, 55 und 59 Jahre alt) in den Schwurgerichtssaal am Landesgericht St. Pölten geführt – jene drei Männer, die nicht nur am 5. September 2025 einen Überfall auf eine Pensionistin in Amstetten verübt haben sollen, sondern auf ihrer Flucht beinahe auch zwei Polizisten getötet haben sollen.
Es ist ein Prozess wie aus einem Thriller.
Die drei Männer sollen den Coup, der österreichweit für Schlagzeilen gesorgt hat, penibel geplant haben. Ins Visier geriet ein Unternehmer-Ehepaar aus Amstetten, das eigentlich nur seinen wohlverdienten Ruhestand genießen wollte.
Täter wollten 1,5 Millionen Euro erbeuten
Doch die mutmaßlichen Gangster witterten fette Beute: Die Rede ist von 1,5 Millionen Euro, die sie sich bei einem Überfall auf die Niederösterreicher erhofft hatten. Sie spähten das Haus aus; in den frühen Morgenstunden des 5. September, so berichtet es am Mittwoch der Staatsanwalt, schlugen sie zu.
Mit dieser Waffe wurde auf der Flucht geschossen.
Mit einer Pistole und einem Brecheisen bewaffnet warteten sie ab, bis der Hausbesitzer das Gebäude verlassen hatte – er ging mit seinem Hund eine Runde – und schlichen sich in das Haus.
Sicherheitsmann erschossen
Die Frau bekam zunächst gar nichts mit, weil sie sich auf der Toilette befunden hatte. Doch dann hörte sie Schritte und stand plötzlich Auge in Auge mit drei maskierten Schwerverbrechern. Einer von ihnen, ein 59-jähriger Kosovare, hatte im Jahr 1999 im Kanton Bern (Schweiz) in einem Spielsalon einen Sicherheitsmann aus nächster Nähe erschossen.
Schließlich kam dem 74-jährigen Opfer, das von den Eindringlingen, die auch Kabelbinder bei sich hatten, gerade ins Wohnzimmer gedrängt wurde, der Zufall zu Hilfe. Ein Spediteur hatte an der Tür geläutet, das Trio ergriff daraufhin die Flucht.
Dabei trennte sich das Trio. Der 59-Jährige hatte sich hinter einem Busch versteckt, als sich ihm zwei Polizisten näherten. Drei Schüsse soll der mutmaßliche Täter aus einer Entfernung von etwa 12 Metern abgegeben haben.
„Ein Projektil schlug in Kopfhöhe eines der Polizisten in einem Baum ein“, berichtet der Staatsanwalt. Ein Beamter gab ebenfalls einen Schuss ab.
Der Angeklagte, der bei dem Prozess nicht aussagen wollte, behauptete in einer früheren Einvernahme hingegen, nicht auf die Polizisten gezielt zu haben. „Ich war im Jugoslawienkrieg, ich hätte beide erschießen können.“
Verhaftung im Mostviertel
Die beiden Männer – der Kosovare und ein Albaner – konnten schließlich festgenommen werden; für den 50-jährigen Angeklagten klickten drei Tage nach der Tat in Aschbach-Markt die Handschellen.
Nach Angaben der drei Verteidiger soll ursprünglich lediglich ein Einbruchsdiebstahl geplant gewesen sein. In ihren Eröffnungsplädoyers betonten sie, der 59-jährige Angeklagte habe mit den abgegebenen Schüssen lediglich die einschreitenden Polizeibeamten ablenken und so seine Festnahme verhindern wollen. Eine Verletzungs- oder Tötungsabsicht habe demnach nicht bestanden, so sein Anwalt.
Rechtsanwalt Rudolf Mayer
Der Rechtsbeistand des 50-Jährigen, Rudolf Mayer, erklärte vor Gericht, sein Mandant habe keinerlei Kenntnis davon gehabt, dass eine Schusswaffe im Spiel war. Der 59-Jährige selbst machte in der Verhandlung von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Bei einer früheren Befragung hatte er lediglich von „Schüssen in die Luft“ gesprochen.
Schießgutachten wurde erstellt
Die Staatsanwaltschaft widersprach dieser Darstellung jedoch deutlich. Ein Sachverständigengutachten habe ergeben, dass der Schuss in einem Winkel von 24 Grad abgegeben worden sei; zudem sei ein Projektil in Kopfhöhe eines Beamten in einem Baum eingeschlagen.
Fluchtwagen wurde in einem Waldstück entdeckt.
Der dritte Angeklagte, 55 Jahre alt und bei der mutmaßlichen Home-Invasion mit einem Brecheisen ausgerüstet, beteuerte seinerseits, er habe weder jemanden fesseln noch Gewalt anwenden wollen.
Allen drei Männern wird schwerer Raub zur Last gelegt. Gegen den 59-Jährigen bestehen darüber hinaus Anklagen wegen versuchten Mordes, versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt sowie illegalen Waffenbesitzes. Nach Angaben der Polizei könnte das Trio außerdem hinter mehreren Wohnhauseinbrüchen in den Bezirken Melk und Amstetten im Juli und August 2025 stecken. Die entsprechenden Ermittlungen dazu sind allerdings noch nicht abgeschlossen.
Das Urteil der Geschworenen wird am späten Mittwochnachmittag erwartet.
Kommentare