Film ab: Hollywood steht auf Niederösterreich

Vergangene Woche wurden auf Burg Kreuzenstein Szenen einer bekannten Sky-Produktion gedreht. Was NÖ für Hollywood attraktiv macht.
Blick auf die Burg Kreuzenstein

Für den Schakal hat sich alles verändert. Sein sorgfältig aufgebautes Doppelleben – einerseits liebender Ehemann, andererseits eiskalter Auftragskiller – droht, in sich zusammenzubrechen.

Weshalb es ihn deshalb auf eine mittelalterliche Burg verschlägt, bleibt aber noch ein Geheimnis. Denn die Dreharbeiten zur zweiten Staffel der Sky-Produktion „The Day of the Jackal“ haben erst im Jänner begonnen. Und wie schon in der ersten Staffel reiste das Filmteam dafür nach Österreich – diesmal zur imposanten Burg Kreuzenstein in Leobendorf (Bezirk Korneuburg).

Schauspieler Eddie Redmayne als "Schakal"

Eddie Redmayne als "Schakal"

„Fünf Tage wurde aufgebaut, zwei gedreht“, erzählt der Besitzer der Anlage, Hans Christian Wilczek. Für ihn sind Stars wie Oscar-Preisträger Eddie Redmayne, der in der Erfolgsserie die Hauptfigur verkörpert, schon lange kein Grund mehr, nervös zu werden. Immerhin hatte er schon mit vielen Hollywood-Größen das Vergnügen: Ob Donald Sutherland oder Nicolas Cage, Henry Cavill oder Charlie Sheen – sie alle drehten bereits auf der Weinviertler Burg, und das zumeist unter strengster Geheimhaltung.

Dabei ist Kreuzenstein nur einer von vielen Orten in Niederösterreich, die schon im Kino oder in Serien zu sehen waren. Die Nähe zu Wien, die vielfältige Landschaft, aber eben auch die historischen Gebäude machen die Region für Filmschaffende attraktiv.

Porträt von Schauspieler Nicolas Cage

Nicolas Cage drehte für den Film "Der letzte Tempelritter" auf Burg Kreuzenstein

Weshalb das Land als Drehort längst kein Geheimtipp mehr ist, wie auch die jüngsten Produktionen beweisen: Für Timm Krögers Thriller „Die Theorie von Allem“ wurde im Südbahnhotel am Semmering gedreht. Der Film heimste 2024 drei Auszeichnungen beim deutschen Filmpreis ein.

Beliebt bis Hollywood

Im Vorjahr wiederum wurde der Stierhüblteich im Waldviertel Schauplatz der Komödie „Body Farm“ mit Birgit Minichmayr und Eberhofer-Darsteller Sebastian Bezzel. Und auch für den Horrorstreifen „Don’t kill Loretta“ des deutschen Regisseurs Oliver Kienle bot Niederösterreich eine filmreife Kulisse.

Ganz offensichtlich kann sich auch Hollywood nicht an Niederösterreich sattsehen – wie auch der Dreh vergangene Woche mit Publikumsliebling Redmayne beweist. Insgesamt wurden im Vorjahr 115 Projekte mit monetärer Filmförderung des Landes umgesetzt, für 67 Drehs gab es auch Herstellungs- bzw. Produktionszuschüsse. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden lediglich 51 Projekte gefördert.

Unterstützung erhalten Filmschaffende bei ihrer Arbeit von der Filmservicestelle Lower Austria Film Commission (LAFC). Sie hilft bei der Suche nach Drehorten und bei der Abwicklung, auch Förderansuchen laufen über die LAFC. In der Datenbank der Servicestelle finden sich etwa rund 80.000 Bilder von Locations samt Beschreibung, Kontaktdaten, nahe gelegenen Settings und Angeboten für die Crew. 

Dabei kann auch nach Stichworten oder Begriffen gesucht werden – wie „Burg“ oder „abgelegen“. Dieses Angebot sei einzigartig und helfe Produktionen, bei der Drehort-Wahl Aufwand und Geld zu sparen, erklärt Film-Commissioner Dietlind Rott.

Fans als Touristen

Punkten will das Filmland Niederösterreich zudem mit dem Service des „Evergreen Prisma“. Dieses ist ein Kompetenzzentrum samt digitaler Plattform für „grünes Filmen“. So wurde etwa einen CO2-Berechner entwickelt sowie mit dem Österreichischen Filminstitut und dem Verband „Green Film Consultants Austria“ ein Kriterienkatalog für ökologische Mindeststandards bei Produktionen geschaffen.

Dreharbeiten bringen den Regionen natürlich auch Filmtouristen. So profitiert die Weinviertler Stadt Retz bis heute davon, Spielort der Serie „Julia – eine ungewöhnliche Frau“ mit Christiane Hörbiger gewesen zu sein. Zudem müssen Produktionen mindestens 150 Prozent der geförderten Summe wieder im Bundesland reinvestieren. Wenn die Klappe fällt, hat das also auch wirtschaftliche und touristische Bedeutung. Vom Image ganz zu schweigen.

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