Gutachten: Fünf Mödlinger Straßennamen sind "historisch belastet"
Weinheber, Schürff, Schwarzrock und Stöhr - nationalsozialistisch belastete Straßennamen in Mödling.
Fünf Straßenzüge in Mödling könnten demnächst neue Namen erhalten. Das legt eine im Herbst 2025 vom Kultur- und Mobilitätsreferat beauftragte wissenschaftliche Überprüfung des Stadtgebietes auf mögliche historische Belastungen aus der Zeit des Nationalsozialismus nahe. Hintergrund dafür war ein schon länger zurückliegender Beschluss des Gemeinderates, die Josef Weinheber Gasse zu überprüfen. Studienautor Peter Schwarz präsentierte nun die Ergebnisse seiner Nachforschungen.
Die Namensgeber wurden auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Literatur, ihrer eigenen Publikationen und Reden sowie durch Forschungen in Archiven untersucht. Schwarz stuft demnach in seiner Studie fünf Personen als so belastet ein, dass eine Umbenennung empfohlen wird: Franz Gschmeidler, Hans Schürff, Friedrich Stöhr, Josef Weinheber und Rudolf Schwarzrock.
Umbenennung oder Zusatztafeln?
Wesentlich unterstützt wurde Schwarz durch Mödlings ehemaligen Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher (Grüne) und Christian Matzner vom "Verein Zeitgeschichte". „Die Bewertung in der Studie ist eindeutig ist. Nun geht es darum, zu entscheiden, wie die Stadt mit den Ergebnissen umgehen soll. Diese Entscheidung hat der Gemeinderat zu treffen“, informieren die beiden zuständigen Stadträte Stephan Schimanowa (SPÖ) und Tim Pöchhacker (Grüne).
Präsentation der Studie im Mödlinger Stadtamt. Von links: Stadtrat Tim Pöchhacker, Studienautor Peter Schwarz, Bürgermeisterin Silvia Drechsler, Stadtrat Stephan Schimanowa und Gerhard Wannenmacher (Verein für Zeitgeschichte).
Grundsätzlich sehe man zwei Möglichkeiten, so Schimanowa: "Wir können wie die Stadt Wien vorgehen und zu allen kritischen Straßennamen erklärende Zusatztafeln anbringen, oder wir benennen um, wie es zum Beispiel Graz konsequent macht." Laut vorliegendem Rechtsgutachten sei nach Paragraf 9 des Staatsvertrages jede Spur des Nationalsozialismus aus dem öffentlichen Raum zu tilgen. "Darauf aufbauend hat uns der Gutachter Vorschläge gemacht und meint, dass wir auf jeden Fall umbenennen sollten", berichtet Schimanowa. "Wenn das so ist, dann brauchen wir gar nicht diskutieren, sondern müssen handeln."
Zahlreiche Anrainer betroffen
Und er betont: "Da geht es wirklich um Personen, die belegbar besondere Rollen im Nazi-Regime gespielt haben. Schürff hat sich auf Kosten jüdischer Mitbürger bereichert, Weinheber hat jüdische Künstler denunziert." Differenzierter sei die Sachlage im Fall von Rudolf Schwarzrock: "Er war ÖVP-Bürgermeister, hatte davor aber höhere Funktionen im Nazi-Regime inne, wurde nach dem Krieg wegen Hochverrats angeklagt, aber dann begnadigt."
Man sei nun dabei, die Voraussetzungen für etwaige Umbenennungen abzuwägen: "Es wären davon doch viele Anrainer betroffen, die wir natürlich unterstützen würden", sagt Schimanowa. Und: "Es ist ein bürokratischer Aufwand, kostet aber kein Geld."
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