Gastpatienten: Brief soll Nachteil für Niederösterreicher belegen

Patient aus Melk wurde per Brief um Verständnis gebeten, dass Wiener Bevölkerung bevorzugt behandelt werden müsse. ÖVP in NÖ hält an Gastpatienten-Kampagne fest.
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Im Gastpatientenstreit will die ÖVP ihre in Niederösterreich gestartete Kampagne "Schluss mit Blockieren. Wien muss operieren“ bis Ende März fortsetzen. Eine entsprechende Petition hatten bis zum vergangenen Wochenende bereits über 10.000 Niederösterreicher unterschrieben. Auf den großen Bahnhöfen im Land verteilten ÖVP-Funktionäre im Rahmen der Kampagne am Mittwochfrüh an Pendler Broschüren und Schnitten. 

Als Beweis, dass die Zurücksetzung nö. Patienten in Wien mit System betrieben würde, meldete sich nun auch ein indirekt betroffener Gastpatient zu Wort. Der Melker August Grubhofer hatte sich in einem Arm drei Bizepssehnen gerissen, die er sich von einem spezialisierten Arzt als Privatpatient in der Wiener Klinik Speising erfolgreich operieren ließ. Binnen weniger Wochen hatte er einen OP-Termin erhalten, der im April des Vorjahres wegen eines Ausfalls dann sogar um mehr als ein Monat früher stattfinden konnte.

Zwei Wochen nach dieser OP erhielt der Niederösterreicher dann einen Brief aus dem Spital Speising, der ihn staunen ließ. Darin wurde ihm erklärt, dass er sich auf der Warteliste für eine OP befinde. Da man aber verpflichtet  sei "in erster Linie die Versorgung der Wiener Bevölkerung sicherzustellen, müssen wir bei planbaren Eingriffen die Anzahl der Patienten aus den Bundesländern reduzieren“, hieß es im Brief. Weiters wurde Grubhofer auf Spitäler in NÖ verwiesen, die diese OP ebenfalls durchführen . 

Staunen

Er sei erstaunt und etwas belustigt gewesen und habe dem Spital per eMail mitgeteilt, dass er bereits vor 14 Tagen operiert worden sei, schilderte Grubhofer seine Reaktion.

Für Matthias Zauner, den Landesgeschäftsführer der VPNÖ widerspricht die Vorgangsweise, die vom Wiener SPÖ-Spitalsstadtrat Peter Hacker ausgehe, klar den im Finanzausgleich fixierten Vereinbarungen. "Auch Hacker muss das einhalten, was sein Bürgermeister Michael Ludwig unterschrieben hat“, fordert Zauner. NÖ verzichte über die Finanzausgleichsvereinbarung zugunsten der Gastpatientenregelung auf 500 Millionen Euro.

Das Land NÖ beteiligt sich, wie berichtet, auch an der Klage eines in Wien abgewiesenen nö. Gastpatienten gegen die Stadt Wien, indem es die Prozesskosten übernimmt. 

Die Kampagne bekomme jedenfalls von der nö. Bevölkerung viel Zustimmung und Unterstützung, berichtete die Ybbser Landtagsabgeordnete Silke Dammerer, ÖVP, von den morgendlichen Gesprächen auf den Bahnsteigen. "Es geht um einen Akt der Fairness, dass auch Wien die Gastpatientenregelung einhält “, sagte sie.  

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