Frauen an den Urnen und auf den Stimmzetteln
An einem kalten Tag im Februar 1919 schritten Österreichs Frauen erstmals zu den Urnen, um zu wählen.
Frühjahr 1919 – Österreich steht an einem zentralen Wendepunkt: Der Erste Weltkrieg ist vor wenigen Monaten mit der Niederlage und dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie zu Ende gegangen. Die junge Republik Deutschösterreich befindet sich im politischen Findungsprozess, erste Schritte in Richtung Demokratie werden gesetzt.
Die Menschen sind kriegsmüde, hungern, ächzen unter der wirtschaftlichen Lage. Doch selbst in diesen schwierigen Zeiten gibt es bedeutende Fortschritte auf politisch-sozialer Ebene. Eine davon liegt 107 Jahre zurück.
1919 konnten Frauen erstmals Seite an Seite mit Männern an die Urnen schreiten, um ihr Wahlrecht wahrzunehmen – und das gleich zwei Mal. Am 16. Februar wurde die Konstituierende Nationalversammlung gewählt. Anschließend zogen die ersten acht Frauen als Abgeordnete ins Parlament ein.
Nur drei Monate später, am 4. Mai, wählen Niederösterreichs Frauen erneut, diesmal den niederösterreichischen Landtag. „Historisch ist die Einführung des Frauenwahlrechts Folge der politischen und gesellschaftlichen Umbruchsituation zu Ende des Ersten Weltkrieges“, so die Österreichische Nationalbibliothek online. Gleichzeitig ist sie das Ergebnis jahrelangen Engagements.
Revolutionärinnen
Ein aktives und passives Wahlrecht für die weibliche Bevölkerung Österreichs wurde erstmals in den 1850er-Jahren Jahren thematisiert, in Zeiten der großen Revolutionen Europas. Während in Österreich-Ungarn schrittweise alle Teile der männlichen Bevölkerungsschichten wählen durften, blieben Frauen weiterhin ausgeschlossen.
Als 1889 den wenigen steuerzahlenden Frauen Niederösterreichs das Landtagswahlrecht entzogen wurde, formierte sich zunehmend Widerstand. Bürgerlich-liberalen Frauen begannen, sich mittels Unterschriftenpetitionen an die Politik zu wenden. Publikation in Frauenzeitungen, Artikeln und Broschüren folgten. Der Krieg bremste ihre Bemühungen.
Am 12. November 1918 wurde allen volljährigen Bürgerinnen und Bürgern das aktive und passive Wahlrecht zugesprochen. Drei Jahre später zogen die ersten drei weiblichen Abgeordneten in den NÖ Landtag ein – Maria Kraichel, Kathi Graf und Anna Holzer. 1948 wurde Kreszenzia Hölzl Bürgermeisterin von Gloggnitz und war damit die erste österreichische Frau in diesem Amt.KLe
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