Die Teilnehmerinnen des Gewaltschutz-Gipfels im Ministerium

© Regina Aigner

Chronik Niederösterreich
08/02/2019

Frauenmorde: Notrufnummern an der Supermarkt-Kassa

Gewaltschutzgipfel im Ministerium. NÖ startet Werbeoffensive für Schutzeinrichtungen von Opfern.

von Patrick Wammerl

Nach einer Serie von Frauenmorden sehen sich auch die Politik und Gewaltschutzeinrichtungen gefordert. Frauenministerin Ines Stilling lud diese Woche zu einem Gipfeltreffen aller Bundesländer zum Thema Gewaltschutz.

Dabei stellte Niederösterreichs Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister eine ungewöhnliche Initiative ihres Bundeslandes vor. Da viele Frauen immer noch nicht wissen, wo sie sich bei Gewalt in der Familie oder anderen Krisensituationen hinwenden können, startet NÖ eine Werbeoffensive. In 200 Spar-Supermärkten werden Infofolder und Plakate über alle Anlaufstellen, Frauenhäuser und Notrufnummern aufgelegt. „Diese breite Informationsschiene ermöglicht einen leichten und niederschwelligen Zugang für Betroffene und soll bewirken, dass jede Frau weiß, wo sie sich hinwenden kann“, sagte Teschl-Hofmeister.

Beratungen nehmen zu

Als zu Jahresbeginn in NÖ mehrere Frauen in kurzen Abständen ermordet wurden, gab es auch mehr Anrufe bei der Hotline des nö. Gewaltschutzzentrums. Frauen, die bereits unter häuslicher Gewalt litten, seien sensibler geworden, erklärt Geschäftsführerin Michaela Egger. Die Beratungen haben zugenommen. Das Gewaltschutzzentrum hat 2018 2.664 Personen betreut, 1428 davon nach polizeilichen Betretungsverboten gegen den Partner. „Häusliche Gewalt ist ein sehr komplexes Thema. Es gibt und gab ein Nahverhältnis zum Täter. Aus unserer Sicht als Opferschutzeinrichtung ist gerade der Trennungsprozess die gefährlichste Zeit für Frauen, wie es sich auch bei den aktuellen Mordopfern widerspiegelt. In erster Linie werden wir dann tätig, wenn über die Polizei die Meldung eines Betretungsverbotes kommt“, so Egger.

Was man im Gewaltschutzzentrum deutlich spüre ist, dass die Schwere an Gewalt zunimmt. „Von häuslicher Gewalt sind vor allem Frauen und ihre Kinder betroffen. Diese geschlechtsspezifische Gewalt gründet in einem hierarchischen Geschlechterverhältnis, von dem unsere Gesellschaft nicht erst durch den Zustrom von Menschen aus anderen Ländern geprägt ist“, sagt Egger.