Die Polizei ermittelt in dem Fall

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Chronik Niederösterreich
06/17/2019

Familientragödie: Mutter soll Sohn bei Suizid geholfen haben

Gegen die Frau wird wegen Mitwirkung am Selbstmord ermittelt. Das Opfer war schwer krank.

von Patrick Wammerl

Eine erschütternde Geschichte ist rund um den Tod eines 35 Jahre alten Mannes aus dem Bezirk Mödling ans Tageslicht gekommen. Die eigene Mutter soll am Tod ihres Kindes mitgewirkt haben. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl gegenüber dem KURIER bestätigt, wird gegen die 52-jährige Frau nach dem Paragraphen 78 des Strafgesetzbuches wegen "Mitwirkung am Selbstmord" ermittelt. Wer einen anderen dazu verleitet, sich selbst zu töten, oder ihm dazu Hilfe leistet, ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu bestrafen.

Der Sohn, der seit Jahren schwer krank war, wurde abwechselnd von seiner 34-jährigen Lebensgefährin und der Mutter in seiner Wohnung im Bezirk Mödling betreut. Im Zusammenhang mit seiner Erkrankung nahm der 35-Jährige auch starke Medikamente ein. Vergangenen Dienstag fand die Lebensgefährtin bei ihrem Besuch den Mann plötzlich regungslos in der Wohnung. Obwohl er noch rasch ins Landesklinikum Mödling eingeliefert wurde, verstarb er dort wenig später.

Tödliche Überdosis

Weil bei dem 35-Jährigen allerdings eine deutlich überhöhte Medikamentendosis von seiner Ration fehlte, wurde die Freundin stutzig. Wie die bisherigen Ermittlungen ergaben, soll die Mutter dem Sohn dabei geholfen haben, eine tödliche Überdosis einzunehmen. Neben den üblichen Tabletten wurden dem Mann anscheinend welche in zerkleinerter Form verabreicht. Es könnte auch sein eigener Wunsch gewesen sein aus dem Leben zu scheiden. "Wir haben eine gerichtsmedizinische Untersuchung angeordnet und warten auf das Obduktionsergebnis. Sobald die Beschuldigte vernehmungsfähig ist, wird sie zum Sachverhalt auch befragt werden", erklärt Habitzl. Bis jetzt war das auf Grund ihres psychischen Zustandes nicht möglich.

Wer Selbstmordgedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen über die Gedanken dabei, sie zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken. Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Depressionen betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge in Österreich kostenlos unter der Rufnummer 142.

www.suizid-praevention.gv.at

Das neue österreichische Suizidpräventionsportal www.suizid-praevention.gv.at bietet Informationen zu Hilfsangeboten für drei Zielgruppen: Personen mit Suizidgedanken, Personen, die sich diesbezüglich Sorgen um andere machen, und Personen, die nahestehende Menschen durch Suizid verloren haben. Das Portal ist Teil des österreichischen Suizidpräventionsprogramms SUPRA des Gesundheitsministeriums.