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Chronik Niederösterreich
08/15/2019

Engpass bei Fallen und Gift: Nur Sintflut kann Mäuse-Plage stoppen

Die Invasion der Nager lässt Bauern verzweifeln. Geplagte Landwirte hoffen auf die Hilfe der Natur.

von Kevin Kada

Seit Wochen sind die Weinviertler Landwirte mit einer geradezu biblischen Plage konfrontiert: Mäuse haben sich explosionsartig vermehrt und fressen Felder und Äcker leer.

„Es ist ein Wahnsinn, wie viele Mäuse auf den Feldern zu sehen sind und wir sind machtlos“, erzählte Landwirt Hannes Andre bereits Ende Juli.

Die Lage hat sich in der Zwischenzeit nicht beruhigt – ganz im Gegenteil. Sie wird immer problematischer.

Und weil so gut wie nichts gegen die Mäuseinvasion hilft, kaufen die Landwirte den örtlichen Vorrat an Rodentiziden, besser bekannt als Mäusegift, auf.

Auch die Regale in den Lagerhäusern leeren sich, bestätigt eine Sprecherin der Raiffeisen Ware Austria (RWA): „Aktuell werden überdurchschnittlich viele Mäusefallen und Mäusegift verkauft. Falls einmal etwas nicht zu haben ist, dann ist das ein örtliches Lagerproblem und die benötigten Mittel werden nachbestellt. Insgesamt haben wir noch keine Lieferprobleme der besagten Mittel.“

Plage zu groß für Mäusegift

Auch Christian Emsenhuber von der Abteilung Pflanzenschutz in der Niederösterreichischen Landwirtschaftskammer sieht den Trend zu Hamsterkäufen bei Mäusegift.

Doch das große Problem dahinter ist: „Es hilft nichts. Die Mäuseinvasion ist mittlerweile so groß, dass handelsübliches Mäusegift nicht mehr ausreicht.“

Natürliche Gefahr

Emsenhuber meint, dass man das gekaufte Mäusegift sehr wohl noch im eigenen Haus oder in Lagerstätten verwenden kann, wo der Mäusebefall noch nicht vorhanden oder nicht so groß ist. „Dort wird es noch die nötige Wirkung erzielen. Aber auf den Feldern bringt das nichts mehr.“

Tipps wie das Aufstellen von Greifvögelstangen oder Bodenbearbeitung helfen da nicht mehr, so der Kammer-Funktionär. Nur noch massive Hilfe von oben könnte das Problem eindämmen: „Wir hoffen alle auf starke Regenfälle, damit die Felder wirklich überflutet werden und die Mäuse dadurch unschädlich gemacht werden.“

Dabei meint Emsenhuber aber nicht den üblichen Regen der vergangenen Tage, sondern sintflutartige Niederschläge. „Entweder es muss in kurzer Zeit massiv regnen oder über eine längere Periode eine große Menge. Alles andere wird die Mäuse nicht aufhalten.“

Weinbau gefährdet

Die ausgebliebene Entspannung lässt auch die Weinbauern im Weinviertel zittern. Denn in den kommenden zwei Wochen werden die Trauben reifer und lagern Zucker an. Dann startet bei einigen Sorten bereits die Ernte, die auch heuer wieder etwas früher als üblich dran sein dürfte. Die perfekte Beute für die Mäuse, die sich bisher „nur“ an Kürbissen, Mais und Sojabohnen vergriffen haben.

Auch die Winzer hoffen auf Starkregen. Anders als die bereits betroffenen Landwirte, haben sie aber noch die Chance vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Wie Greifvogelstangen zu installieren oder den Boden zu bearbeiten. Ob dies etwas hilft, wird sich zeigen.