Mitgliederzahl verdoppelt: 100.000 Menschen in Niederösterreichs Energiegemeinschaften
Niederösterreichs Energiegemeinschaften haben bereits 100.000 Mitglieder
Am 3. Mai ist Tag der Sonne. Und der größte Planet liefert genau das, was die Energiegemeinschaften brauchen: Strom durch Sonnenenergie. Davon wiederum leben die Energiegemeinschaften, um die es in Niederösterreich mittlerweile einen regelrechten Boom gibt: Die Schallmauer von landesweit 100.000 Mitgliedern wurde jetzt durch einen Beitritt zur Energiegemeinschaft Thayatal geknackt. Bürgermeister Josef Ramharter, er ist auch Obmann dieser EG, hat selbige im Jahr 2022 initiiert. Grundidee war damals, den Strombedarf der öffentlichen Gebäude abzudecken, aber dann wurde das Angebot auf Private und Betriebe erweitert.
„Heute zählen wir 540 Mitglieder und produzieren eine Photovoltaik-Leistung von sechs MWp. Die stetig wachsende Zahl an Mitgliedern zeigt, wie groß das Interesse an regionalem, sauberem Strom ist. Damit können wir steigenden Energiepreisen gut entgegenwirken“, sagt Ramharter. Der Bezugspreis für Energie beträgt 7,9 Cent pro kWh zuzüglich Mehrwertsteuer, während für eingespeisten Strom 7,4 Cent pro kWh vergütet werden.
Dienstleister helfen bei Organisation und Abrechnung
Betreut wird die EG Thayatal von der EZN, der Energie.Zukunft Niederösterreich, die bereits 200 Gemeinschaften in über 350 Gemeinden unterstützt. Dienstleister wie die EZN helfen den Energiegemeinschaften primär bei der Gründung und der Abrechnung - man muss sich ihrer nicht bedienen; es kann aber, besonders bei den komplizierten Abrechnungen, von Vorteil sein. Außerdem kann ein übergreifendes Energiemanagement der Gemeinschaft helfen, ihre Potenziale richtig auszuschöpfen - etwa dann, wenn man Speicher einbinden möchte und dafür Echtzeitanalyse-Daten benötigt.
Wer wissen möchte, wie man eine EG gründet oder wie man dort Mitglied werden kann, kann sich an die niederösterreichische Energieagentur Enu wenden. Dort gibt es kostenlose Beratung, die von der ersten Idee bis zur konkreten Umsetzung geht: Es werden organisatorische und rechtliche Fragen beantwortet. Beraten wird jeder und jede, von einzelnen Bürgern über Gemeinden bis hin zu Betrieben. Alle, die Strom lokal erzeugen und/oder verbrauchen möchten; im Schnitt wickelt die Enu wöchentlich 40 Beratungsgespräche zum Thema EG ab.
Bernhard Karnthaler, GF Energie.Zukunft Niederösterreich (EZN), Obmann und Bürgermeister Josef Ramharter, LH-Stv. Stephan Pernkopf und Jakob Weigl, EG-Betreuer in der Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu).
Organisiert in Vereinen oder Genossenschaften
Formal sind EG oft in Vereinen organisiert. Es kann aber auch eine Genossenschaft sein, Energiegemeinschaften benötigen jedenfalls eine juristische Person.
Die Vorteile sind niedrigere Stromkosten und die Gewissheit, Energie aus lokaler Produktion zu beziehen. Üblicherweise sparen Haushalte, die an EG beteiligt sind, rund 30 Prozent der Stromkosten. Ein Drittel des Stromverbrauchs eines Haushaltes kann mit der EG abgedeckt werden; um wie viel günstiger das ist, hängt letztlich vom Tarif der Gemeinschaft ab, aber die 30 Prozent sind ein realistischer Durchschnittswert.
„Wenn die Sonne scheint, freuen wir uns doppelt“
Doris Lamatsch ist seit Ende März in der regionalen EG „Zukunftsraum Thayaland“ sowohl als Geschäftsführerin eines Betriebs als auch als Privatperson aktiv. „Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass der Strom aus der Region kommt und nachhaltig produziert wird“, sagt Lamatsch. Für sie zeigen sich die Vorteile der EG im Geschäftsalltag: An sonnigen Tagen kann ihr Betrieb nahezu den gesamten Strombedarf direkt aus der EG decken, da der Energieverbrauch überwiegend tagsüber anfällt. „Wenn die Sonne scheint, freuen wir uns doppelt. Über das Wetter und die geringeren Stromkosten.“
Auch im privaten Bereich hat sich das Verhalten verändert: „Waschmaschine, Geschirrspüler oder das Laden des E-Autos verlege ich möglichst in die Tagesstunden. Durch die Energiegemeinschaft hat sich mein Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Energie verändert“, reflektiert Lamatsch.
Erste EG in Lilienfeld
Die erste EG in Niederösterreich wurde 2021 in Lilienfeld gegründet. Damals konnten sich erstmals mehrere Haushalte zusammenschließen; davor konnte selbst produzierte Energie nur von denen genutzt werden, die eine eigene PV-Anlage am Dach hatten, also Privathaushalte oder auch Wohnhausanlagen.
Das Gleichgewicht macht's aus
Übrigens: Einen Kardinalfehler, den man bei Gründung einer EG nicht begehen sollte, ist, den aktuellen Stromlieferanten zu kündigen. Denn alle Mitglieder benötigen einen Reststromlieferanten. Es ist auch nicht klug, nur Menschen mit PV-Anlage in eine EG aufzunehmen, denn das Gleichgewicht aus Produzierenden und Abnehmenden macht eine gute Gemeinschaft aus.
- Energiegemeinschaften in der Nähe findet man auf der Plattform www.stromverbindet.gv.at, einzugeben ist nur die Postleitzahl. Preise und Zutrittsbedingungen sind dort gelistet.
- Allgemeine Informationen bei der Energieagentur des Landes NÖ finden Sie hier.
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