Perfekte Kälte: Nächtliche Eisweinlese bei minus 8 Grad in NÖ

46-220588599
Wenn Niederösterreichs Weinbaupräsident nachts zur Eisweinlese ruft, ziehen sich die Helfer warm an.

Dicke Strumpfhose, Socken, Hose, Winterstiefel; unter der dicken Winterjacke ebenfalls mehrere Schichten und noch ein selbst gestrickter Schal, mehrmals um den Hals gewickelt – so ging's in der Nacht auf Montag (23. November) zur Eisweinlese hinaus in den Weingarten von Niederösterreichs Weinbaupräsidenten Reinhard Zöchmann in Roseldorf (Bezirk Hollabrunn).

Für die Erntehelfer war das vierte Wochenende im November ein aufregendes, an dem die Temperaturen ganz genau beobachtet wurden. Es muss unter minus 7 Grad haben, damit der Eiswein gelesen werden kann. Für das vergangene Wochenende waren solche Temperaturen prognostiziert. Am 23. November fürchtete der Weinbaupräsident, dass es, wie bereits Samstagnacht, wieder nicht kalt genug werden würde.

Doch die Temperaturen fielen, und gegen 22 Uhr kam die Nachricht: „Wir haben 8 Grad minus, die Bundeskellereiinspektion hat die Freigabe gegeben, wir freuen uns über alle Helfer“, informierte Zöchmann, dass die Eisweinlese um Mitternacht starten werde. 

Freigabe zur Lese

„Als ein Heurigengast hereinkam und gesagt hat, dass es minus 7 Grad hat, hab' ich mir gedacht, es könnte was werden“, erzählt der Winzer. Also fuhr er mit dem Roseldorfer Fritz Schuh eine Runde in den Weingarten, wo er Trauben für die Eisweinlese hängen ließ: Dort hatte es minus 8 Grad, die Trauben waren gefroren.

Er rief den Kellereiinspektor an, denn dieser muss die Freigabe zur Lese erteilen. Und die kam, denn es war frostig genug – auch andere Weingüter hatten sich bereits gemeldet.

Traktoren sorgten für Beleuchtung

Die Erntehelfer waren um Mitternacht bereit, Weingartenscheren und Kisten für die Trauben wurden verteilt. Zwei Traktoren sorgten neben einigen Stirnlampen für die notwendige Beleuchtung im finsteren Weingarten. Und schon wurde drauf los gezwickt, der Grüne Veltliner wurde gelesen. Mit so viel Motivation, dass selbst der Weinbaupräsident überrascht war, dass die Eiswein-Ernte innerhalb von zwei Stunden eingebracht war. „Wir waren wirklich schnell“, dankte er der zehnköpfigen Truppe, die sich in seinem Weingut bei heißer Bohnensuppe wärmte.

Trauben in die Presse

Danach wurden die gefrorenen Trauben in die Presse gefüllt und auf die erfolgreiche Eisweinlese angestoßen, bevor es um 5 Uhr Früh zurück ins warme Bett ging.

Der Kellereiinspektor Hubert Traxler war um 2 Uhr Früh ebenfalls im Roseldorfer Weingarten. „Er hat geschaut, wie die Trauben beschaffen sind und die Menge eingeschätzt“, erklärt Zöchmann. Am Dienstag kam Traxler wieder, um die Menge zu kontrollieren und zu prüfen, ob die Zuckergrade passen. „Es ist ein Eiswein geworden!“, verkündete der Weinbaupräsident im KURIER-Gespräch, kurz nach dem Besuch des Kellereiinspektors. Der Eiswein wies etwas mehr als 25 KMW auf. Also genau richtig. Die Angabe KMW steht für Klosterneuburger Mostwaage und ist jene Einheit, die den Zuckergehalt des Weins angibt.

Verkostung im März oder April

Jetzt muss der Eiswein vergären und sich beruhigen. Der Weinbaupräsident schätzt, dass er im März oder April verkostet werden kann.

Die Eisweinlese war übrigens etwas Besonders im Weingut Zöchmann: „Ich mach' das auch erst zum zweiten Mal“, erzählte Seniorchef Franz Zöchmann, als er die gefrorenen Trauben abzwickt. „Es ist wirklich schon sehr lange her“, nickt sein Sohn: Vor knapp 17 Jahren gab's zuletzt Eiswein in seinem Roseldorfer Weingut.

Kommentare