Zwei Firmen aus NÖ legen die Basis für den perfekten Opernball-Auftritt

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Damit beim Ball getanzt werden kann, muss ein Parkettboden verlegt werden. Zwei Waldviertler Firmen sind federführend.

Am  Donnerstag (12. Februar) findet der 68. Wiener Opernball in der Staatsoper statt. Am Montag wurde aber noch das Ballett Jewels zur Aufführung gelangen. 528 Sitzplätze gibt es für die Besucherinnen und Besucher auf dem Parkett – diese müssen am Donnerstag verschwunden sein, dort eröffnen die Debütantinnen und Debütanten den Ball.

Dafür, dass die Bestuhlung entfernt wird und das Tanzbein geschwungen werden kann, sorgen zwei Waldviertler Unternehmen: Die Tischlerei Blauensteiner aus Schweiggers und der Schlossereibetrieb Hölzl aus Sallingstadt (beide im Bezirk Zwettl). Sie verlegen ab Dienstagfrüh das Parkett: 900 Quadratmeter Eichenboden. „Wir sind ein Team aus drei Firmen mit rund 50 Personen“, erzählt Georg Blauensteiner (37).

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Konstruktion von 1956

Für seine Mitarbeiter gehört der Einsatz in der Oper schon zur Routine: „Wir machen den Boden seit 2008. Seit 2020 mit der Firma Metalltechnik Hölzl. Sie ist verantwortlich für den fachgerechten Aufbau der Stahlkonstruktion. Die Firma Teamwork4U stellt zusätzlich 30 Helfer zur Verfügung.“ Der Boden hat eine Stahlunterkonstruktion, darauf kommen schwere Platten mit 2,20 Meter Länge und einem Meter Breite. Auf der Konstruktion wurde schon beim ersten Ball nach dem Zweiten Weltkrieg 1956 getanzt. „Die heutige Firma Hartl Haus, ebenfalls aus dem Waldviertel, hat damals den Parkettboden angefertigt, der immer noch als Unterbau verwendet wird“, erklärt Seniorchef Franz Blauensteiner (67). „Seit 20 Jahren kommt auf diesen Boden noch eine Schicht Eichenparkett in der Stärke von etwa drei Zentimetern drauf.“

Weil auch dieser schon deutliche Gebrauchsspuren zeigte, wurde er im Vorjahr abgeschliffen und neu versiegelt. „Jetzt sieht er aus wie neu. Aber die Tänzerinnen und Tänzer haben im Vorjahr bemerkt, dass er etwas rutschig war“, erzählt der 67-Jährige. Er selbst hatte im Vorjahr mit seiner Ehefrau die Gelegenheit, auch das Tanzbein darauf zu schwingen, allerdings nur kurz bei der Generalprobe.

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Mitarbeitende der Schlosserei und der Tischlerei arbeiten Hand in Hand.

Sprengstoffspürhunde

Nach getaner Arbeit also – die jedes Mal am Dienstag vor dem Ball um 7 Uhr startet, nachdem die Sprengstoffspürhunde das Arbeitsmaterial und Werkzeug fertig beschnüffelt und auch in der Oper ihre Runde gemacht haben.

Zunächst werden die Stühle verstaut. „Die werden unter dem Zuschauerraum zwischengelagert. Da ist ein Stauraum, gerade so hoch, dass man sich darin gebückt oder auf allen vieren bewegen kann“, so der Firmenchef. Der Boden wird in fünf Lkw-Zügen angeliefert. „Es ist genau getaktet, wann welcher Lkw kommt, da kommen ja auch die Logen und alles andere, was für den Ball gebraucht wird. Ein Teil davon wird über den Haupteingang hereingebracht“, erklärt Blauensteiner.

Apropos Logen: Heuer bekommen sie 24 neue Trennwände von der Waldviertler Tischlerei, sie lagern – mit rotem Samt bezogen – schon im Schauraum in Schweiggers. „Wir können sie erst am Tag vor dem Ball montieren“, sagt Franz Blauensteiner.

Er kennt die Staatsoper in- und auswendig, seit 2004 übernimmt seine Tischlerei dort Aufträge: man richtete etwa das Dirigentenzimmer, die Künstlergarderoben oder die Schneiderei ein, gestaltete einige Fluchtstiegen, die für den Opernball als Sicherheitsmaßnahme benötigt werden. Auch die 15 Meter lange Palmenbar, die auf dem Balkon der Oper steht, wurde in der Werkstatt von Blauensteiner 2008 produziert und zweimal in neuem Design umgebaut. Sie steht bereits.

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Die Palmenbar wurde von der Tischlerei Blauensteiner umgesetzt.

Aufträge für Museen

Ist das Tanzparkett verlegt, kommen noch einmal die Sprengstoffspürhunde, es erfolgt eine Abnahme, der Boden wird verschlossen. Die Aufträge in der Oper bedeuten für den Familienbetrieb insgesamt etwa eine Woche Arbeit im Jahr. „Das ist schön, es ist aber nur einen Bruchteil von dem, was wir machen“, erklärt der Juniorchef. Der Hauptteil finde nämlich im Museums- und Ausstellungsbereich statt. So ist die Tischlerei immer wieder für die Albertina, das Belvedere, das Wien Museum oder das Leopoldmuseum im Einsatz. „Es sind Hunderte Museen gewesen, von Baku über Venedig bis Berlin“, sagt Franz Blauensteiner. Arbeiten aus ihrer Tischlerei findet man auch im Parlament, dem Wiener Rathaus oder dem Bundeskanzleramt.

Abgebaut wird der Boden in der Oper übrigens am Samstag, weil es am Freitag noch eine Kinderveranstaltung gibt. Arbeitsbeginn ist um fünf Uhr früh – immerhin soll am Abend die nächste Aufführung von Jewels über die Bühne gehen.

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