Longin und ihre Mitstreiterin Doro Blancke unterstützten eine lokale NGO, Essen zu verteilen 

© Helga Longin

Chronik Niederösterreich
09/25/2020

Bruckerin im Kampf gegen die „Schande Europas“

Helga Longin von der Initiative „Unser Bruck hilft“ unterstützt aktuell im abgebrannten Flüchtlingslager Moria.

von Caroline Ferstl

Es ist der 15. September 2020. Eigentlich sollte Helga Longin im Flugzeug nach Namibia sitzen und ihre „Traumreise“ erleben, wie sie erzählt. Corona-bedingt wurde die Reise abgesagt.

Stattdessen nimmt Longin den Flieger Richtung Mytilini, dem Zentrum der griechischen Insel Lesbos, um vor Ort im unlängst abgebrannten Flüchtlingslager Moria zu helfen.

Seit 2015 engagiert sich die 62-Jährige bei der Initiative „Unser Bruck hilft“ und unterstützt ansässige Flüchtlinge und Asylwerber. Als ehemalige Journalistin hat Longin schon so einiges gesehen. Auf den Anblick, der sie und ihre Mitstreiterin Doro Blancke in Moria erwartete, war sie jedoch nicht vorbereitet: „Wir haben die Schande Europas mit eigenen Augen gesehen.“

Ein Tropfen Hilfe

Die ersten Tage nach ihrer Ankunft arbeiteten die Frauen bei der lokalen NGO „Home for all“ mit und halfen, 1.500 Mahlzeiten zu verteilen.

„Alle haben sich unglaublich diszipliniert angestellt, Frauen und Kindern unaufgefordert den Vortritt gelassen. Es gibt wahnsinnig viele Kinder hier, sie schlafen im Staub unter Planen neben der Straße, an der die Lkw vorbeidonnern“, schildert die Aktivistin.

Später wurde den NGO verboten, weiter zu helfen, um die Flüchtlinge ins Ausweichlager Kara Tepe zu bringen: „Das Lager hat Platz für 5.000 Menschen, 12.000 sollen dort untergebracht werden. Das wird Moria 2.0“, warnt Longin und ruft zu Hilfe auf: „Egal, was wir hier tun, wir wissen, es ist zu wenig. Es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber dann wollen wir dieser Tropfen sein. Und viele Tropfen können etwas bewirken.“

Es wird kälter

Langfristiges Ziel sollte dennoch nicht die Hilfe vor Ort sein, sondern das Lager zu leeren, menschenwürdige Unterkünftige zu schaffen und die Menschen in Sicherheit zu bringen. „Die ersten Tage nach dem Brand waren natürlich viele Medien da, doch bald wird Moria aus den Schlagzeilen verschwinden. Die Menschen aber bleiben hier und leiden weiter. Und es wird immer kälter“, warnt Longin.

Mehrere tausend Euro hat der Verein schon gesammelt und damit etwa 4.500 Schutzmasken, Babynahrung und Hygieneprodukte finanziert.

Spenden kann man an folgendes Konto: „Unser Bruck hilft“, Erste Bank Sparkasse Bruck, IBAN: AT30 2021 62169756 3700, Verwendungszweck: Lesbos/ Moria

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