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Chronik Niederösterreich
05/14/2021

"Brauchen Entscheidung": S8-Befürworter schreiben Brief an Ministerin

Ein Vogel steht der geplanten Marchfeldschnellstraße im Weg. Nun will die ÖVP wissen, wie es in der Causa weitergehen soll.

von Johannes Weichhart

"Wir haben es satt", sagt René Lobner. "Seit 15 Jahren wartet die Region auf eine Entscheidung, passiert ist aber nichts."

Lobner ist ÖVP-Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Gänserndorf. Er ist die lauteste Stimme wenn es um den Bau der Marchfeldschnellstraße S8 geht. Ob das 310 Millionen Euro teure Projekt umgesetzt werden kann, ist weiter unklar.

Gutachten

Wie bereits mehrfach berichtet, kam ein Gerichtsgutachten zu dem Schluss, dass der Bau der S8 die Fortpflanzungsstätte des Triels beeinträchtigen würde. Der Vogel steht in Österreich auf der Roten Liste.

Bodenbrüter
Der Triel ist nach seinem Ruf "Triüüii" benannt, ist rund 40 Zentimeter groß, wiegt kein halbes Kilo und bewohnt trockene Brachland- und Küstengebiete vor allem in West- und Südeuropa,  in Afrika und Asien.

Bedrohung
Es besteht eine 50-Prozent-Gefahr, dass er in den nächsten zehn Jahren in Österreich ausstirbt. Es gibt nur noch wenige Brutpaare.

Gefährdung
Nahrung: Insekten, Würmer, Käfer. Feinde: Mensch, schlechtes Wetter, Füchse, Greifvögel und Rabenvögel

Dabei wurde 2019 bereits ein positiver UVP-Bescheid ausgestellt. Doch in der zweiten Instanz distanzierte sich der Experte von seiner bisherigen Expertise.

Nun liegt der Ball beim Bundesverwaltungsgericht. Eine Genehmigung gilt mittlerweile zwar als ausgeschlossen, doch die weitere Vorgehensweise ist unklar. Das Gericht hat nun mehrere Optionen: Zum einen kann das Projekt an das Ministerium zurückverwiesen und die Behörde auffordern in bestimmten Bereichen weiter zu ermitteln. Zum anderen kann es das Projekt abweisen, das würde ein vorläufiges Ende bedeuten.

"Seit sieben Monaten ist in der Causa aber nichts passiert", ärgert sich Lobner, der nun einen Brief an Verkehrsministerin Leonore Gewessler geschrieben hat. Er ersucht in dem Schreiben um einen Gesprächstermin, damit man endlich die aktuelle Situation in der Region darlegen könne, wie er sagt. "Die Region erstickt im Lkw-Verkehr", so Lobner.

Enttäuscht zeigt man sich seitens der ÖVP Niederösterreich auch darüber, dass man auf eine Resolution des Landtages, die von ÖVP, SPÖ und der FPÖ unterschrieben wurde, bis heute keine Antwort aus dem Büro der Ministerin erhalten habe. "Es ist sehr befremdlich, dass die Politik hier ignoriert wird", erklärt Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner.

Auf KURIER-Nachfrage heißt es aus dem Büro von Gewessler: „Zur S8 ist aktuell noch eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zur Umweltverträglichkeitsprüfung ausständig. Die Unabhängigkeit und Rechtstaatlichkeit dieser Verfahren hat für uns oberste Priorität. Deshalb gilt es vor etwaigen nächsten Schritten jedenfalls die Entscheidungen der Gerichte abzuwarten, damit Rechtssicherheit für alle Beteiligten gewährleistet bleibt.“

Erste Planungen 
2002 war erstmals die Rede von  einer Marchfeld Straße. Damals noch als B8a geplant.

Schnellstraße
2006 wurde das Projekt mit der aktuellen Trasse zum ersten Mal als Marchfeld Schnellstraße betitelt. Baubeginn: Frühjahr 2008

UVP-Bescheid
Im Frühjahr 2019 erhält die S8 einen positiven UVP-Bescheid.

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