Austellung: Die Panzer aus der „Spielwarenfabrik“

Unter diesem verharmlosenden Codenamen zogen die Nazis in St. Valentin eine riesige Panzerfabrik auf. Eine Ausstellung darüber wird auch als besonderes Begleitprojekt zur NÖ Landesausstellung angeboten.
Mehrere Panzer werden in einer großen Fabrikhalle in verschiedenen Bauphasen montiert.

„Man staunt über die gigantische Maschinerie und Produktion, die es hier gab. Aber wir zeigen auch die andere Seite der Medaille.“ Die Ausstellung „Codename: Spielwarenfabrik“ behandelt eines der größten und modernsten Panzerwerke, das das Nazi-Regime in St. Valentin im Westen Niederösterreichs aufgezogen hat. Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr (SPÖ) und die Kulturverantwortlichen in ihrer Stadt wollen nicht staunen, sondern mehr Bewusstsein für diese Kriegsindustrie im Dritten Reich schaffen.

Als eines von mehreren Umfeldprojekten der Ende März startenden NÖ Landesausstellung „Wenn die Welt Kopf steht“ über Psyche, Mensch und Gesundheit im Landesklinikum Mauer steht die St. Valentiner Ausstellung besonders im Fokus.

Die Schau zeigt, wie die Stahlrösser in Fließbandarbeit für die Schlachtfelder montiert wurden. Sie beschäftigt sich aber auch intensiv mit dem kriminellen Schatten des riesigen Betriebs innerhalb des Rüstungskonzerns „Steyr-Daimler-Puch-AG“. Die Knechtschaft und Ausbeutung von Hunderten Zwangsarbeitern und Häftlingen im St. Valentiner Außenlager des KZs Mauthausen sorgen für Betroffenheit. Und schlussendlich kamen die Bomben und bescherten Tod und Verderben.

Mehrere Männer,darunter Adolf Hitler,  in Uniformen gehen gemeinsam auf einem Bahnsteig neben einem Zug.

Adolf Hitler inspizierte das Nibelungenwerk zweimal. 

Ein detailgetreues Modell eines Tarnfarben-Panzers steht auf einem transparenten Podest in einer Ausstellung.

Panzer verschiedenster Typen wurden im „Ni–Werk“ produziert

Eine Ausstellung mit historischen Fotos, Texttafeln und einem Bildschirm zeigt Informationen zur Panzerproduktion im Zweiten Weltkrieg.

Die Schau befindet sich im St. Valentiner Postnebengebäude.

Mehrere Panzer werden in einer großen Fabrikhalle in verschiedenen Bauphasen montiert.

Im St. Valentiner Werk wurden Panzer am Fließband montiert. Es war    das modernste im Dritten Reich.

Gestreifte Jacke mit rotem Stoffdreieck und Nummer auf der Brust, dazu passende Hose mit rotem Stoffstück.

Mehrere Personen sitzen und stehen auf einem Panzerfahrzeug im Freien, umgeben von winterlicher Landschaft und kahlen Bäumen.

1.200 Besucher

Auch das wird in der Ausstellung, die vor knapp einem halben Jahr eröffnet worden ist, mit beeindruckenden Bildern und Exponaten gezeigt. Mittlerweile haben knapp 1.200 Besucher die Schau im Postnebengebäude gesehen, berichten Stadtchefin Suchan-Mayr und Kulturstadträtin Birgit Seiler.

Viele Betrachter hätten gestaunt und sich gewundert, weil sie von einem derart riesigen Rüstungsbetrieb in ihrer Stadt bislang wenig oder nichts gewusst haben. Manche seien auch schon mehrmals da gewesen, berichtet Stadträtin Seiler.

„Selbst in der Schule wurde das zu unserer Zeit nicht unterrichtet. Es gibt viele, die wissen gar nichts darüber“, erzählt die Stadtchefin. Dabei seien viele Begriffe aus der damaligen Zeit heute noch in Verwendung. Etwa das Wort „Ni-Werk“ für das damalige „Nibelungenwerk“ oder die Panzerstraße, die heute als Landesstraße nach Ennsdorf führt. Auch über die „Hitler-Häuser“, gemeint sind die Siedlungen in den damals neu aufgebauten Stadtteilen Herzograd und Langenhart, komme man immer wieder ins Gespräch. Was dahinter stecke und dass St. Valentin durch das Panzerwerk zur Industriestadt wurde, sei der Jugend großteils unbekannt, schildern Suchan-Mayr und Seiler.

Industriestandort

Dort, wo heute die Betriebe des Magna-Konzerns und das Traktorenwerk CNH-Steyr produzieren, wurden zwischen 1941 und 1945 5.000 Panzer fertiggestellt. Zweimal besuchte Adolf Hitler das Werk persönlich und zeigte sich zufrieden. Waren zu Beginn um die 1.000 Männer und Frauen in getarnten Hallen und auch unterirdischen Werkstätten beschäftigt, sind es vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs 9.000 gewesen.

Die akribischen Forschungen und ein Buch des aus der Nachbargemeinde stammenden Historikers Josef Reisinger gelten als Initialzündung für die noch junge Aufarbeitung der Geschichte des Panzerwerks. Es war im Rüstungsdreieck Linz-Steyr-St. Valentin mit anderen Waffen- und Munitionsproduzenten eine maßgebliche Stütze für das lange Durchhalten der Wehrmacht.

Panzer IV

Im dritten Quartal des Jahres 1944 erreichte man als Spitzenleistung eine Monatsproduktion von 287 Einheiten des Panzerkampfwagens IV. Auch als gegen Kriegsende die Bombenangriffe auf die „Spielwarenfabrik“ immer heftiger wurden, konnten im ersten Quartal 1945 noch immer 506 Panzer fertiggestellt werden.

Die Ausstellung ist derzeit an Sonntagen von 10 bis 18 Uhr zu sehen und wird ab 31. März noch dienstags und donnerstags (14 – 19 Uhr) geöffnet. Viele Gruppenbesucher nutzen schon das Kombi-Ticket mit der Landesschau und einem Essen in einem Mostwirtshaus (59 Euro). Für sie wird die „Spielwarenfabrik“ auch extra geöffnet. Im Industrieviertel Herzograd wurde 1998 auch ein KZ-Mahnmal enthüllt. Auch Kooperationen der Ausstellungsmacher mit dem Mauthausen-Komitee und Schulaktionen wird es geben.

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