KI erfindet Gesetze: Hollabrunner AK-Chef warnt vor bedenklichem Trend

Die Hollabrunner Arbeiterkammer hat für ihre Mitglieder im Vorjahr knappe 2 Millionen Euro zurückgeholt. Das zeige, wie wichtig die AK sei.
Martin Feigl (l.) und Christian Kauer

10.420 - so viele Menschen sind im Jahr 2025 bei der Hollabrunner Bezirksstelle der Arbeiterkammer (AK) angedockt. Dazu kommen noch 2.400 Kontakte durch den niederösterreichweiten Telefondienst. "Damit spielen wir schon in der oberen Liga mit", sagt AK-Bezirksstellenleiter Martin Feigl - und das, obwohl Hollabrunn zu den kleineren Bezirken gehört.

Woher kommen dann die vielen Kontakte? "Die Grenzgänger aus Niederösterreich schlagen bei uns auf", spricht er die Tschechen an, die in Österreich arbeiten. Die Hollabrunner AK genießt im Nachbarland einen guten Ruf. Mittlerweile gibt es sogar eine Mitarbeiterin, die als Übersetzerin im Einsatz ist; einmal die Woche auch in den Bezirksstellen Horn oder Mistelbach

Reicht es nicht, mit einem Sprachprogramm zu übersetzen? "Nein. Es ist wichtig, dass der Mitarbeiter da ist und dass jemand übersetzt, der weiß, wovon er spricht", stellt Christian Kauer, Kammerrat der AK Niederösterreich, klar.

Martin Feigl (l.) und Christian Kauer

Martin Feigl (l.) und Christian Kauer präsentierten die AK-Bilanz im Bezirk Hollabrunn.

Die Beratungen werden immer mehr, manche sind rasch erledigt, bei 3.856 Fällen der über 10.000 Kontakte waren weiterführende Beratungen und die Unterstützung der AK-Experten notwendig. Was ebenfalls steigt, sind Anfragen per E-Mail: "Die werden immer mehr und komplizierter", sagt Feigl.

"Die Zahlen sind beeindruckend und traurig. Sie zeigen, wie notwendig es ist, dass es uns gibt."

von Christian Kauer

Landeskammerrat der AK NÖ

Warum? "Weil viele vorher die KI fragen, was ihnen zusteht und den KI-Text gleich mitschicken", erklärt der AK-Chef. Was er und sein Team dabei oft feststellten: Die KI greift bei Informationen auf deutsches Recht zurück, das in Österreich aber nicht gilt. Sogar die Aktenzahlen deutscher Fälle werden mitgeliefert. Es sei oft schwierig, den Betroffenen zu erklären, warum das, was die KI ausgespuckt hat, doch nicht gilt.

Kein Verlass auf die Künstliche Intelligenz

Und: "Wenn die KI nichts im Internet findet, dann erfindet sie einfach was", weiß Feigl. Das testete er aus Interesse selbst: Die KI sollte herausfinden, wann in Österreich ein Betriebsrat gegründet werden kann. "Wir waren irgendwo bei 800 Mitarbeiter", schmunzelt Feigl über die Information der KI. Denn: "In Österreich kann ab fünf Mitarbeitern ein Betriebsrat gegründet werden."

10.420 Kontakte ist aber nicht die einzige Zahl, die Feigl und Kauer bei der Jahresbilanz präsentieren: 2,34 Millionen Euro wurden für die AK-Mitglieder allein im Bezirk zurückgeholt; Geld, das den Menschen zusteht. Davon wurden 1,92 Millionen Euro im Arbeits- und Sozialrecht eingebracht. 

Firma blieb Lohnzahlung schuldig

Ein Fall davon betraf eine Montagefirma aus dem Bezirk Hollabrunn. Der Betrieb hat vier Mitarbeiter immer wieder vertröstet, als es um die Lohnzahlungen ging. Der Lohn für Juli und August wurde nicht ausbezahlt, jener für September schon. Ab Oktober sahen die Mitarbeiter wieder kein Geld. Weihnachtsgeld oder Auszahlung etlicher Überstunden: Fehlanzeige. "Allein bei den vier Monteuren sind wir auf fast 110.000 Euro offener Ansprüche gekommen", erinnert sich Feigl. Betroffen waren insgesamt zwölf Mitarbeiter.

Ansprüche bei Insolvenzentgeltfonds angemeldet

Der Betrieb meldete Insolvenz an: "Für die anderen Mitarbeiter haben unsere Expertinnen und Experten ihre Ansprüche beim Insolvenzentgeltfonds angemeldet", sagt Feigl. Die Ansprüche werden so bald wie möglich ausbezahlt. 

"Diese Zahlen sind beeindruckend und traurig", kommentiert Kauer, der einmal mehr darauf hinweist, "wie notwendig es ist, dass es die Arbeiterkammer gibt".

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