Zu wenige Windräder: Kärnten verfehlt Mindestziele
Zusammenfassung
- Der geplante Ausbau der Windkraft in Kärnten mit maximal 50 Windrädern reicht laut Bundesvorgaben nicht aus, um die Mindestziele für erneuerbare Energie zu erreichen.
- Das Land verweist auf mögliche Nachbesserungen wie Repowering bestehender Anlagen, um das Ziel ohne zusätzliche Windräder zu erreichen.
- Die Windkraftzonierung ist eine Reaktion auf eine Volksbefragung, bei der sich eine knappe Mehrheit gegen neue Windräder ausgesprochen hat, weshalb nur 0,077 Prozent der Landesfläche als Windkraftzonen ausgewiesen wurden.
Noch bevor am Donnerstag die neue Windkraftzonierung im Kärntner Landtag beschlossen werden soll, zeichnet sich ab: Mit der Erzeugung, die dadurch aus Windkraft möglich sein soll (maximal 50 Windräder auf 0,077 Prozent der Landesfläche, Anm.), dürfte Kärnten klar unter dem vom Bund geplanten, vorgegebenen Mindestziel für den Windkraftausbau liegen.
Das bestätigen der APA vorliegende Zahlen des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus.
Konkret geht es um das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) im Bund, für dessen Beschluss eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament nötig ist. Tritt dieses in Kraft, ist sein Ziel nicht nur eine - wie der Name schon sagt - Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energieformen, das Gesetz enthält auch Mindestziele für den Ausbau in den Bundesländern.
Für Kärnten bedeutet das, dass bis zum Jahr 2030 2,246 TWh zusätzliche Energie aus erneuerbaren Trägern erzeugt werden muss. Allerdings: Auch für die einzelnen Erzeugungsformen sind Mindestwerte vorgegeben. Aus Wasserkraft müssen in Kärnten um 0,2 TWh mehr erzeugt werden, aus Photovoltaik 0,63 TWh mehr und aus Windkraft 0,56 TWh mehr als noch im Jahr 2020.
Neubau oder Nachbesserung
Und genau die letzte Zahl spießt sich mit der Einschränkung Kärntens, die am Donnerstag von allen vier Parteien im Landtag durchgewinkt werden soll. Der darin enthaltene Zonierungsentwurf lässt rund 50 Windkraftanlagen zu. "Ob und in welcher Art und Weise diese Zonen für den Ausbau genutzt werden, obliegt den Projektwerbern, sprich die technische Ausgestaltung, die gewählten Anlagentypen sowie konkrete Projektkonfigurationen", hieß es auf APA-Anfrage vom Land Kärnten.
Somit könne "nicht abschließend seriös beziffert werden, wie hoch die konkrete zukünftige Erzeugung sein wird". Allerdings: "Der Ertrag der 46 derzeit bestehenden, geplanten oder in Genehmigung befindlichen Anlagen beträgt laut unseren Ertragsberechnungen rund 400 GWh bzw. 0,4 TWh." Deutlich zu wenig für das Mindestziel.
Hat die Kärntner Regelung mit der Beschränkung der Windradzahlen also schon vor ihrem Beschluss ein Ablaufdatum? Nicht unbedingt. Denn um das vom Bund vorgegebene Mindestziel zu erreichen, könne man bestehende Anlagen nämlich auch nachbessern. "Durch so genanntes Repowering wäre es möglich, das Energiepotenzial bestehender Anlagen deutlich zu heben, ganz ohne weitere Windräder errichten zu müssen", unterstreicht Energiereferent Sebastian Schuschnig (ÖVP).
So oder so: In Kärnten müsste nach Beschluss des EABG also entweder nachgebessert oder neu errichtet werden. So weit sei es aber noch nicht, hieß es vom Land: Detaillierte Fragen könne man erst konkret beantworten, "wenn das EABG im Nationalrat beschlossen wurde". Sollte das der Fall sein, "werden wir natürlich klären, wie und ob die dort festgelegten Ziele zu erreichen sind". Grundsätzlich sei es ein "ganz normaler Vorgang in der Politik", dass landesgesetzliche Anpassungen notwendig sind, weil sich Bundes- oder EU-Vorgaben ändern.
Einigung nach Volksbefragung
Die Windkraftzonierung ist Folge der Kärntner Windkraft-Volksbefragung, die auf Antrag der FPÖ und Teilen des Team Kärnten am 12. Jänner 2025 über die Bühne ging. 51,5 Prozent der Teilnehmer stimmten dabei für ein Verbot der Errichtung neuer Windräder. Die Wahlbeteiligung lag bei 35 Prozent. Als Reaktion auf die Befragung wurde die Zonierung erarbeitet, laut der es nur in vier Gemeinden im Bezirk Wolfsberg möglich sein wird, Windräder zu errichten. Damit wurden lediglich 0,077 Prozent der Landesfläche als Windkraftzonen ausgewiesen.
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