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Prozess zu siebenfachen Mordversuch in Klagenfurt gestartet

Ein 54-Jähriger soll in geschlossenem Raum Benzin verschüttet und angezündet haben. Das Urteil wird am Donnerstag erwartet.
Über einer Holztür steht in großen silbernen Buchstaben das Wort „Verhandlungssaal“.

Wegen siebenfachen Mordversuchs und versuchter Brandstiftung hat sich am Mittwoch ein 54-jähriger österreichischer Staatsbürger vor dem Landesgericht Klagenfurt verantworten müssen. Der gebürtige Kosovare soll im vergangenen September in einem geschlossenen Raum literweise Benzin verschüttet und angezündet haben. Er bekannte sich nur der schweren Körperverletzung schuldig: "Ich wollte niemanden ermorden."

Vor dem Vorfall hatten sich acht Bekannte, alle aus der kosovarischen Community, in einem Lagerraum in Klagenfurt zum Schachspielen getroffen. Als der Angeklagte, der schon leicht alkoholisiert war, dazustieß, wurde ihm von einem der Anwesenden erklärt, dass er es nicht möge, wenn der 54-Jährige betrunken ist. Daraufhin holte der Angeklagte einen Kanister, fuhr zu einer Tankstelle und kaufte dort rund 13,5 Liter Benzin und ein Feuerzeug. Damit fuhr er wieder zurück und stellte sich in die Tür des Lagerraumes - also in den einzigen Fluchtweg.

"Jetzt werdet ihr alle sterben"

"Daraufhin sagte er sinngemäß: Nicht bewegen, jetzt werdet ihr sehen, jetzt werde ich es euch zeigen - jetzt werdet ihr alle sterben", zitierte Staatsanwältin Anna Kanduth aus den Zeugenaussagen. Der Angeklagte verschüttete das Benzin halbkreisförmig - die Lacke war rund 7,5 Quadratmeter groß - und zündete ein Stück Küchenrolle an. Einer der Anwesenden reagierte geistesgegenwärtig, schnappte den Kanister und flüchtete ins Freie. Daraufhin ließ der Angeklagte die brennende Küchenrolle fallen. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und erfasste auch die Möbel im bald völlig verrauchten Raum.

In Panik versuchten die restlichen sieben Männer, sich durch ein Fenster zu zwängen, einige entkamen auch durch die Eingangstür, mussten dabei aber durch die Flammen laufen. Dabei rutschte einer der Männer aus, stürzte und verbrannte sich die komplette rechte Körperhälfte. Er war ebenso in Lebensgefahr und musste auf der Intensivstation betreut werden, wie ein weiterer Mann, dessen Füße verbrannten, als er versuchte, durch das Fenster zu flüchten. "Beide Opfer leiden noch immer an Folgen und werden auch ihr restliches Leben damit zu kämpfen haben", so Kanduth.

"Ich wollte nur eine Gaudi machen"

Verteidiger Philipp Tschernitz betonte, sein Mandant werde die Verantwortung für die Brandstiftung und schwere Körperverletzung übernehmen: "Er wollte aber definitiv nicht, dass seine Freunde sterben." Er habe ihnen Angst machen wollen und dabei komplett unterschätzt, wie schnell sich das Feuer ausbreiten würde. Das Benzin habe er eigentlich für sein Aggregat gekauft, das Feuerzeug habe er gebraucht, weil er am nächsten Tag Abfall verbrennen habe wollen.

"Ich wollte niemanden ermorden", beteuerte der Angeklagte, "ich wollte nur eine Gaudi machen, ihnen ein bisschen Angst machen." - "Wieso?", wollte Richterin Claudia Bandion-Ortner, die dem Geschworenensenat vorsaß, wissen - bekam aber keine klare Antwort. Er habe lediglich gesagt: "Bewegt euch nicht", gab der Angeklagte weiter an. Er habe damit verhindern wollen, dass die anderen Männer zu nahe zum Feuer kommen. "Ich habe gesagt, kommt nicht her, aber drei sind trotzdem hergekommen. Das war aber nicht notwendig, zur Tür zu laufen, es gab nämlich noch genug Platz, wo es nicht gebrannt hat." Als dann die Leute in Panik geraten seien, habe einer von ihnen den Angeklagten beschimpft, weshalb er ihn mit der Faust geschlagen und getreten habe, gab der 54-Jährige an.

Video zeigte dramatische Szenen

Während der Verhandlung wurde auch ein Video gezeigt, das aus einer Überwachungskamera vor dem Gebäude stammt. Darauf sind Teile der dramatischen Szenen zu sehen, als die Männer aus dem Raum flüchten - eines der Opfer brennt fast am ganzen Körper, ein anderer Mann wälzt sich am Boden, um seine brennende Hose zu löschen.

Die Einvernahme des Angeklagten war am Vormittag noch im Gange. Für den Prozess waren zwei Tage anberaumt, ein Urteil wurde für Donnerstagnachmittag erwartet.

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