„Das hat der Wörthersee nicht verdient“: Gezerre um Einstufung
Wirtschaftliche Interessen gegen ökologische Prinzipien. Tourismus gegen Umweltschutz: Der Wörthersee ist aktuell Gegenstand heftiger Diskussionen.
Konkret geht es um die staubtrockene Einstufung des Gewässers: Bisher gilt der See, wie die meisten in Österreich, als „natürlicher Wasserkörper“.
Die Wirtschaftskammer Kärnten will das nun ändern und den Wörthersee im Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan rechtlich als „erheblich veränderten Wasserkörper“ neu einstufen lassen. Warum das?
„Kein Natursee“
Wirtesprecher Stefan Sternad begründet den Antrag mit touristischer Weiterentwicklung, auch See-Einbauten sollen möglich sein. Der Umweltdachverband protestiert. „Experten haben uns gesagt, wir würden den Wörthersee wie einen Bergsee beurteilen. Wenn wir den Wörthersee als unverbaut betrachten, ist das falsch. Das ist kein Natursee, es gibt sehr viel verbautes Seeufer“, so Wirtesprecher Sternad.
Er kritisiert, es würde eine „Anti-Motorboot- und Anti-Establishment-Diskussion“ geführt. Tausende lebten vom See. „Rückbauten von Stegen haben einen ökonomischen Schaden.“ Stege müssen inzwischen alle zehn Jahre neu genehmigt werden. Die Wirtschaftskammer argumentiert, dass durch kleinere Stege oder weniger Motorboote keine ökologische Verbesserung garantiert sei, auch weil der Klimawandel dem See zusetze. Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) soll nun die Einstufung des Wörthersees „aktualisieren“.
Kritik an Vorstoß der WK
Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbands, kritisiert den Vorstoß der WK. „Ich sehe einen großen Widerspruch dazu, wie man den Wörthersee üblicherweise verkauft: als intakte Natur.“ Es gebe eine EU-rechtliche Verpflichtung, die Seen in einen besseren Zustand zu bringen, und zu Renaturierung, Einbauten und Begradigungen müssten entfernt werden. „Davon möchte man sich verabschieden. Das halte ich für unlauter und für einen Widerspruch zur touristischen Zielsetzung.“ Das habe der Wörthersee nicht verdient.
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