Bis die bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung, so der Fachbegriff, tatsächlich in Betrieb ging, sollte es eine Weile dauern. Die notwendige Technologie wurde schon vor eineinhalb Jahren installiert, die erforderliche Verordnung des Infrastrukturministeriums liegt aber erst seit vergangenen November vor.
Gestern Abend wurde schlussendlich der "echte" Aus-Knopf gedrückt. Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner (Grüne) bereitete dem Dauerblinken gemeinsam mit Burgenland Energie-CEO Stephan Sharma und Philipp Piber, dem Chef der Austro Control, ein Ende.
38 Windräder werden "unsichtbar"
Der Windpark mit seinen 38 Anlagen bleibt abends somit dauerhaft dunkel - es sei denn, ein Fluggerät nähert sich. "Klingt einfach, ist jedoch technisch komplex", sagt Burgenland-Energie-Chef Stephan Sharma. "Nach vier Jahren Projektlaufzeit mit vielen technischen Tests, neuer Infrarot-Lichter, neuer Gesetze und Genehmigungen konnte das Projekt abgeschlossen werden.
Auf rund 150 Meter Höhe sind Infrarot-Lichter und Windpark-Rechner installiert worden. Damt schalten sich die Lichter nur ein, wenn sich ein Flugzeug oder Hubschrauber nähert. Wir machen die Windräder unsichtbar – nicht durch einen Zaubertrick, sondern durch Innovation“, so Sharma.
Das System der Austro Control greift unter anderem auf Radar- und Flugplandaten zurück, um in Echtzeit zu erkennen, ob sich ein Flugzeug in der Nähe von Windkraftanlagen befindet. Dafür wird ein Schutzbereich eingerichtet, der sich über einen Radius von mindestens acht Kilometern rund um das Hindernis erstreckt und vertikal bis mindestens 600 Meter über dessen höchsten Punkt hinaus ragt. Dringt ein Flugzeug in diesen Bereich ein, schaltet sich die Beleuchtung automatisch ein.
Für Rettungs- und Einsatzflüge gibt es eigene Vorkehrungen: Sie können die Beleuchtung im Bedarfsfall unabhängig vom System jederzeit über ihre Leitstellen per Fernaktivierung einschalten.
"Sicherheit oberste Priorität"
„Für Austro Control hat die Sicherheit der Luftfahrt oberste Priorität. Mit der Entwicklung unseres innovativen Systems zur bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung verbinden wir höchste Sicherheitsstandards mit einer deutlichen Verringerung der Lichtbelastung für die Bevölkerung“,
sagt Austro Control Geschäftsführer Philipp Piber.
Die grüne Landeshauptmann-Stellvertreterin hebt die Umwelt-Benefits hervor: "Für die Anrainerinnen und Anrainer bedeutet das spürbar mehr Lebensqualität – ein ganz wesentlicher Schritt, um die Akzeptanz für Windkraft weiter zu stärken", so Anja Haider-Wallner.
Laut Burgenland Energie könnten die nächtlichen Blinklichter dank der bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung in bis zu 90 Prozent der Nachtzeit ausgeschaltet bleiben.
Weitere Windparks werden umgerüstet
Die Technologie soll bald auch in weiteren burgenländischen Windparks zum Einsatz kommen. In Parndorf und Neusiedl/Weiden ist die Umrüstung bereits im Gange. Bis 2027 sollen alle Windparks der Burgenland Energie in den Nachtstunden weitgehend dunkel bleiben.
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